Abstimmung: Service-Citoyen-Initiative einfach erklärt

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AbstimmungenBürgerdienst für alle? Darum geht es beim Service Citoyen

Wehrpflicht für alle – auch für Frauen: Die Service-citoyen-Initiative will die Dienstpflicht ausweiten und breiter gestalten. 20 Minuten zeigt dir, worum es geht – und wie Befürworter und Gegner argumentieren.

Am 30. November stimmt das Schweizer Volk über die Service-citoyen-Initiative ab. Worum es dabei geht, was du wissen musst und wie die Ja- und Nein-Lager argumentieren – erklärt dir Melissa im Video.20 Minuten

Darum gehts

  • Die Service-citoyen-Initiative fordert eine Dienstpflicht für alle Schweizer Bürger – auch für Frauen.
  • Der Dienst soll vielfältiger werden: Er soll in Militär, Zivilschutz oder anderen Bereichen wie Bildung oder Umweltschutz erfolgen.
  • Das Initiativkomitee will die Schweiz dadurch krisenfester machen und den gesellschaftlichen Zusammenhalt stärken.
  • Kritiker sehen jedoch die persönliche Freiheit eingeschränkt und warnen vor einer faktischen Abschaffung der Wehrpflicht.

Am 30. November stimmt die Schweizer Stimmbevölkerung über zwei Vorlagen ab. Eine davon ist die Volksinitiative «Für eine engagierte Schweiz (Service-citoyen-Initiative)». 20 Minuten gibt dir den Überblick.

Das will die Service-citoyen-Initiative

In der Schweiz gilt für Männer eine Wehrpflicht: Sie müssen Militärdienst, Zivilschutz oder Zivildienst leisten. Frauen dürfen freiwillig Dienst leisten.

Die Initiative will dieses System grundlegend ändern. Künftig sollen alle Bürgerinnen und Bürger Dienst leisten – also auch Frauen. Der Einsatz soll breiter möglich sein: Alle Personen mit Schweizer Bürgerrecht sollen einen «Einsatz für Gemeinschaft und Sicherheit» leisten können. Dieser könnte in verschiedenen Bereichen erfolgen, etwa in:

  • Militärdienst
  • Zivilschutz
  • Umwelt- und Katastrophenschutz
  • Bildung
  • Cyberabwehr
  • soziale Betreuung
  • Landwirtschaft
  • Gesundheitswesen

Zudem will die Initiative die Bestände von Armee und Zivilschutz sichern und stärken. Der Sollbestand soll in der Bundesverfassung verankert werden.

Konkret sollen Armee und Zivilschutz vorrangig diejenigen Bürgerinnen und Bürger rekrutieren dürfen, die den benötigten Profilen entsprechen. Wer nicht ausgewählt wird, muss sich entweder für den neu gestalteten Zivildienst oder die Ersatzabgabe entscheiden.

Dienstdauer, Sold und Entschädigung sollen gleich bleiben wie heute. Ob und inwiefern Personen ohne Schweizer Pass einen Service Citoyen leisten sollen, überlassen die Initiantinnen und Initianten dem Gesetzgeber.

Der Initiativtext im Wortlaut

So argumentieren die Befürworter

Das Initiativkomitee besteht aus einer überparteilichen Allianz mit Vertreterinnen und Vertretern der GLP, SP, Grünen, Mitte, EVP, FDP und Piratenpartei sowie Verbänden wie «Frauen im Taz». Sie betonen, dass Armee und Zivilschutz mit der Initiative gesichert würden – und darüber hinaus neue Kräfte mobilisiert werden könnten. Die Schweiz werde so krisenfester. Durch die Erweiterung der Dienstpflicht auf Frauen würde das volle Potenzial mobilisiert sowie die Verantwortung fair verteilt. Das stärke auch den gesellschaftlichen Zusammenhalt.

