Wahlumfrage zeigt: SVP erreicht fast 30 Prozent Wähleranteil in der Schweiz

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ParteienstärkenWahlumfrage: Fast jeder dritte Schweizer wählt jetzt SVP

Wären heute Wahlen, würde die SVP als einzige Partei zulegen. Doch insgesamt halten sich die Parteistärken relativ stabil – die Schweiz zeige sich somit als «Hort der Stabilität», wie Politologe Thomas Milic festhält.

Darum gehts

  • Laut einer Umfrage gewinnt die SVP als einzige Partei Wähleranteile hinzu.
  • Sie nähert sich damit der 30-Prozent-Marke.
  • Die Mitte könnte die FDP überholen und als drittstärkste Partei ablösen.
  • Die Schweizer Bevölkerung sorgt sich am meisten um die Gesundheitskosten.

In zwei Jahren stehen in der Schweiz die nächsten nationalen Wahlen an. Wären die Wahlen schon heute, gäbe es eine einzige Gewinnerin: Die SVP.

Als einzige Partei kann sie zulegen – um 1,9 Prozentpunkte. Damit kratzt sie an der 30-Prozent-Grenze. Bei den restlichen Parteien nimmt die Unterstützung zwischen 0,1 (Grüne) und 0,8 Prozentpunkten (FDP) ab. Das zeigt die neue Wahlumfrage von Leewas im Auftrag von 20 Minuten und Tamedia.

Aufgrund des Fehlerbereichs von zwei Prozentpunkten sind die Ergebnisse mit Vorsicht zu interpretieren. Dennoch: Sollte sich dieses Bild auch bei den Wahlen 2027 zeigen, könnte die SVP die 30-Prozentmarke erreichen. Das wäre ein Rekord für die Partei – 2015 erreichte sie mit 29,4 Prozent Wähleranteil ihr bisher bestes Ergebnis.

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Ebenfalls auffällig: Während die Mitte laut Umfrage 0,4 Prozentpunkte verlieren würde, ist es bei der FDP gar das Doppelte. Damit würde die Mitte die FDP als drittstärkste Partei ablösen, was ebenfalls historisch wäre. Ausserdem könnte die Partei dann mit guten Gründen Anspruch auf den zweiten FDP-Bundesratssitz erheben.

Gesundheitskosten sind Top-Sorge

Die Umfrage geht auch auf die drängendsten Probleme der Wählerinnen und Wähler ein. Mit Abstand am meisten Sorgen bereiten den Teilnehmenden die Gesundheitskosten – über 70 Prozent gaben dies an. Das Thema belegte bereits im Vorfeld der Wahlen 2023 den ersten Platz. Auf Platz zwei folgt die Zuwanderung, an dritter Stelle das Verhältnis zur EU, welches vor zwei Jahren noch auf Platz neun zu finden war.

Je nach Parteisympathie bereiten unterschiedliche Bereiche Sorgen: Die Gesundheitskosten stehen bei der SP-, Mitte- und FDP-Anhängerschaft zuoberst, während den GLP-Anhängern der Klimawandel, der Grünen-Basis der Umweltschutz und den SVP-Sympathisierenden die Migration am meisten Sorgen bereiten.

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Auffällig: Obwohl SVP-Doyen Christoph Blocher die «Neutralitäts-Initiative» lanciert hat, findet sich das Thema Neutralität nicht in den Top-5-Sorgen seiner Wählerschaft – über alle Parteien hinweg belegt es den 16. Platz von 22.

So reagieren die Parteien

«Schweiz zeigt sich als Hort der Stabilität»

Die «enorm stabilen» Umfrageresultate der Sonntagsfrage überraschen den Politologen Thomas Milic: «Im europäischen Kontext ist das alles andere als selbstverständlich: Um uns herum finden grosse Umwälzungen statt, die Schweiz hingegen zeigt sich als Hort der Stabilität.»

Das dürfte vor allem an der direkten Demokratie hierzulande liegen, erklärt Milic. Denn Themen, die die Bevölkerung bewegen – wie etwa die Migration – würden damit viel früher auf nationaler Ebene behandelt, als das in anderen Ländern der Fall sei. «Natürlich liegt es aber auch daran, dass die Schweiz generell politisch, wirtschaftlich und in weiteren Bereichen sehr stabil ist», so der Politologe.

Politologe Thomas Milic erklärt, weshalb die Parteiunterstützung so stabil geblieben ist.
Politologe Thomas Milic erklärt, weshalb die Parteiunterstützung so stabil geblieben ist.20min/Celia Nogler

Die SVP feierte bei den Wahlen 2023 mit einem Wählergewinn von 2,3 Prozentpunkten einen Erfolg. Die typische Gegenbewegung, bei der sich Wählende nach einem Ruck nach rechts oder links bei den nächsten Wahlen für die entgegengesetzte Richtung entscheiden, bleibt nun aber aus. Das wiederum erklärt Milic mit einem Trend, der weit über die Schweiz hinausgeht: «Wir beobachten in der westlichen Welt eine konservative Wende – diese ist in anderen Staaten, wie etwa den USA, jedoch weitaus ausgeprägter.»

Parteien fehlen gute Rezepte gegen hohe Gesundheitskosten

Hinsichtlich der Sorgen der Bevölkerung spiegle sich dies auch bei der Parteiwahl. Das Klimathema sei weg, andere Themen stünden im Vordergrund – etwa globale Konflikte. «Solche Ereignisse liegen nicht in den Händen der Schweizer Parteien, können aber einen starken Einfluss auf den Ausgang von Wahlen haben», erklärt Milic. Ereignisse wie der US-Zollhammer brächten die Strategien der Parteien durcheinander. «Darauf hat man als Partei nicht unbedingt immer eine Antwort parat.»

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Dass die Gesundheitskosten als grösste Sorge in der Bevölkerung wahrgenommen werden, helfe keiner Partei direkt. «Die Thematik stellt ein Problem für alle Parteien dar: Denn die Wählerschaft weiss oftmals nicht so recht, welche Partei sie wählen muss, um eine Lösung für ihre Sorge zu erhalten. Vielfach entsteht eher der Eindruck, keine Partei wisse so Recht, wie man dies in den Griff bekommt», so Milic. Allen Parteien fehlten hierfür gute Rezepte.

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Christina Pirskanen (pir) arbeitet seit 2022 für 20 Minuten. Sie ist seit Januar 2026 stv. Leiterin des Ressorts Politik.

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