«Keine 10-Millionen-Schweiz»: 52 Prozent würden SVP-Initiative heute annehmen

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Patt bei Zivi-VorlageKnappes Ja für 10-Millionen-Initiative – Schock für Gegner

Die erste Umfrage zu den Abstimmungen im Juni zeigt: Derzeit würde eine knappe Mehrheit die «Keine 10-Millionen-Schweiz»-Initiative der SVP annehmen. Bei der Änderung des Zivildienstgesetzes hingegen zeichnet sich aktuell ein Patt ab.

Darum gehts

  • Laut einer ersten Umfrage von Leewas für 20 Minuten und Tamedia würden derzeit 52 Prozent die SVP-Initiative «Keine 10-Millionen-Schweiz» annehmen.
  • Pikant: 54 Prozent der FDP-Sympathisierenden unterstützen die Vorlage – obwohl die FDP-Parteispitze aktiv dagegen kämpft.
  • Bei der Zivildienst-Vorlage zeichnet sich ein Patt ab: Je 46 Prozent sind dafür und dagegen.

Am 14. Juni entscheidet die Schweiz, ob die Bevölkerung bis 2050 auf zehn Millionen Menschen gedeckelt werden soll – und ob der Zugang zum Zivildienst erschwert wird.

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Eine erste Umfrage von Leewas im Auftrag von 20 Minuten und Tamedia zeigt nun: Derzeit sieht es bei beiden Vorlagen nach einem engen Rennen aus.

Knappe Mehrheit für «Keine 10-Millionen-Schweiz»-Initiative

Rund sechs Wochen vor der Abstimmung spricht sich eine knappe Mehrheit von 52 Prozent für die Initiative der SVP aus. 46 Prozent hingegen wollen die Vorlage ablehnen. Nur zwei Prozent zeigen sich aktuell noch unentschlossen. Zwischen den Geschlechtern zeigt sich eine leichte Differenz: Frauen befürworten die Vorlage mit 54 Prozent deutlicher als Männer (51 Prozent Ja).

Auffällig ist dabei auch die Unterstützung nach Parteien: Klar getragen wird die Initiative von SVP-Sympathisierenden – sie unterstützen die Vorlage mit 96 Prozent. Präsident Marcel Dettling sagt, die Umfrage zeige, dass die Zuwanderung beschäftige und die Schweiz «immer enger, stressiger und unsicherer» werde.

Die Umfrage

SVP-Chef Dettling will Romands erreichen und mobilisieren

Die Mehrheit der Bevölkerung habe nichts von der «masslosen» Zuwanderung. «Im Gegenteil: Die Mieten und Krankenkassenprämien explodieren. Die Strassen und Züge sind verstopft. Man sorgt sich als Eltern um die Zukunftschancen der Kinder, wenn in der Schule die Mehrheit der Kinder nicht richtig Deutsch kann».

Diese SVP-Zeitung zur Initiative flattert in den nächsten Tagen in praktisch alle Haushalte des Landes.
Diese SVP-Zeitung zur Initiative flattert in den nächsten Tagen in praktisch alle Haushalte des Landes.privat

Man sehe aber, dass viele FDP- und Mitte-Wähler «trotz Millionen-Kampagne von Gewerkschaften und Wirtschaftsverbände» kritisch seien. Er will nun auch die Romandie besser erreichen und mobilisieren. Wie 20 Minuten weiss, flattert diese Woche auch ein Extrablatt der SVP in alle Schweizer Briefkästen.

FDP-Chef sieht «Weckruf», SP-Wermuth spricht von «Schock»

Die zweite Parteibasis, die sich für die Initiative ausspricht, ist mit 54 Prozent diejenige der FDP. Pikant: Just die FDP kämpft an vorderster Front gegen die von ihr als «Chaos-Initiative» bezeichnete Vorlage.

«Wir müssen ehrlich aufzeigen, dass diese extreme Initiative unseren Wohlstand, die Gesundheitsversorgung und die Polizeiarbeit direkt gefährdet», sagt FDP-Co-Chef Benjamin Mühlemann.
«Wir müssen ehrlich aufzeigen, dass diese extreme Initiative unseren Wohlstand, die Gesundheitsversorgung und die Polizeiarbeit direkt gefährdet», sagt FDP-Co-Chef Benjamin Mühlemann.20min/Matthias Spicher

FDP-Co-Präsident Benjamin Mühlemann spricht von einem «Weckruf». «Jetzt braucht es alle verantwortungsvollen Kräfte, um diese irreführende Scheinlösung zu entlarven», so der Glarner Ständerat. Die «extreme Initiative» gefährde Wohlstand, Gesundheitsversorgung und die Polizeiarbeit.

