Raye widmet emotionales Konzert im Hallenstadion ihrem verstorbenen Grossvater

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«Where is my Husband»Popstar Raye gedenkt Appenzeller Opa: «Ich liebe dich»

Die 28-jährige britische Sängerin brachte ihre ganze Schweizer Familie mütterlicherseits nach Zürich. Raye widmete den Abend ihrem kürzlich verstorbenen Grosspapa.

Darum gehts

  • Raye begeisterte ihre Fans im ausverkauften Zürcher Hallenstadion.
  • Die erfolgreiche Sängerin hat Schweizer Wurzeln. Ihr Grossvater war aus Appenzell.
  • Ihr emotionaler Auftritt war geprägt von Trauer. Sie verlor ihren Grossvater Hans Fuchs.
  • Raye sprach über ihre Verbundenheit zur Schweiz. Sie widmete ihm den Abend.

Irgendwie scheinen am Mittwochabend alle ihren Ehemann verloren zu haben. Ob im Tram oder auf dem Weg aufs Klo im Hallenstadion singen sie zu Rayes Hit: «Where the Hell is my Husband!?»

Vermutlich wäre es in der Konzerthalle ohne Social Media weniger voll geworden, jedenfalls erzählen gleich mehrere Fans, dass sie die britische Sängerin Raye von Tiktok kennen. Martina (22) hat der Song «Escapism.» zum Fan gemacht. Sie ist mit Denis (23) ans Konzert gekommen, der das Besondere an Raye erklärt: «Sie macht noch richtige Musik: mit Live-Instrumenten, Background-Sängerinnen und ohne Technik-Firlefanz.»

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Vermutlich fehlt ihr im Tourbus schlicht der Platz dafür, denn ihre Konzerte sind Familienangelegenheiten, insbesondere, wenn die 28-jährige Londonerin in der Schweiz spielt, der zweiten Heimat der Familie.

Die kleinen Schwestern eröffnen die Show

Einen Tag vor dem Konzert hat Raye ihren Fans, der «Big Swiss Family», geschrieben, dass sie doch etwas früher kommen sollen. Denn statt um 20 Uhr startete die grosse Familien-Sause bereits um 19 Uhr. Und wer sich verspätete, verpasste gleich den ersten Auftritt von Rayes kleiner Schwester Amma. 45 Minuten später zeigte dann mit Absolutely die nächste Schwester, dass die Stimmgewalt Teil der Familien-DNA ist.

Aufgewachsen sind Rachel Agatha Keen und ihre jüngeren Schwestern zwar in London, doch sie fühlen sich auch mit dem Appenzell sehr verbunden, wo ihr Grosspapi Hans Fuchs herkommt. Er hat seine Enkelin Raye im letzten Jahr am Montreux Jazz Festival zum ersten Mal live singen gehört.

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«Nach der Show umarmte er mich und sagte: ‹Ich bin stolz auf dich›. Und ich habe mir die Augen ausgeheult», schrieb sie später bei Instagram. Leider muss er nun von ganz weit oben zusehen, wie seine Enkelinnen die grösste Konzerthalle der Schweiz füllen – Hans Fuchs ist im Januar gestorben.

Raye schwankt zwischen Lachen und Weinen

Später betritt Raye die Bühne in Audrey-Hepburn-Eleganz und mit ihrer typischen Amy-Winehouse-Rotzigkeit in der Stimme. Sie trägt einen weissen Plüschmantel, ein rotes Glitzerkleid und keine Schuhe. Barfuss fühlt sie sich am wohlsten. Hinter ihr steht ein knapp 20-köpfiges Orchester.

Eines der ersten Lieder, die sie singt: «Where is my Husband!» Es scheinen tatsächlich ein paar Männer verschwunden zu sein, die Frauen sind klar in der Überzahl.

Raye bezeichnet sich als Swiss-Girl, winkt der Ecke im Stadion, in der all ihre Cousins und Tanten sitzen. Und dann kommt sie auf ihren Opa zu sprechen. «Ich bin am Boden zerstört, seit er vor einigen Tagen oder Wochen gestorben ist. Die Zeit seither wirkt für mich ganz verschwommen. Ich möchte ihm diesen Abend widmen: Ich liebe dich. So, und jetzt singe ich, bevor ich anfange zu weinen.»

Während ihres Auftritts schwankt sie ständig zwischen ihrem ansteckenden Gute-Laune-Lachen und den Tränen. Am traurigsten wirkt sie, als sie sich beim Publikum entschuldigt. Ihre Stimme sei seit Längerem angeschlagen und erhole sich einfach nicht. «Es tut mir leid, ich würde gerne kraftvoller singen, aber …» In dem Moment trösten sie 15'000 Menschen mit Applaus.

Was macht für dich ein unvergessliches Live-Konzert aus?

Wenig später witzelt sie wieder rum und sagt: «Ich bin in meiner Drama-Ära. Ihr müsst denken, mit mir stimmt was nicht!» Das Publikum lacht. Die meisten sorgen sich eher um ihre Stimme oder darum, dass sich ihr Traum-Ehemann noch länger vor ihr versteckt.

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Aber Raye ist ja zum Glück nicht einsam: Sie hat ihr Orchester, ihre Schwestern und ihre «Big Swiss Family».

Trauerst du oder trauert jemand, den du kennst?

Hier findest du Hilfe:
Dargebotene Hand, Sorgen-Hotline, Tel. 143
Seelsorge.net, Angebot der reformierten und katholischen Kirchen
Muslimische Seelsorge, Tel. 043 205 21 29
Jüdische Fürsorge, info@vsjf.ch
Lifewith.ch, für betroffene Geschwister
Verein Regenbogen Schweiz, Hilfe für trauernde Familien
Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147
Pro Senectute, Beratung älterer Menschen in schwierigen Lebenssituationen
Seelentrösterli.ch, Trauerbegleitung für Familien und Schulen

Dario Aeberli (dae), Jahrgang 1995, arbeitet seit Oktober 2023 als People-Redaktor bei 20 Minuten. Zuvor war er Lokaljournalist und beim «Migros-Magazin».

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