SRF und Sportevents: Retten Odermatt und die Nati die SRG vor der Halbierungsinitiative?

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Adelboden, Olympia & Co.«SRF missbraucht Sportevents»: Retten Odermatt und Nati die SRG?

Just vor der Abstimmung über die SRG-«Halbierungsinitiative» steigen die grossen Skirennen und die olympischen Spiele, die SRF überträgt. Die Initianten fürchten, dass die Sender dies für subtilen Abstimmungskampf nutzen.

Darum gehts

  • SRF überträgt grosse Sportevents wie Skirennen und Olympische Spiele.
  • Diese finden kurz vor der Abstimmung über die SRG-«Halbierungsinitiative» statt.
  • Initianten werfen SRF vor, die Events für Abstimmungspropaganda zu nutzen.
  • Die SRG weist die Vorwürfe zurück. Sie betont ihren Service-public-Auftrag.

Skirennen in Adelboden, Wengen und Kitzbühel, kurz darauf die Olympischen Spiele: Der Sportwinter verspricht Spannung. Und weil SRF sämtliche Events live überträgt, kann jede und jeder Odermatt und der Eishockey-Nati bei allfälligen Siegen zuschauen und mitjubeln.

Am nächsten Wochenende steigen die Rennen am Lauberhorn, welche sie SRG seit Jahrzehnten überträgt.
Am nächsten Wochenende steigen die Rennen am Lauberhorn, welche sie SRG seit Jahrzehnten überträgt.20min / Matthias Spicher

Kurz danach entscheidet die Stimmbevölkerung am 8. März über die sogenannte SRG-«Halbierungsinitiative», die die Gebühren auf 200 Franken pro Haushalt senken will. In beiden Lagern ist man sich einig: Das Timing der Sportevents ist für die SRG ein Glücksfall.

Initianten: «Abstimmungspropaganda ist durchschaubar»

Die Initianten glauben gar, dass die öffentlich-rechtlichen Sender die grossen Bühnen für subtilen Abstimmungskampf nutzen könnten. «Wir befürchten nicht nur, dass die SRG die grossen Sportanlässe für die Abstimmung missbrauchen wird, sondern erleben, dass die SRG dies tatsächlich bereits tut», sagt SVP-Nationalrat und Initiant Thomas Matter.

SVP-Nationalrat Thomas Matter ist einer der Initianten der SRG-Initiative und wirft der SRG vor, Sport-Events für den Abstimmungskampf zu «missbrauchen».
SVP-Nationalrat Thomas Matter ist einer der Initianten der SRG-Initiative und wirft der SRG vor, Sport-Events für den Abstimmungskampf zu «missbrauchen».20min/Matthias Spicher

Er ärgert sich, dass Gebührengelder «für die Produktion von teuren Flops wie ‹Unsere kleine Botschaft› verpulvert» und «für blödsinnige Gaga-Formate wie «Shaolin-Challenge» oder Dating-Formate wie «Alone Together» verschwendet» würden. Würde sich die SRG auf ihren Kernauftrag konzentrieren, «könnten wahrscheinlich noch mehr Sportanlässe übertragen werden», ist Matter überzeugt.

Jonas Lüthy, Präsident der Jungfreisinnigen und ebenfalls Befürworter der Initiative, sagt: «Dass zumindest SRG-nahe Akteure versuchen, die anstehenden Sportanlässe für Abstimmungspropaganda zu instrumentalisieren, ist wahrscheinlich, aber durchschaubar.» In «unschöner Erinnerung» sei der Eishockey-WM-Final 2024, als die SRG rund 20 Prozent der Werbefenster besetzt habe, um «um sich selbst zu beweihräuchern».

Gegner: «Gelungene Übertragungen von Sport-Events sind beste SRG-Werbung»

Fakt ist: Das Nein-Lager wirbt tatsächlich bereits mit der Botschaft «Gute Nacht Lauberhorn». Für Mark Balsiger, den Geschäftsführer der verantwortlichen Allianz Pro Medienvielfalt, sind die Befürchtungen der Initianten «unbegründet». Sportübertragungen gehörten zum Service-public-Auftrag der SRG.

