Einvernahme«Sehr viel Rauch»: Moretti will Schaumstoff selbst getestet haben
Der Barbetreiber gibt an, den Akustikschaum mit einem Brenner selbst getestet zu haben. Obwohl er starke Rauchentwicklung feststellte, blieb er beim Material.
Darum gehts
- Jacques Moretti testete die Brennbarkeit des im Le Constellation verbauten Akustikschaums offenbar selbst.
- Er bemerkte starke Rauchentwicklung, montierte das Material aber trotzdem.
- Moretti macht den Baumarkt Hornbach aufgrund einer angeblichen Empfehlung indirekt mitverantwortlich für die Brandkatastrophe.
In den Ermittlungen zum verheerenden Brand in Crans-Montana sind Jacques und Jessica Moretti, Betreiber der Bar Le Constellation, erstmals ausführlich zur Sache befragt worden. Aus den Protokollen, die der französische Fernsehsender BFMTV einsehen konnte, geht hervor: Moretti kaufte jenen Akustikschaum, der laut den Behörden am Ursprung des Feuers steht, in einem Fachgeschäft der Region, genauer gesagt in einer Hornbach-Filiale.
Er habe dort erklärt, er brauche Akustikschaum für ein öffentliches Lokal. Man habe ihm das Produkt empfohlen, gibt der Barbetreiber an, wodurch er den Baumarkt indirekt mitverantwortlich macht. Eine Warnung oder «Gegenanzeige» habe er nicht gesehen. Das Unternehmen reagierte bereits und gab an, wer ein Material verbaue, müsse immer prüfen, ob dieses für den vorgesehenen Verwendungszweck geeignet sei.
Brisant: Moretti sagt, er habe den Schaumstoff sogar selbst getestet. Ihm sei nach der Montage ein Reststück geblieben, das er mit einem Gasbrenner bearbeitet habe. Der Schaum sei «durchgebrannt», erklärt er. Ihm sei vor allem die starke Rauchentwicklung aufgefallen. «Es gab sehr viel Rauch für sehr wenig Material», gab er in der Vernehmung an. Trotzdem hat ihn das nicht davon abgehalten, den Schaum in der Bar zu montieren.
Auf die Nachfrage eines Opferanwalts, ob ihn der massive Rauch nicht hätte stutzig machen müssen – gerade in einem Kellerlokal –, antwortet Moretti sinngemäss: Nein. Er habe «Dutzende» Lokale mit ähnlichem Material gesehen, es sei für Schalldämmung gedacht. Zudem beruft er sich darauf, dass ein Brandschutzbeauftragter und ein Feuerwehr-Offizier das Material genehmigt hätten.
Weitere Sicherheitslücken kamen zur Sprache
Jessica Moretti hält sich bei den Fragen zum Umbau des Lokals zurück und verweist auf ihren Mann. In den Vernehmungen schildern beide zudem weitere Sicherheitslücken: einen Hakenriegel an einer Tür, fehlende oder ungenügend vermittelte Informationen zu Feuerlöschern und Notausgängen sowie einen Barhocker, der auf Videoaufnahmen vor einem Notausgang steht. Wer ihn dort platzierte, wisse man nicht. Am Ende der Befragungen wiederholten beide ihre Entschuldigungen gegenüber den Opfern und Angehörigen.
Jacques Moretti ist derweil wieder auf freiem Fuss, nachdem offenbar ein Millionär aus Genf über ein Konto in Dubai die 200'000 Franken Kaution bezahlt hatte. Für die Morettis, die laut «La Repubblica» zurück in ihrem Chalet in Lens sind, gelten weiterhin strenge Auflagen. Sie mussten ihre Ausweisdokumente abgeben und müssen sich täglich auf einer Polizeistation melden.
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Reto Bollmann (bre), Jahrgang 1991, verstärkt seit Ende 2021 als Redaktor den Newsdesk von 20 Minuten. Eine Vorliebe hat er für politische, wissenschaftliche und geschichtliche Themen.
