Einsatz im IranSo lief die spektakuläre Rettung des US-Piloten ab
Verletzt, gejagt und allein in den Bergen: US-Kräfte starteten eine riskante Operation tief im Iran – und brachten den Waffensystemoffizier in Sicherheit.
Darum gehts
- Ein US-F-15E-Pilot wurde im Iran abgeschossen und verletzt, er versteckte sich vor lokalen Milizen.
- US-Spezialkräfte starteten eine riskante Rettungsmission.
- Der Pilot wurde erfolgreich gerettet und nach Kuwait ausgeflogen.
Es war ein dramatischer Wettlauf gegen die Zeit über zwei Tage hinweg: In einer hochriskanten Kommandoaktion gelang es US-Spezialkräften, einen vermissten F-15E-Piloten im Iran zu retten. Der schwer verletzte Waffensystemoffizier hatte sich nach dem Abschuss seines Kampfjets in unwegsamem, felsigem Gelände verborgen gehalten, während ihn lokale Milizen unablässig jagten. Das iranische Regime hatte zuvor ein Kopfgeld von 60'000 US-Dollar auf ihn ausgesetzt.
An der äusserst komplexen und waghalsigen Rettungsmission war unter anderem das SEAL Team 6 beteiligt, eine der bekanntesten und schlagkräftigsten Antiterror-Einheiten des US-Militärs. Parallel dazu wurde unter enormem Zeitdruck ein provisorischer Flugplatz in feindlichem Gebiet eingerichtet. Ein bewährtes Täuschungsmanöver der CIA verschaffte den Einsatzkräften nach Berichten von US-Medien zusätzliche Zeit, während Patrouillenflüge der US-Luftwaffe dem Piloten aus der Luft Deckung boten.
So lief die Operation ab
Der Offizier hatte sich unmittelbar nach dem Angriff per Schleudersitz aus seinem abstürzenden Jet gerettet und sich in die Berge zurückgezogen. Dort gelang es ihm, einen 2134 Meter hohen Bergrücken zu erklimmen, um einer Gefangennahme durch iranische Truppen zu entgehen. Laut CNN verfügte er lediglich über eine Waffe, ein Kommunikationsgerät und einen Peilsender.
Notausrüstung eines F15-Crewmitglieds

Wie die «New York Times» berichtet, griffen US-amerikanische MQ-9-Reaper-Drohnen währenddessen ein und beschossen iranische Einheiten mit Raketen, sobald diese sich der Position des Piloten näherten. «Er flüchtete auf den hohen Bergrücken. Den ganzen Tag jagten ihn irgendwelche Typen. Es war Wahnsinn», zitierte die Zeitung eine Quelle.
Hundert Soldaten an Mission beteiligt
Zur weiteren Verwirrung des Gegners setzte die CIA gezielt Desinformation ein: Über verschiedene Kanäle verbreitete der US-Geheimdienst, der Offizier sei bereits gerettet und ausser Landes gebracht worden. Dabei hiess es, man bemühe sich, ein besonders wertvolles «Paket» auf dem Seeweg aus dem Iran zu schaffen – ein Ablenkungsmanöver, das offenbar die gewünschte Wirkung zeigte.
An der Operation sollen mehrere Hundert Soldaten beteiligt gewesen sein. Sie umfasste unter anderem die Landung mehrerer Transportflugzeuge tief im iranischen Staatsgebiet südlich der Stadt Isfahan, rund 320 Kilometer im Landesinneren. Am Boden kam es Berichten zufolge zu Gefechten.
Zwei der eingesetzten Maschinen – mutmasslich vom Typ MC-130J Commando II – konnten das improvisierte Flugfeld nicht mehr verlassen und blieben dort zurück. Drei weitere Flugzeuge wurden entsandt, um die gestrandeten US-Kräfte zu evakuieren. Die beiden zurückgebliebenen Maschinen, jeweils rund 100 Millionen US-Dollar wert, wurden vor Ort zerstört, um zu verhindern, dass sie in feindliche Hände fallen, ebenso wie zwei Helikopter. Bilder aus dem Iran zeigen ausgebrannte Wracks, bei denen es sich vermutlich um diese Flugzeuge handelt.
Pilot ist in einem Spital in Kuwait
Nach offiziellen Angaben gab es unter den Rettungskräften keine Todesopfer. Sämtliche beteiligten Kommandosoldaten sowie der Waffensystemoffizier kehrten laut einem hochrangigen US-Militärvertreter unversehrt zurück. Der verletzte Pilot wurde anschliessend zur medizinischen Versorgung nach Kuwait ausgeflogen.
Kurz darauf meldete sich US-Präsident Donald Trump auf seiner Plattform Truth Social mit den Worten: «Wir haben ihn!» Er bezeichnete den Einsatz als eine der kühnsten Rettungsaktionen der Geschichte und kündigte für Montag eine Pressekonferenz mit Vertretern des Militärs im Weissen Haus an.
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Karin Leuthold (kle), Jahrgang 1968, arbeitet seit 2005 für 20 Minuten und ist derzeit am Newsdesk tätig.