Die Befürworter an ihrer Medienkonferenz zum Start der Ja-Kampagne: (v.l.n.r) Noémie Roten (Präsidentin des Initiativkomitees), Beat Flach (GLP-Nationalrat), Charles Juillard (Mitte-Ständerat), Christine Badertscher (Grünen-Nationalrätin), Marc Jost (EVP-Nationalrat), Daniel Jositsch (SP-Ständerat).
Die Befürworter an ihrer Medienkonferenz zum Start der Ja-Kampagne: (v.l.n.r) Noémie Roten (Präsidentin des Initiativkomitees), Beat Flach (GLP-Nationalrat), Charles Juillard (Mitte-Ständerat), Christine Badertscher (Grünen-Nationalrätin), Marc Jost (EVP-Nationalrat), Daniel Jositsch (SP-Ständerat).20min/Stefan Lanz

Weiter erhofft sich das Komitee, dass Jugendliche durch den Service Citoyen aus «ihrer Bubble» kämen und die Schweiz sowie Mitmenschen aus allen Regionen kennenlernen würden. Die Erfahrungen aus dem Bürgerdienst könnten sie für ihr persönliches und berufliches Leben mitnehmen.

Deshalb wehren sich die Gegnerinnen und Gegner

Das Nein-Lager – eine Allianz aus Vertreterinnen und Vertretern von SVP, FDP, Mitte, SP, Grünen und Wirtschaftsverbänden – sieht die Bestände der Armee in Gefahr. Wenn künftig alle Dienstleistenden statt in der Armee auch in Betreuung, Pflege oder Umweltschutz eingesetzt werden könnten, sei die personelle Basis der Armee nicht mehr garantiert. Für sie läuft die Initiative auf eine Abschaffung der Wehrpflicht hinaus – und schwächt damit die Verteidigungsfähigkeit.

Die Gegner bei der Lancierung ihrer Nein-Kampagne: (v.l.n.r.) Balthasar Glättli (Grünen-Nationalrat), Heinz Theiler (FDP-Nationalrat), Andrea Zryd (SP-Nationalrätin), Reto Nause (Mitte-Nationalrat), Jean-Luc Addor (SVP-Nationalrat).
Die Gegner bei der Lancierung ihrer Nein-Kampagne: (v.l.n.r.) Balthasar Glättli (Grünen-Nationalrat), Heinz Theiler (FDP-Nationalrat), Andrea Zryd (SP-Nationalrätin), Reto Nause (Mitte-Nationalrat), Jean-Luc Addor (SVP-Nationalrat).20min/Stefan Lanz

Ausserdem kritisiert insbesondere das linke Lager der Allianz, der Bürgerdienst verletze das Verbot von Zwangsarbeit und greife in die persönliche Freiheit ein. Zudem entwerte er freiwilliges Engagement. Inakzeptabel sei auch, dass Frauen zu mehr Tieflohnarbeit verpflichtet würden, obwohl sie bereits einen Grossteil der Care-Arbeit leisteten.

Auch die Wirtschaft warnt vor einem verschärften Fachkräftemangel: Jährlich würden doppelt so viele junge Menschen vom Arbeitsmarkt abgezogen, Lehrstellen und Berufseinstiege würden unterbrochen.

Das sagt der Bundesrat

Die Regierung und das Parlament lehnen die Initiative ohne Gegenvorschlag ab. Verteidigungsminister Martin Pfister erklärte, dass bei Annahme jährlich 70’000 Bürgerinnen und Bürger verpflichtet würden – das übersteige den heutigen Bedarf deutlich.

Zu viele Dienstpflichtige, zu hohe Kosten: Der Bundesrat lehnt die Initiative ab.
Zu viele Dienstpflichtige, zu hohe Kosten: Der Bundesrat lehnt die Initiative ab.20min/Matthias Spicher

Nicht zuletzt sei die Initiative kostspielig. Die Kosten für den Erwerbsersatz und die Militärversicherung würden sich verdoppeln – von etwa 800 Millionen auf rund 1,6 Milliarden Franken (Erwerbsersatz), bzw. von rund 160 auf 320 Millionen Franken (Militärversicherung) pro Jahr.

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  • Die Universität Zürich attestiert 20 Minuten in einer Untersuchung, über Abstimmungen in der Schweiz besonders ausgewogen zu berichten.

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Christina Pirskanen (pir) arbeitet seit 2022 für 20 Minuten. Sie ist seit Januar 2026 stv. Leiterin des Ressorts Politik.

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