Schweizer TV-Gebühren: So hoch sind sie im Vergleich zu Nachbarländern

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SRG-InitiativeSo hoch sind die Schweizer TV-Gebühren im europäischen Vergleich

335 Franken sind es in der Schweiz, doch wie viel zahlen unsere Nachbarländer für ihren medialen Service public? 20 Minuten gibt dir den Überblick – ein Medienforscher ordnet ein.

Darum gehts

  • Schweizer Haushalte zahlen 335 Franken Serafe-Gebühren pro Jahr.
  • Dies ist im europäischen Vergleich hoch – Länder wie Deutschland und Österreich haben tiefere Gebühren.
  • Medienforscher Matthias Künzler nennt die höheren Lohnkosten und die Viersprachigkeit als Gründe für die höheren Abgaben.

Im Abstimmungskampf um die SRG-Initiative argumentieren die Befürwortenden unter anderem damit, dass Schweizerinnen und Schweizer die weltweit höchsten Radio- und Fernsehgebühren zahlten – und sie darum sinken sollen.

Das Nein-Lager hält dagegen: Die heutigen Gebühren seien wegen der Viersprachigkeit der SRG gerechtfertigt. Doch wie sieht es im Vergleich zu unseren Nachbarländern tatsächlich aus? 20 Minuten gibt den Überblick – Medienforscher Matthias Künzler ordnet ein.

Schweiz, Deutschland und Österreich: Haushaltsabgaben

Hierzulande zahlt jeder Haushalt 335 Franken Serafe-Gebühren pro Jahr. Unternehmen bezahlen eine umsatzabhängige Abgabe. Von den totalen Einnahmen flossen 2024 rund 1,29 Milliarden an die SRG – davon erhielt SRF 560 Millionen, RTS 415 Millionen, RSI 285 Millionen und RTR 25 Millionen Franken. Die SRG berichtet in vier Sprachen für eine Bevölkerung von rund 9,05 Millionen Personen.

Im europäischen Vergleich zeigt sich: In der Schweiz sind die Rundfunkgebühren am höchsten – auch kaufkraftbereinigt.

In Deutschland zahlt jeder Haushalt einen Rundfunkbeitrag von 18,36 Euro monatlich (220,32 Euro jährlich, rund 200 Franken nach aktuellem Währungskurs) – egal, ob der Haushalt einen Fernseher besitzt oder nicht. Auch Unternehmen bezahlen eine Abgabe, basierend auf der Anzahl Mitarbeitenden.

Insgesamt erhält der öffentliche Rundfunk daraus 8,7 Milliarden Euro (2024), was umgerechnet etwas über 7,9 Milliarden Franken entspricht. Die Berichterstattung erfolgt mehrheitlich deutschsprachig bei über 83 Millionen Einwohnerinnen und Einwohnern.

Auch Österreich erhebt eine Haushaltsabgabe, der sogenannte ORF-Beitrag beträgt 15,30 Euro monatlich (183,60 Euro jährlich, etwa 168 Franken). Je nach Bundesland können weitere Abgaben hinzukommen, womit sich der Beitrag auf bis zu 240 Euro (219 Franken) erhöht. Unternehmen bezahlen ebenfalls eine Abgabe, basierend auf der Summe der im Vorjahr ausbezahlten Löhne an ihre Arbeitnehmenden.

2024 wurden über die ORF-Beiträge 757 Millionen Euro eingenommen (rund 690 Millionen Franken). Der österreichische öffentlich-rechtliche Rundfunk produziert mehrheitlich deutschsprachige Programme für eine Bevölkerung von 9,2 Millionen.

Italien: Abgabe via Stromrechnung

In Italien wird der sogenannte Canone Rai pro Haushalt direkt über die Stromrechnung in Tranchen verrechnet – ein jährlicher Beitrag von insgesamt 90 Euro (rund 82 Franken). Haushalte ohne Fernsehgerät können sich von der Gebühr befreien. 2024 wurde die Gebühr temporär auf 70 Euro gesenkt – die Regierung federte den Verlust mit 420 Millionen Euro Steuergeldern ab, bevor sie die Gebühr für 2025 wieder auf 90 Euro erhöhte.

Unternehmen, öffentliche Einrichtungen oder gewerbliche Räume wie Hotels oder Restaurants mit TV- oder Radiogeräten bezahlen ebenfalls eine Lizenzgebühr, der Tarif variiert nach Art der Einrichtung. 2023 flossen rund 1,84 Milliarden Euro durch die Lizenzgebühr an Rai, welcher sein Programm vorwiegend auf Italienisch für die knapp 59 Millionen Bewohnenden des Landes produziert.

Frankreich: Mehrwertsteuer für Rundfunk

Frankreich kannte bis 2023 eine Haushaltsabgabe von 138 Euro (rund 126 Franken) – hat diese jedoch abgeschafft. Stattdessen werden das öffentlich-rechtliche Fernsehen und Radio nun vom Staat finanziert, primär über einen festen Anteil der Mehrwertsteuer. 2025 budgetierte die Regierung für TV und Radio knapp vier Milliarden Euro (rund 3,6 Milliarden Franken). Damit produzieren France Télévisions und Radio France französischsprachige Inhalte für eine Bevölkerung von über 68 Millionen Menschen.

Experte: Hohe Lohn- und Lebenskosten

Bei der Höhe der Serafe-Gebühr müsse berücksichtigt werden, dass die Schweizer Lohn- und Lebenskosten weltweit zu den höchsten gehörten, erklärt Medienforscher Matthias Künzler. «Wird die Mediengebühr in Bezug zum Bruttoinlandsprodukt gesetzt, sind die Gebühren in der Schweiz nicht mehr die teuersten – sie sind dann noch knapp im vorderen Drittel angesiedelt», sagt er.

Die meisten kleinen Länder mit vergleichbarer Grösse der Schweiz – wie etwa Österreich, Schweden oder Dänemark – seien zudem einsprachig. «Die Kosten für die Versorgung von vier Sprachregionen sind massiv höher als die Versorgung nur einer Sprachregion», so Künzler.

Der Experte

Matthias Künzler ist Kommunikationswissenschaftler mit Schwerpunkt Medienökonomie und Kommunikationspolitik. Er forscht unter anderem zu Mediensystemen, dem öffentlichen und privaten Rundfunk sowie Medienpolitik im internationalen Vergleich. Er doziert an der Freien Universität Berlin und ist nebenamtlich als Projektleiter an der Fachhochschule Graubünden tätig.

Nicht zuletzt müssten die SRG-Sender mit den «viel grösseren» privaten und öffentlichen Sendern der Nachbarländer konkurrieren. «Das ZDF hat viermal so hohe Einnahmen wie SRF, Rai beinahe zehnmal so viel Geld wie RSI.» Das bedeute, dass die SRG-Sender bereits jetzt zu «viel geringeren Kosten» produzierten als ihre Konkurrenten aus den Nachbarländern, erklärt Künzler.

Ist dir der Service public der SRG die aktuellen Serafe-Gebühren wert?

Christina Pirskanen (pir) arbeitet seit 2022 für 20 Minuten. Sie ist seit Januar 2026 stv. Leiterin des Ressorts Politik.

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