Asylunterkunft Kandersteg: Petition gegen geplantes Zentrum für 200 Geflüchtete

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Kandersteg BE«Nimmt uns Wohnraum weg»: Anwohner toben wegen geplantem Asylheim

In Kandersteg regt sich Widerstand gegen eine geplante Unterkunft für bis zu 200 Geflüchtete. Gegner warnen in einer Petition vor Wohnungsnot und Sicherheitsrisiken.

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Darum gehts

  • In Kandersteg gibt es Widerstand gegen eine geplante Asylunterkunft. Sie soll bis zu 200 geflüchtete Personen aufnehmen.
  • Eine Petition warnt vor Wohnungsnot für Einheimische. Zudem werden Sicherheitsrisiken befürchtet.
  • Gegner sowie der Gemeinderatspräsident halten das ehemalige Internat für ungeeignet. Es sei zu klein für so viele Personen.

In Kandersteg im Kanton Bern ist eine Asylunterkunft für bis zu 200 geflüchtete Personen geplant. Die Unterkunft, ein ehemaliges Internat, soll ab Anfang 2028 in Betrieb genommen und grundsätzlich von nicht mehr als 160 Personen gleichzeitig belegt werden.

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Grundlage dafür ist ein Mietvertrag mit einer Laufzeit von zehn Jahren und der Option auf Verlängerung. Gegen die Asylunterkunft regt sich in Kandersteg allerdings grosser Widerstand aus der Bevölkerung und aus dem Gemeinderat. Es ist gar eine Petition im Umlauf.

Im ehemaligen Internat von Kandersteg ist eine Asylunterkunft für geflüchtete Personen geplant.
Im ehemaligen Internat von Kandersteg ist eine Asylunterkunft für geflüchtete Personen geplant.Privat

«Wir wollen kein zweites Crans-Montana»

Fabian (27) und Nadine (28) Wyssen aus Kandersteg haben die Petition gegen die geplante Asylunterkunft vor knapp vier Wochen lanciert. «Das Projekt ist für unser Dorf wie auch für die geplante Unterkunft schlicht zu gross.» Einheimische Familien suchten nach Wohnraum. «Und der Kanton nimmt ihn weg», sagen die Wyssens. «Wir sind überzeugt, dass zuerst für die Einheimischen und dann für die Gäste gesorgt werden muss.»

Für 200 Menschen sei das Gebäude zudem zu klein. «Das Internat war für etwa 60 Personen gedacht», sagt Wyssen. Mindestens zehn Jahre sei das Gebäude unbewohnt gewesen: «Es befindet sich in einem desolaten und maroden Zustand, der Kanton muss Millionen investieren.» Nicht nur im Falle eines Bergsturzes vom Spitzen Stein sei eine Evakuation innert Frist kaum möglich. Auch brandschutztechnisch sei das Haus nicht für so viele Menschen ausgelegt: «Wir wollen kein zweites Crans-Montana.»

Von 887 Stimmberechtigten hätten bis jetzt mehr als 300 die Petition unterschrieben. «Ziel wäre, dass mindestens die Hälfte der stimmberechtigten Bevölkerung unterschreibt.» Die Petition läuft noch bis Freitag.

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«Mit dieser Personenanzahl können wir nicht leben»

Auch René Maeder, Gemeinderatspräsident von Kandersteg und Mitte-Grossrat des Kantons Bern, hat die Petition unterschrieben. «Ich unterstütze, dass die Gemeinde Asylsuchende aufnimmt – aber das hat auch ein Limit», sagt er gegenüber 20 Minuten. 200 Personen entsprechen 12 Prozent der Wohnbevölkerung. «Mit dieser Personenanzahl können wir nicht leben, sie muss drastisch herunterkommen», sagt er.

Es gibt noch weitere Probleme: «Kandersteg hat zu wenig bezahlbaren Wohnraum», so Maeder. Diverse Wohnungen würden zu Airbnbs umfunktioniert und der drohende Bergsturz des Spitzen Steins schränke ebenfalls das bewohnbare Gebiet ein. «Eine solche geplante Massenunterkunft nimmt Einheimischen den Wohnraum weg.»

Das sagt der Kanton Bern

Beim geplanten Asylzentrum in Kandersteg handelt es sich um eine Kollektivunterkunft für Personen, die in der Schweiz bleiben werden. Für den Standort seien in erster Linie passende Gebäude zur Unterbringung von geflüchteten Personen ausschlaggebend. «Ehemalige Spitäler, Altersheime oder Internate eignen sich besonders gut, da Mietangebote für ein grosses, geeignetes Objekt sehr rar sind», so Gundekar Giebel, Sprecher der Gesundheits-, Sozial- und Integrationsdirektion des Kantons Bern.

Kandersteg sei zudem gut mit den öffentlichen Verkehrsmitteln erschlossen – direkt nach Frutigen, Spiez und Thun. «Dazu kommt, dass in absehbarer Zeit andere Unterkünfte im Berner Oberland geschlossen werden müssen.»

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Kanton Bern will Parteien an runden Tisch holen

Laut Giebel habe Bern grosse Erfahrung mit Kollektivunterkünften in verschiedensten, auch sehr kleinen Gemeinden und Ortschaften mit vergleichsweise grossen Unterkünften. «Der Kanton führt regelmässig runde Tische mit allen involvierten Parteien durch», so Giebel. In aller Regel verlaufe der Betrieb der Unterkunft und das Zusammenleben der Bewohnerinnen und Bewohner mit der Bevölkerung reibungslos.

Am Freitagmorgen wird die Petition an die Gemeinde überreicht. Am Abend desselben Tages findet ein Informationsanlass zur geplanten Kollektivunterkunft in Kandersteg statt.

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Fabienne Gnos (fgn), Jahrgang 2002, arbeitet seit Februar 2026 bei 20 Minuten. Sie ist Praktikantin im Ressort Bern.

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