Washington D.C.Mit und ohne Tränen: Weisses Haus manipuliert Foto von Festnahme
Das Weisse Haus hat ein bearbeitetes Foto einer verhafteten Frau gepostet. Die Trump-Administration sieht darin kein Problem.
Darum gehts
- Das Weisse Haus veröffentlichte ein manipuliertes Bild einer Demonstrantin.
- Das Original zeigte die Frau sehr ruhig.
- Die bearbeitete Version zeigte sie weinend.
- Medien wie «The Guardian» bestätigten die digitale Bildbearbeitung.
- Das Weisse Haus verteidigt die Aktion und kündigt weitere «Memes» an.
Das Weisse Haus ist sich für Bildmanipulation nicht zu schade: US-Heimatschutzministerin Kristi Noem veröffentlichte am Donnerstag auf X ein Bild von der Festnahme einer Frau, die gegen die US-Einwanderungspolizei ICE demonstriert hatte. Auf dem Foto sieht die Frau ruhig und gefasst aus. Oben könnt ihr das Vorher-Nachher-Foto vergleichen.
Gut 30 Minuten später veröffentlichte das Weisse Haus auf X dasselbe Foto – aber darauf ist die Demonstrantin weinend zu sehen, mit offenem Mund, gerunzelter Stirn, Tränen laufen ihr übers Gesicht. In der Bildunterschrift wird sie als «linksextreme Unruhestifterin» bezeichnet.
Nicht nur US-Medien glichen die beiden Bilder miteinander ab. Auch «The Guardian» kam zum Schluss: Beim Abgleich der beiden Bilder stimmten die Polizeibeamten sowie eine unbekannte Person im Hintergrund genau überein. «Das bestätigt, dass es sich um dasselbe Bild handelt», so die Zeitung.
«Reflexartig Täter verteidigen»
Auf die Frage, ob das Bild digital verändert worden sei, antwortete das Weisse Haus mit einem Post von Kaelan Dorr, dem stellvertretenden Kommunikationsdirektor:
«Noch einmal an alle, die das Bedürfnis verspüren, reflexartig die Täter abscheulicher Verbrechen in unserem Land zu verteidigen: Ich teile Ihnen folgende Botschaft mit: Die Strafverfolgung wird fortgesetzt. Die Memes werden weitergehen. Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit in dieser Angelegenheit.»
«Parteiübergreifend beunruhigend»
Zahlreiche User hinterfragen die Bearbeitung des Bildes. Es müsse parteiübergreifend als beunruhigend eingestuft werden, wenn KI genutzt werde, «um Fotos zu manipulieren und sie als Tatsache zu präsentieren, was hier offenbar der Fall ist», so ein Nutzer.
US-Präsident Donald Trump hat die Verwendung KI-generierter Bilder auf Truth Social und anderen Plattformen im ersten Jahr seiner zweiten Amtszeit massiv verstärkt. Auf den Bildern wird Trump glorifiziert, während seine Gegner verspottet werden.
Gestörter Gottesdienst
Die auf dem Foto abgebildete Anwältin Levy Armstrong und zwei weitere Demonstranten waren nach einer Protestaktion gegen das Vorgehen der Einwanderungspolizei ICE in einer Kirche im US-Bundesstaat Minnesota festgenommen worden.
Die Demonstrierenden hatten einen Gottesdienst in einer Kirche in St. Paul, Minnesota, gestört, in der sie den stellvertretenden Leiter des örtlichen ICE‑Büros vermuteten.
Die Proteste gegen Trumps Abschiebepolitik und die Einwanderungspolizei ICE hatten sich ausgeweitet, nachdem ein ICE-Polizist am 7. Januar die unbewaffnete Mutter Renee Nicole Good in ihrem Auto mit mehreren Schüssen getötet hatte.
Die Trump-Regierung stellt Good als «inländische Terroristin» dar, die von dem Polizisten aus Notwehr getötet worden sei, nachdem sie ihn «überfahren» habe. Videoaufnahmen zeigen aber, dass Good ihr Fahrzeug von dem ICE-Beamten wegsteuerte.
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* mit Material von AFP
Ann Guenter (gux), arbeitet seit 2012 als Auslandsredaktorin für 20 Minuten. Seit August 2015 ist sie zudem Chefreporterin International.

