Schwingerkönige stellen sich gegen SRG-Initiative: Sport braucht Sichtbarkeit

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Christian Stucki & Co.Drei Könige stellen sich vor die SRG – SVP-Schwinger kontert

Mit Christian Stucki, Jörg Abderhalden und Matthias Sempach stellen sich gleich drei ehemalige Schwingerkönige gegen die SRG-Initiative. In der SVP kommt das nicht gut an.

Darum gehts

  • Christian Stucki, Jörg Abderhalden und Matthias Sempach kämpfen gegen die SRG-Initiative.
  • Sie warnen vor negativen Folgen für den Sport, besonders für das Schwingen.
  • SVP-Politiker und Ex-Schwinger Manuel Strupler kontert die Aussagen der Schwingerkönige.

Umfragen deuten vor der Abstimmung über die SRG-Initiative auf ein Kopf-an-Kopf-Rennen hin. Der Abstimmungskampf dürfte deshalb matchentscheidend sein – in diesen begeben sich nun auch die Grössen des Schwingsports. Die ehemaligen Könige Christian Stucki und Jörg Abderhalden sprechen sich gegenüber 20 Minuten öffentlich gegen die sogenannte «Halbierungsinitiative» aus.

Er halte Sport und Politik ansonsten strikt auseinander, sagt Stucki. Aber: «Ich vertrete die Sicht des Sports – ein Ja wäre für diesen verhängnisvoll, denn das SRG-Angebot ist sehr gut bestückt, vom Schwingen bis zu kleineren Randsportarten». Der Berner befürchtet, dass «wir für Grossanlässe wohl alle separat bezahlen» müssten, wenn die Initiative angenommen würde.

Stucki: «Man kann schon über 90 Rappen pro Tag streiten, aber …»

«Man kann schon über 90 Rappen pro Tag streiten, aber ich bin sicher, dass es für unseren Sport um sehr viel geht am 8. März», so Stucki. Hinzu komme, dass die Sichtbarkeit für Organisationskomitees von Anlässen und Sponsoren sehr wichtig sei und Kinder im TV ihre Idole bestaunen können, so der frühere SRF-Experte Stucki, der nicht mehr für den Sender tätig ist. «Da ich als technischer Leiter beim Seeländer Verband tätig bin, hätte ein Interessenkonflikt bestanden», erklärt der König von 2019.

Neben dem Sport schaut Stucki bei SRF auch gerne «Tagesschau», «Arena», «Rundschau» und «Meteo».
Neben dem Sport schaut Stucki bei SRF auch gerne «Tagesschau», «Arena», «Rundschau» und «Meteo».Tamedia AG

Selbst konsumiere er regelmässig SRF und schaue gerne Tagesschau, Arena, Rundschau und Meteo – «diese Sendungen würde ich ebenfalls vermissen». Eine Politkarriere habe er im Übrigen nicht geplant – «aber man soll nie nie sagen», so Stucki.

Abderhalden: «Wird die SRG halbiert, verliert der Sport seine Bühne»

«Der Sport braucht eine starke SRG», so Abderhalden, der auch Präsident des Ostschweizer Skiverbands ist. Gerade Schwingen und Skifahren seien «Nationalsportarten und Schweizer Kulturgut». Das hätten der Schwing- und Skisport «auch ihrer Präsenz im Schweizer Fernsehen zu verdanken», so der Toggenburger. Konkret übertrage SRF jährlich alle Teilverbands- und Bergkranzfeste sowie alle Schwingfeste mit eidgenössischem Charakter.

«Nicht zuletzt dank SRF sind Schwinger für Sponsoren attraktiv geworden», sagt Jörg Abderhalden.
«Nicht zuletzt dank SRF sind Schwinger für Sponsoren attraktiv geworden», sagt Jörg Abderhalden.Screenshot SRF

«Nicht zuletzt dank SRF sind Schwinger für Sponsoren attraktiv geworden», so der dreifache Schwingerkönig. Die Sichtbarkeit für Sportarten wie Biathlon, Langlauf oder Skispringen sei enorm wichtig, um Nachwuchs dafür zu begeistern. «Wird die SRG halbiert, verliert der Sport seine Bühne und seine Sichtbarkeit», warnt er.

Mit Matthias Sempach hat sich kürzlich ein weiterer Schwingerkönig gegen die Initiative ausgesprochen. «Jeder, der Freude am Sport hat, muss diese Initiative ablehnen», liess er sich in einer «NZZ»-Reportage zitieren Die meisten Schwinger seien zwar bürgerlich eingestellt, «aber in diesem Fall verstehe ich die SVP wirklich nicht», so der Berner.

SVP-Eidgenosse: «Stucki, Abderhalden und Sempach stehen dem SRF nahe»

In der angesprochenen SVP geniesst der Schwingsport einen hohen Stellenwert, am Eidgenössischen waren die Parteipromis omnipräsent. Mit dem Thurgauer Nationalrat Manuel Strupler sitzt gar ein Ex-Schwinger in der Fraktion. Der 45-Jährige gewann 2007 den Kranz in Aarau und darf sich deshalb «Eidgenosse» nennen.

«Ihre Meinung sei ihnen gegönnt, doch das Argument, dass nach einem Ja keine Schwingfeste mehr übertragen würden, ist eine reine Behauptung», sagt SVP-Nationalrat und Ex-Schwinger Manuel Strupler an die Adresse der Könige.
«Ihre Meinung sei ihnen gegönnt, doch das Argument, dass nach einem Ja keine Schwingfeste mehr übertragen würden, ist eine reine Behauptung», sagt SVP-Nationalrat und Ex-Schwinger Manuel Strupler an die Adresse der Könige.20min/Stefan Lanz

Strupler sagt, er schätze die drei ehemaligen Könige sehr. «Aber Stucki, Abderhalden und Sempach stehen dem SRF nahe, sie haben schliesslich für den Sender gearbeitet und kennen die Mitarbeiter gut», so der Politiker. «Ihre Meinung sei ihnen gegönnt, doch das Argument, dass nach einem Ja keine Schwingfeste mehr übertragen würden, ist eine reine Behauptung», sagt Strupler.

Sparen beim Schwingen? «Dafür sind die Quoten viel zu gut»

Er wisse «aus guten SRF-Quellen», dass die Produktion von Schwingfesten im Vergleich zu anderen Sportarten eher günstig sei. «Übrigens war es nicht SRF, das mit der Übertragung begonnen hat, sondern die Privaten – und die haben es auch sehr gut gemacht und sind sicher bereit, es wieder stärker zu machen», glaubt Strupler.

Wie wichtig ist dir die Übertragung von Schweizer Sportarten durch die SRG?

So oder so sei er überzeugt, dass SRF nicht beim Schwingen sparen würde. «Dafür sind die Quoten viel zu gut nach dem Boom, den der Schwingsport erlebt hat», so der SVP-Eidgenosse.

Christof Vuille (vuc) leitet seit 2023 das Ressort Politik und ist Mitglied der Redaktionsleitung. Er berichtet für 20 Minuten nah am Puls der Bundespolitik.

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