Nie wieder Admin-Frust: So organisierst du eine Admin Night

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Steuern statt ShotsAdmin Night ist die uncoolste Party, die du nicht bereuen wirst

Lästige Admin-Aufgaben werden plötzlich zum coolen Gruppenevent: Statt Versicherungen, Mails und Steuern monatelang rauszuschieben, machen Menschen daraus einen Abend mit Freundinnen und Freunden.

Wie ein Mahnmal liegt deine Steuererklärung bei dir auf dem Küchentisch. Dein privater Posteingang hat 12'000 ungelesene Mails. Du zahlst seit Monaten diverse Abos, die du nicht nutzt, und willst schon seit zwei Jahren deinen Desktop aufräumen. Doch: Du schaffst es einfach nicht.

Genau dieses Gefühl beschreibt der US-Autor Chris Colin im «Wall Street Journal»: Wir versinken in einem Treibsand aus winzigen, dummen Aufgaben. «Es ist der langweiligste Treibsand, den man sich vorstellen kann.» Und das nagt – an unserer Energie und an der Laune.

Gegen den Admin-Frust schmeisst Colin «die langweiligste Party aller Zeiten». Er lädt seine besten Freunde ein, die Bier und ihre To-dos mitbringen sollen. Das Konzept nennt der Autor Admin Night. Die Idee: Weil man nicht mehr alleine davor sitzt, fühlt sich monatelang aufgeschobener Admin-Kram nicht mehr so schwer an.

Admin Nights erobern Social Media

Die Idee verbreitet sich gerade rasant. Auf Linkedin erzählt Molly Ward, sie habe den Artikel gelesen und gleich eine solche Party veranstaltet: mit Snacks, bequemer Kleidung und Pomodoro-Technik (30 Minuten arbeiten, 10 Minuten plaudern). «Ich war beeindruckt, wie schnell meine To-do-Liste plötzlich kürzer wurde. Manche dieser Dinge haben lange Zeit viel Platz in meinem Kopf eingenommen.» Ward habe ihr Google Drive aufgeräumt, neue Campingrucksäcke recherchiert und endlich ihre Kreditkartenlimite erhöht.

Creatorin Maddy Agers kürt Admin-Abende zur «wohl günstigsten Girls-Hangout-Idee überhaupt». «Du gehst nach Hause und fühlst dich leichter. Und du hattest Zeit mit deinen Freundinnen, ohne viel auszugeben.»

In einem Reddit-Forum für Frauen mit ADHS wird die Idee aus dem «Wall Street Journal» ebenfalls als Lösung gegen kollektive Überforderung diskutiert: «Der Start ist vermutlich holprig. Und das Risiko, abzuschweifen, ist real. Aber selbst wenn wir nur 30 bis 50 Prozent mehr von diesem gefürchteten Admin-Kram erledigen, klingt das schon wunderbar.» Und zu wissen, dass auch andere mit ganz alltäglichen Aufgaben kämpfen, könne helfen, die Scham loszuwerden, es alleine nicht hinzubekommen.

Schweizerinnen setzen auf Steuer-Znacht

Auch in der 20-Minuten-Community ist der Trend angekommen – besonders rund um die Steuererklärung. Alisa (21) organisiert im April jeweils ein Admin-Abendessen mit Freunden und ihrem Vater, der selbstständig ist und sich auskennt. «Wir sitzen dann zusammen am Tisch, und er erklärt uns, was wir abziehen können und was nicht», erzählt sie. Für sie sei das extrem hilfreich, weil sie sich vorher «null ausgekannt» habe. Dieses Jahr gab es sogar einen Input zur Säule 3a.

Laura (32) erledigt die Steuererklärung seit Jahren gemeinsam mit ihrem Freundeskreis. Mal zu zweit, mal zu sechst. «Zusammen überwindet man sich eher und kann das elende To-do endlich von der Liste streichen.» Bei Sarah (33) wird aus dem Steuer-Znacht ein Spiel: Erst gibt es Rotwein und Pasta für alle – und wer zuerst fertig ist, gewinnt. «Man leidet gemeinsam und schiebt es nicht unnötig hinaus.»

Würdest du an einer Admin Night teilnehmen?

Fabiana (32) erzählt, im Job funktioniere sie stets, privat bleibe aber vieles liegen. «Tiktok und Netflix sind einfach spannender als Admin-Sachen.» Genau deshalb fände sie so ein Event eine richtig gute Idee. Jannik (28) überträgt das Prinzip auf die Abstimmungen: Er und seine Freundin setzten sich gemeinsam hin, diskutierten die Vorlagen und füllten dann zusammen die Stimmzettel aus. «Ich habe ihr die Unterlagen vorgelesen, quasi wie ein Podcast», erzählt er. So sei das Ganze deutlich weniger überfordernd gewesen.

Tipps für deine Admin Night

Setzt so wenig Hürden wie möglich: «Kommt einfach vorbei, am besten in Jogginghose oder Leggings.»
Limitiert die Zeit: 30 Minuten Fokus, danach zehn bis 15 Minuten Pause.
Erlasst Regeln: Keine Telefonate (die killen die Stimmung) und keine Aufgaben vom regulären Job.
Bleibt realistisch: Lieber drei Mini-Aufgaben pro Person statt «ich muss mein ganzes Leben ordnen».
Plant Belohnungen ein: Pasta, Chips oder ein Glas Wein fürs gute Gefühl davor oder danach.

Warum das Prinzip funktioniert

Dass Admin Nights funktionieren, ist kein Zufall. Gemeinsam fällt es leichter, anzufangen, dranzubleiben und nicht sofort abzuschweifen. Wer neben anderen sitzt, bleibt eher bei der Sache – selbst dann, wenn die Aufgabe mühsam ist. Dazu kommt: Zu sehen, dass auch andere mit Rechnungen, Steuern oder Mails kämpfen, nimmt Druck raus. Der Admin-Kram fühlt sich weniger wie persönliches Versagen an und mehr wie das, was er ist: etwas, das viele betrifft und gemeinsam einfacher zu bewältigen ist.

Was ist Body Doubling?

Body Doubling bedeutet: Du erledigst eine Aufgabe nicht alleine, sondern in Anwesenheit einer anderen Person. Das geht live oder auch per Videocall. Die zweite Person muss dir nicht bei der Aufgabe helfen – sie ist einfach da. Das Prinzip wird oft im Kontext von ADHS erwähnt, weil es beim Anfangen und Dranbleiben helfen kann. Eine Admin Night ist quasi Body Doubling – aber als sozialere, lustigere Version.
Würdest du an so eine Admin Night gehen? Oder ist das für dich der Horror, getarnt mit einem Partyhütchen?

Gloria Karthan (glo), arbeitet seit 2019 für 20 Minuten. Sie ist Mitglied der Redaktionsleitung und Leiterin des Lifestyle-Teams.

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