Tennessee30 Jahre nach brutalem Mord soll Christa (49) hingerichtet werden
Das gab es in Tennessee seit 200 Jahren nicht mehr: Der US-Bundesstaat will mit Gefängnisinsassin Christa Gail Pike (49) im kommenden Jahr eine Frau hinrichten.
Darum gehts
- Seit 1996 sitzt die heute 49 Jahre alte Christa Gail Pike in Tennessee im Todestrakt – als einzige Frau.
- Nun beschloss das oberste Gericht des Staates ihre Hinrichtung und setzte als Datum den 30. September 2026 fest.
- Sie wäre die erste Frau seit über 200 Jahren, die in Tennessee hingerichtet wird.
Das Verbrechen, für das Christa Gail Pike als damals 18-jährige Schülerin im Jahr 1996 zum Tode verurteilt wurde, ist ausserordentlich brutal. Weil sie ihre Mitschülerin Colleen Slemmer verdächtigte, ihr den Freund ausspannen zu wollen, lockten Pike und zwei Mittäter im Januar 1995 das 19 Jahre alte Opfer in ein stillgelegtes Dampfkraftwerk in der Nähe des Uni-Campus in Knoxville – unter dem Vorwand, zusammen Gras zu rauchen. Dort prügelten sie die junge Frau und traktierten sie mit einem Messer. Dabei ritzte Pike, die sich für Okkultismus interessierte, ihrer angeblichen Rivalin auch ein Pentagramm in die Brust.
Schliesslich schlug Pike dem Opfer, welches sie aus einem Job Corps genannten staatlichen Ausbildungsprogramm für Jugendliche mit geringem Einkommen kannte, mit einem Stück Asphalt den Schädel ein. Danach packte sie ein Stück des Schädelknochens ein – und zeigte dieses in der Schule herum. Pike, ihr Freund Tadaryl Shipp und ihre Komplizin Shadolla Peterson wurden 36 Stunden nach der Tat verhaftet. Die Haupttäterin hatte das Schädelstück immer noch in ihrer Jackentasche.
Versuchter Mord an Mitgefangener
Während ihrer langen Zeit in Haft lud sich Pike, die unter schwierigen Umständen aufgewachsen war, weitere Delikte auf ihr Kerbholz. So soll sie 2004 im Gefängnis versucht haben, eine Mitgefangene mit einem Schuhbändel zu erdrosseln. Dafür wurde sie ebenfalls verurteilt. Im Jahr 2012 soll sie zudem gemeinsam mit einem Freund, den sie per Briefkontakt kennengelernt hatte, und einem Gefängnisaufseher, der Geld und Geschenke erhielt, einen Fluchtplan ausgearbeitet haben. Dieser flog allerdings rasch auf.
Nun hat das oberste Gericht des US-Südstaates nach langem juristischen Ringen mit Pikes Anwälten, die die Todesstrafe abwenden wollten, einen Termin für die Hinrichtung Pikes bestimmt: Sie soll am 30. September 2026 hingerichtet werden. Damit wäre sie die erste Frau seit über 200 Jahren, an der im Bundesstaat Tennessee die Todesstrafe vollzogen wird. Sie ist auch die einzige Todeskandidatin im Staat: Dies hatte zur Folge, dass sie im Gefängnis seit Jahren nur wenig Kontakt zu anderen Insassinnen haben kann und 23 Stunden pro Tag in einer Einzelzelle sitzt.
«Kindheit geprägt von Missbrauch»
Ihr Anwaltsteam ist schockiert: «Wir sind enttäuscht über die Entscheidung des Obersten Gerichtshofs von Tennessee, dem Antrag auf Hinrichtung von Christa stattzugeben. Wir bleiben dabei, dass Christas Todesurteil angesichts ihres jugendlichen Alters und ihrer schweren psychischen Erkrankung zum Zeitpunkt der Tat umgewandelt werden sollte. Christa wurde 1996 für eine Straftat zum Tode verurteilt, die sie zusammen mit zwei anderen Personen begangen hatte, als sie gerade einmal 18 Jahre alt war», heisst es.
Und weiter: «Christas Kindheit war geprägt von jahrelangem körperlichem und sexuellem Missbrauch sowie Vernachlässigung. Mit der Zeit und dank der Behandlung ihrer bipolaren Störung und ihrer posttraumatischen Belastungsstörung, die erst Jahre später diagnostiziert wurden, hat sich Christa zu einer nachdenklichen Frau entwickelt, die ihre Tat zutiefst bereut.»
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Felix Traber (trx) ist seit 2003 in verschiedensten Funktionen auf der Redaktion tätig. Derzeit arbeitet er am Newsdesk. Besonders interessieren ihn Kriminalfälle und die Welt der Wissenschaften.
