Crans-Montana in Trauer«Wir sind keine Halunken!» – jetzt spricht Jacques Morettis Vater
Acht Tage nach dem tödlichen Brand von Crans-Montana verteidigt Jean Matthieu Moretti die Ehre seines Sohnes und spricht über den Schmerz der Familie.
Darum gehts
- Jacques Morettis Vater äussert sich erstmals nach dem Brand in Crans-Montana.
- Er verteidigt seinen Sohn und kritisiert die Vorverurteilung durch die Medien.
- Der Vater betont, dass die Familie Moretti selbst vom Drama betroffen ist und eine nahestehende Person verloren hat.
Acht Tage nach dem tödlichen Brand in Crans-Montana mit 40 Toten und 116 Verletzten ist die Wut in der Bevölkerung gross. Am Freitag wurde in der ganzen Schweiz der Opfer gedacht. Derweil stehen mögliche Sicherheitsmängel im Club Le Constellation im Fokus: Die Walliser Staatsanwaltschaft ermittelt wegen fahrlässiger Tötung, fahrlässiger Körperverletzung und fahrlässiger Brandstiftung. Am Freitag wurde Jacques Moretti (49), einer der Eigentümer und Betreiber, in Gewahrsam genommen. Seine Frau Jessica bleibt vorerst auf freiem Fuss.
Jean Matthieu Moretti in Korsika aufgespürt
Moretti geriet wegen früherer Vergehen in Frankreich in die Schlagzeilen. In Korsika hat sich nun erstmals sein Vater Jean Matthieu Moretti öffentlich geäussert – «24heures» hat ihn aufgespürt und mit ihm vor Ort gesprochen. Der Moretti-Clan stammt aus Ghisonaccia im Süden der korsischen Ostebene und hat sich vor einigen Jahren in Solenzara niedergelassen.
Gegenüber der französischsprachigen Zeitung kritisiert Jean Matthieu Moretti, dass die Medien die Vergangenheit seines Sohnes mit dem Brand in Verbindung bringen: «Was hat die Vergangenheit meines Sohnes – Jugendfehler, die er komplett abbezahlt hat – mit den 40 Toten zu tun?», fragt er.
«Wir werden uns nicht verstecken»
Er beschreibt seinen Sohn Jacques gegenüber «24heures» als «harten Arbeiter», der sich alles selbst aufgebaut habe, und sagt, er habe ihn im Kontext der Brandkatastrophe zum ersten Mal weinen sehen. Jean Matthieu Moretti bestätigt, dass das Schweizer Wohnhaus seines Sohnes tatsächlich unter Polizeischutz gestellt wurde – «aber nicht auf seinen Wunsch hin».

Der Vater betont, die Familie werde nicht untertauchen: «Wir werden uns nicht verstecken und nicht davonlaufen. Wir sind seriöse Leute, keine Halunken! Ich kenne meinen Sohn: Er wird nie fliehen. Das ist eine Frage der Ehre», sagt er zu «24heures». Man denke an die Opfer – und trauere selbst, denn auch im Umfeld der Morettis gab es Tote. Unter den Opfern ist demnach auch eine Mitarbeiterin, die Freundin eines Mannes aus dem Familienkreis, der in einem anderen Schweizer Betrieb der Morettis arbeitet.
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Die Tragödie nehme die ganze Familie mit: «Wir weinen jeden Tag. Ich schlafe nicht mehr.» Wenn die Presse Jacques «herunterputzen» wolle, sei das ihre Sache, so der Vater weiter. «Am Ende werden wir nur vor der Justiz antworten. Mein Sohn ist verantwortlich, weil es sein Betrieb ist – ob er schuldig ist, wird man sehen.»
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Reto Bollmann (bre), Jahrgang 1991, verstärkt seit Ende 2021 als Redaktor den Newsdesk von 20 Minuten. Eine Vorliebe hat er für politische, wissenschaftliche und geschichtliche Themen.
