Debatte um Ausgang«Mein Kind hat mit 16 nichts im Club verloren»
Nach der Tragödie von Crans-Montana diskutieren Eltern neu über Ausgangsregeln. Leserinnen und Leser sagen, was sie ihren Kindern erlauben – oder eben nicht.
Darum gehts
- Der Fall in Crans-Montana wirft die Frage auf, ab wann Jugendliche alleine in den Ausgang dürfen.
- Viele Eltern setzen klare Altersgrenzen und Regeln, zum Beispiel eine Rückkehr bis Mitternacht.
- Einige betonen, dass Reife wichtiger sei als das genaue Alter.
- Andere finden, Jugendliche sollen früh Erfahrungen sammeln – aber mit Aufklärung und Verantwortung.
- Die Meinungen gehen auseinander, aber Sicherheit und Schutz stehen für alle im Vordergrund.
Die Tragödie in Crans-Montana stellt eine Frage ins Zentrum, die Eltern mit heranwachsenden Kindern schon seit Generationen beschäftigt: Ab wann sollen Jugendliche allein in den Ausgang? Welche Regeln ergeben Sinn, was Uhrzeit, Ort oder Umfeld anbelangt?
Wir haben bei der Community nachgehakt. Mit welchen Grenzen Leserinnen und Leser aufgewachsen sind, kannst du hier nachlesen. In diesem Artikel sprechen Eltern darüber, wann ihre Kinder in den Ausgang dürfen und welche Regeln sie ihnen auferlegen:
«Club ist meinem Sohn mit 14 ausdrücklich untersagt»
Leela, 42: «Mein Sohn ist 14 Jahre alt und in seiner Entwicklung bereits sehr weit. Als Mutter sehe ich es als meine Verantwortung, ihm klare Regeln, Werte und Grenzen zu vermitteln. Mein Sohn darf an den Wochenenden bis spätestens Mitternacht mit seinem Freund hier im Quartier draussen sein. Für mich ist klar: Mit 14 Jahren ist es zu früh, um einen Club zu besuchen, und dies ist ihm ausdrücklich untersagt. Mir ist jedoch bewusst, dass Jugendliche in diesem Alter Interesse daran haben können, zum Beispiel eine Bar zu besuchen – etwa eine Berg- oder Dorfbar, wo die Umgebung überschaubar ist und die potenziellen Risiken erfahrungsgemäss geringer sind. In einem solchen, klar begrenzten Rahmen halte ich das eher für vertretbar.»

«Es braucht Alter und Reife»
Karolina, 45: «Unsere Teenager dürfen heute zwar auf private Feiern, von denen sie spätestens um Mitternacht abgeholt werden. In Clubs oder Bars dürfen sie jedoch nicht, weil wir überzeugt sind, dass sie Gefahren noch nicht richtig einschätzen können. Das kommt mit dem Alter und der Reife – 15 oder 16 Jahre ist dafür noch zu früh.»
«Ausgehen ab 16 ist okay»
Myriam, 46: «Ich bin Mutter von zwei Kindern im Alter von 13 und 16 Jahren. Ich finde Ausgehen ab 16 okay, an dieser Altersgrenze würde ich nicht rütteln. Sie sollen ihre Erfahrungen machen und Spass haben dürfen, aber immer verantwortungsbewusst. Bei Clubs, finde ich, sollte die Altersgrenze bei 18 liegen. Ich durfte mit 14 an mein erstes Konzert mit meiner Cousine, ab 16 bis Mitternacht weg. Wenn ich dann nicht zu Hause war, kam mich mein Vater holen – das war mir oberpeinlich. Wir haben aber immer gut aufeinander aufgepasst. Und natürlich habe auch ich gefeiert. Das sollen alle dürfen.»
Ab welchem Alter sollten Jugendliche deiner Meinung nach in Clubs oder Bars gehen dürfen?
«Mit 14 alleine in eine Bar? Niemals!»
Karolina, 51: «Mein Sohn ist 14 Jahre alt. Ich würde ihn niemals alleine in eine Bar gehen lassen. Ich durfte erst mit 17 in den Ausgang gehen, und das war für mich okay. Gefahren erkennt man erst mit einer gewissen Reife.»
«Um Mitternacht war Schluss»
Andre, 62: «Unsere Kinder durften zwischen 16 und 18 Jahren in den Ausgang, aber nur, wenn wir sie abholen konnten. Die Zeiten wurden gemeinsam festgelegt, um Mitternacht war Schluss. Dafür wurden wir damals teilweise schräg angeschaut. Unsere Kinder sind heute dankbar dafür und haben inzwischen selbst Kinder.»
«Nach Mitternacht gehören Minderjährige nicht mehr in Clubs»
Sandra, 44: «Bei meinen Kindern (14, 14 und 16) bin ich der Meinung, dass sie in einem Club nichts verloren haben. Wenn überhaupt, dann nur in Begleitung einer erwachsenen Aufsichtsperson und auch nur bis etwa 23 Uhr. Nach Mitternacht gehören Minderjährige nicht mehr in Clubs. Kinder sind noch Kinder, sehen das Schöne und Positive im Leben, nehmen Negatives oft nicht bewusst wahr. Dieses Bewusstsein sollte von Erziehungsberechtigten, aber auch von Lehrern oder Trainern immer wieder thematisiert werden – auch anhand realer Situationen.»

«Jeder muss seine eigenen Erfahrungen machen»
Jenny, 37: «Ich bin auf dem Land aufgewachsen und Mutter von zwei Kindern. Ich habe es genossen, dass mir meine Eltern mit 14 zugetraut haben, an kleine Feste zu gehen. Wir haben dort bereits Alkohol getrunken, es gab keine Erwachsenen, die kontrollierten. Wir haben Verbotenes gemacht und waren in manchen Dingen naiv. Aber jeder muss seine eigenen Erfahrungen machen. Man lernt aus Fehlern – und es war eine wirklich schöne, coole Zeit, so früh wegzugehen. Ich denke, ich werde meine Kinder in diesem Alter auch weggehen lassen. Natürlich mit Aufklärung darüber, worauf man achten sollte und wie man in Notsituationen reagieren kann.»
Was Leserinnen und Leser zu der Debatte sagen und wie sie aufgewachsen sind, kannst du hier nachlesen.
Deborah Gonzalez (dgo) arbeitet seit 2021 für 20 Minuten. Einerseits schreibt sie für das Ressort Community und andererseits ist sie Print-Produzentin.
