Minneapolis (USA)«Schergen!» – Eltern von Alex Pretti werfen Behörden Lügen vor
Wieder fallen in Minneapolis Schüsse bei einem Einsatz von Bundesbeamten. Das Opfer ist der 37-jährige Pfleger Alex Jeffrey Pretti.
Darum gehts
- In Minneapolis wurde der 37-jährige Alex Jeffrey Pretti von Bundesbeamten erschossen.
- Pretti war ein US-Bürger und arbeitete als Intensivpfleger.
- Er besass legal eine Schusswaffe und hatte keine relevanten Vorstrafen.
Bereits Anfang Januar starb eine Frau in Minneapolis im US-Bundesstaat Minnesota nach Schüssen eines Beamten der Einwanderungsbehörde ICE. Das Opfer war die 37-jährige Renée Nicole Good. Nun stirbt erneut ein Mann – erneut nach Schüssen während eines Einsatzes von Bundesbeamten. Diesmal wird der 37-jährige Alex Jeffrey Pretty erschossen.
Pretti arbeitete als Intensivpfleger (ICU Nurse) am Veterans Affairs Hospital in Minneapolis. Er war US-Staatsbürger und lebte in South Minneapolis. Nach Angaben seiner Familie und von Kollegen in diversen US-Medien galt Pretti als engagiert, mitfühlend und hilfsbereit. Er arbeitete mit schwerkranken Patienten, vor allem mit Veteranen.
Pretti besass legal eine Schusswaffe
Angehörige beschreiben ihn als jemanden, dem das Wohl anderer Menschen besonders am Herzen lag. Freunde und Kollegen betonen, dass er sich für gesellschaftliche Themen interessierte und ein ausgeprägtes Verantwortungsgefühl gegenüber seinen Mitmenschen hatte.
Nach Behördenangaben hatte Pretti keine relevanten Vorstrafen. Er besass eine Schusswaffe legal und verfügte über eine Genehmigung zum verdeckten Tragen in Minnesota. Hinweise auf früheres gewalttätiges Verhalten lagen nicht vor.
Vieles ist nach den Schüssen in Minneapolis noch unklar. Ein Überblick über das Geschehen:
Familie bezeichnet Beamte als «Schergen»
Die Familie von Alex Pretti äussert ihre Wut. In ihrer ersten öffentlichen Stellungnahme werfen die Angehörigen den Behörden «widerliche Lügen» vor. Alex sei unbewaffnet gewesen, als ihn die Beamten angriffen. «Er hatte sein Handy in der rechten Hand und hob die leere linke, um eine Frau zu schützen, die von Beamten zu Boden gestossen worden war», so die Familie. Die Bundesbeamten bezeichnet sie als «Schergen».
Pretti habe als Intensivpfleger im Spital der Kriegsveteranen gearbeitet und sich mit ganzem Herzen für andere eingesetzt. «Alex wollte etwas bewirken in dieser Welt. Seine letzte Handlung war der Versuch, eine Frau zu beschützen. Für uns ist er ein Held.» Die Eltern bitten die Öffentlichkeit, «die Wahrheit über unseren Sohn weiterzugeben». Alex sei «ein guter Mensch» gewesen.
Was wir wissen
- In Minneapolis wurde gegen 9 Uhr vormittags (Ortszeit) eine Person nach Schüssen durch einen Bundesbeamten für tot erklärt, wie das US-Heimatschutzministerium mitteilte.
- Der Polizeichef von Minneapolis sagte, es handle sich bei dem Toten um einen 37‑jährigen weissen Mann, der in Minneapolis gewohnt habe.
- Nach Angaben des Polizeichefs handelte es sich bei dem Toten vermutlich um einen US‑Bürger. Das Todesopfer soll laut US-Medienberichten als Krankenpfleger gearbeitet haben.
- Das Heimatschutzministerium teilte mit, die getötete Person sei bewaffnet gewesen. Die Behörde veröffentlichte das Foto einer Pistole. US-Präsident Donald Trump betonte, dass die Waffe sie geladen gewesen.
- Nach Angaben des Polizeichefs von Minneapolis war der Getötete berechtigt, eine Waffe zu tragen.
Was wir nicht wissen
- Es ist unklar, ob die getötete Person am Einsatzort oder erst im Spital starb. Laut Heimatschutzministerium wurde der Mann vor Ort für tot erklärt, der Polizeichef sprach hingegen davon, dass er erst im Spital für tot erklärt wurde. Polizisten der Stadt hätten den Mann mit mehreren Schussverletzungen vorgefunden. Er sei in ein Krankenhaus gebracht worden.
- Viele Details zum Ablauf des Vorfalls sind laut den Behörden noch unklar. Etwa, in welcher konkreten Situation der Schusswaffeneinsatz erfolgte und ob beziehungsweise wie die angebliche Bewaffnung des Mannes zum Einsatzablauf beitrug. Das US-Heimatschutzministerium stellt den Fall so dar, dass der Beamte geschossen habe, um sich zu verteidigen. Ministerin Kristi Noem sagt, der Mann habe die Beamten angegriffen. Trumps einflussreicher Vizestabschef Stephen Miller sprach von einem «inländischen Terroristen».
- Es ist unklar, warum sich der Mann am Tatort aufhielt. Das Heimatschutzministerium teilte mit, dass sich der Einsatz der Beamten gegen einen Ausländer gerichtet habe, der sich illegal in den USA aufgehalten habe und wegen eines gewaltsamen Übergriffs gesucht worden sei. Ob der Getötete in einer Verbindung zu dem Ausländer steht oder welche Rolle er in dem Geschehen vor den Schüssen spielte, ist unklar.
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Konstantin Furrer (fur) arbeitet seit 2017 für 20 Minuten. Seit 2022 Newsdesk-Leiter, daneben Blattmacher und Mitglied der Redaktionsleitung.