SRG: «Es geht nicht um Propaganda»

Die SRG erklärt auf Anfrage, sie führe keine Kampagne und mische sich nicht in den Abstimmungskampf ein – «weder mit Geldern aus der Medienabgabe noch über ihre publizistischen Kanäle», so ein Sprecher. Zum Thema Eigenwerbung sagt er, die SRG mache als öffentliches Medienhaus auf ihre Leistungen mittels Programmhinweisen aufmerksam. «Damit wird der Mehrwert der SRG für die Gesellschaft sichtbar», erklärt er. Hierbei gehe es «um die Verankerung der SRG in der Gesellschaft, und nicht um Propaganda».
Neben Programmhinweisen seien 2024 drei Imagetrailer zu Sport, Kultur und Demokratie produziert worden. «Diese wurden nur gezeigt, wenn es einen konkreten Programmbezug gab, wie beispielsweise während der Eishockey-WM», so der SRG-Mann. Auf die Ausstrahlung solcher Trailer verzichte die SRG unabhängig eines möglichen Programmbezugs seit Bekanntgabe des Abstimmungstermins vollständig.
Man mische sich nicht in den Abstimmungskampf ein, versichert die SRG um Direktorin Susanne Wille - «weder mit Geldern aus der Medienabgabe noch über ihre publizistischen Kanäle».
Man mische sich nicht in den Abstimmungskampf ein, versichert die SRG um Direktorin Susanne Wille - «weder mit Geldern aus der Medienabgabe noch über ihre publizistischen Kanäle».20min/Stefan Lanz
Zudem sei ab Bekanntgabe des Abstimmungstermins jegliche Werbung mit Bezug auf die Halbierungsinitiative in allen Programmen, auch in Form von Eigenwerbung, verboten. «Zulässig bleiben Hinweise auf das eigene Programm, die rundfunkrechtlich nicht als Eigenwerbung gelten und im redaktionellen Rahmen platziert werden können», so der Sprecher weiter.
Auf die Frage, ob das Lauberhorn-Rennen auch nach einem Ja übertragen werde, erklärt die SRG, dass Bundesrat und Parlament die gesetzlichen Grundlagen an den tieferen Finanzrahmen anpassen müssten. «Welche Angebote und Programme künftig noch möglich wären, hängt direkt davon ab und lässt sich deshalb heute nicht abschliessend beurteilen», so der Sprecher. «Natürlich wäre es aus Sicht der SRG wünschenswert, dem Publikum weiterhin nationale Top-Events wie die Lauberhornrennen anbieten zu können. Ob dann aber auch weiterhin über die gleiche Breite an Sportarten berichtet werden könnte, das ist im Moment unsicher», sagt er.

«Sie soll Sport-Events so übertragen, wie sie es immer tut: professionell und packend. Das wird von einem breiten Publikum, das zu Hause mitfiebert, geschätzt», so Balsiger. Dass die SRG Mega-Events könne, habe sie etwa mit dem eidgenössischen Schwingfest in Mollis gezeigt.

Wie wichtig ist es dir, dass die SRG grosse Sportevents wie Skirennen und Olympische Spiele überträgt?

Dennoch ist für Balsiger klar: «Gelungene Übertragungen von Sport-Events sind die beste Werbung für die SRG und für ein Nein zur Halbierungsinitiative.» Die SRG-Mitarbeitenden sollten ihren Job so wie immer machen – «sachgerecht, ausgewogen und motiviert». Gerade in einer intensiven Abstimmungsphase seien Qualität und journalistische Ruhe besonders wichtig.

Christof Vuille (vuc) leitet seit 2023 das Ressort Politik und ist Mitglied der Redaktionsleitung. Er berichtet für 20 Minuten nah am Puls der Bundespolitik.

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