AbstimmungenErschwerter Zugang: Das musst du zur Zivildienst-Reform wissen
60'000 Zivis sind zu viele: Bundesrat und Parlament möchten mit einer Gesetzesänderung den Zugang zum Zivildienst erschweren. Gegner befürchten Personalmängel in Pflege, Bildung und Landwirtschaft. 20 Minuten erklärt dir, worum es geht.
Darum gehts
- Am 14. Juni stimmt die Schweiz über eine Änderung des Zivildienstgesetzes ab.
- Bundesrat und Parlament wollen den Zugang zum Zivildienst erschweren und damit die Armee stärken.
- Gegner warnen vor einem Schaden für den Zivildienst ohne Nutzen für die Armee.
Am 14. Juni stimmt die Schweizer Stimmbevölkerung über zwei Vorlagen ab. Eine davon ist die Änderung des Bundesgesetzes über den zivilen Ersatzdienst (Zivildienstgesetz). Dagegen wurde das Referendum ergriffen, weshalb die Vorlage nun vor das Volk kommt.
Das würde sich bei einem Ja ändern
Jeder männliche Schweizer Bürger ist grundsätzlich verpflichtet, Militärdienst zu leisten. Der Zivildienst ist dabei eine Alternative für all jene, die bei der Rekrutierung zwar als militärdiensttauglich eingestuft werden, aber aus Gewissensgründen keinen Militärdienst leisten können oder wollen.
Seit 2009 gilt in der Schweiz die sogenannte Tatbeweislösung: Wer in den Zivildienst wechseln möchte, muss lediglich erklären, dass er den Militärdienst aufgrund eines Gewissenskonfliktes nicht leisten könnte. Beweise oder eine Prüfung sind nicht erforderlich. Diese Regel soll auch nach der Gesetzesänderung bestehen bleiben.

Mit insgesamt sechs Massnahmen sollen die Zulassungen zum Zivildienst jedoch anderweitig reduziert werden. Sie betreffen hauptsächlich jene Armeeangehörigen, die bereits einen Grossteil ihres Militärdienstes geleistet haben. So müssten bei einem Wechsel in den Zivildienst beispielsweise mindestens 150 Zivildiensttage geleistet werden, um glaubhaft zu machen, dass ein Gewissenskonflikt erst spät eingetreten sei – unabhängig davon, wie viele Diensttage im Militär noch verblieben wären.
Armeeangehörige, die bereits die gesamte Ausbildung (Rekrutenschule und sämtliche Wiederholungskurse) absolviert haben, könnten neu überhaupt nicht mehr in den Zivildienst wechseln, um sich z. B. der Schiesspflicht zu entziehen.
Die sechs Massnahmen im Überblick
So argumentieren die Befürworter
Heute unterstehen über 60'000 Personen der Zivildienstpflicht. 2025 traten mit 7211 Neuzulassungen so viele Personen in den Zivildienst ein wie nie zuvor. Das sei zu viel, finden der Bundesrat und eine bürgerliche Mehrheit im Parlament.
Der Zivildienst sei ursprünglich als Lösung für echte Gewissenskonflikte gedacht und nicht als frei wählbare Alternative zum Militärdienst. Insbesondere späte Wechsel kurz vor dem Ende der Militärdienstpflicht entsprächen oft nicht diesem Zweck. Auch soll verhindert werden, dass bereits ausgebildete Armeeangehörige, Kader und Fachspezialisten die Armee verlassen.

Bundesrat und Parlament erkennen an, dass längerfristig weniger Personen für Einsätze des Zivildienstes zur Verfügung stünden. Dies sei jedoch hinzunehmen, da die Verfassung keine Wahlfreiheit zwischen Militär und Zivildienst vorsehe.
So argumentieren die Gegner
Eine Allianz aus Grünen, SP und EVP hat mit dem Schweizer Zivildienstverband CIVIVA und der Gruppe Schweiz ohne Armee (GSoA) das Referendum ergriffen.

Das Referendumskomitee kritisiert, dass die Gesetzesänderung der Gesellschaft schade, ohne die Armee zu stärken. So führe sie zu deutlich weniger Zivildienstleistenden, die gerade in den Bereichen Pflege, Bildung und Landwirtschaft fehlen würden.
Welchen Zweck erfüllt der Zivildienst deiner Meinung nach am besten?
Gleichzeitig werde die Armee kaum von weniger Zivis profitieren: Wer durch die verschärften Bedingungen vom Zivildienst abgeschreckt würde, liesse sich stattdessen einfach medizinisch ausmustern, um seinen Gewissenskonflikt zu lösen.
Thomas Leu (tle) arbeitet seit 2026 bei 20 Minuten. Er ist Praktikant im Ressort Politik.