Wie wichtig ist dir die Meinung deiner Partei bei Abstimmungen?

Mühlemann warnt vor einem «brutalen Verteilkampf um Fachkräfte» zwischen Stadt und Land, zwischen Jung und Alt, zwischen Spitälern, Polizei, Pflege, KMU und Landwirtschaft. Auf die Sympathien in seiner Basis geht er nicht direkt ein – die FDP weist darauf hin, dass bisher sämtliche Kantonalparteien Nein gesagt hätten und die echte inhaltliche Auseinandersetzung erst noch komme.

Patt-Situation beim Zivildienst-Zugang

Bei den Änderungen zum Zivildienstgesetz lässt sich sechs Wochen vor Abstimmung noch keine Tendenz ableiten: Derzeit sprechen sich 46 Prozent der Befragten für und 46 Prozent der Befragten gegen erhöhte Hürden beim Zivildienst-Zugang aus.
Befürwortet wird der erschwerte Zivildienstzugang insbesondere in den Lagern der FDP (65 Prozent Ja), SVP (64 Prozent Ja) und Mitte (57 Prozent Ja). Auf Ablehnung stösst das Vorhaben hingegen bei Sympathisierenden der GLP (59 Prozent Nein), der SP (68 Prozent Nein) sowie der Grünen (80 Prozent Nein).
Junge (18-34 Jahre) lehnen das neue Zivildienstgesetz mit 54 Prozent eher ab, während die Zustimmung mit höherem Alter wächst. So tendieren 54 Prozent der über 65-Jährigen zu einem Ja an der Urne.

Beide Lager zeigen sich optimistisch

SP-Nationalrätin Priska Seiler-Graf kämpft an vorderster Front gegen die Vorlage. Die Umfrage stimmt sie optimistisch. «Die Nein-Kampagne wird jetzt auch an Fahrt zunehmen und in der Öffentlichkeit vermehrter in Erscheinung treten», sagt sie.
Die Gegnerinnen und Gegner der Zivildienst-Vorlage sind siegessicher und wollen ihre Kampagne in den nächsten Wochen intensivieren.
Die Gegnerinnen und Gegner der Zivildienst-Vorlage sind siegessicher und wollen ihre Kampagne in den nächsten Wochen intensivieren.20min/Stefan Lanz
Es gehe darum, aufzuzeigen, was ein Rückgang von 40 Prozent der Zivildienstleistenden für die Gesellschaft bedeuten würde. «Ich bin überzeugt, dass das Volk eine starken Zivildienst will, weil Zivis in der Pflege, bei der Betreuung, in den Schulen, bei den Bergbauern und im Umweltschutz gebraucht werden», so die Zürcher Politikerin.
Mitte-Nationalrat Reto Nause hingegen sagt: «Ein Ja ist wichtig für die Sicherheit der Schweiz: Nur so können wir die Bestände von Armee und Zivilschutz sichern.» In einer Welt voller Konflikte müsse der Sicherheit wieder höchste Priorität eingeräumt werden.
Das Ja-Lager um Mitte-Nationalrat Reto Nause argumentiert mit der Sicherheitslage – um genügend Soldaten zu haben, sie die Reform nötig.
Das Ja-Lager um Mitte-Nationalrat Reto Nause argumentiert mit der Sicherheitslage – um genügend Soldaten zu haben, sie die Reform nötig.20min/Stefan Lanz
«Wir segeln im Schatten der 10-Millionen-Initiative. Jeder Auftritt und jede Veranstaltung ist entscheidend zur Mobilisierung der Wählerschaft», so der Berner.

Die Mitte-Basis zeigt sich derweil gespalten, tendiert mit 50 Prozent Nein zu 47 Prozent Ja-Stimmen eher zu einer Ablehnung. Unüberraschend lehnen GLP-, Grünen- und SP-Sympathisierende mit jeweils über 75 Prozent deutlich ab.

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Für SP-Co-Präsident Cédric Wermuth ist die Umfrage ein «Schock». Die «extreme Chaos-Initiative» sei ein Frontalangriff auf die Beziehungen zu Europa und führe zur Kündigung der Personenfreizügigkeit. «Das wäre mit dramatischen Folgen verbunden für Export KMUs, Arbeitsplätze und würde den Fachkräftemangel gerade in der Pflege massiv verschärfen», warnt er.

Stadt-Land- und Einkommens-Graben

Die Umfrage zeigt auch, dass sich bei dieser Abstimmung ein Stadt-Land-Graben herauskristallisiert. Während die Stimmbevölkerung in der Stadt sich mit 55 Prozent gegen die Initiative ausspricht, wird sie in der Agglo und auf dem Land mit 53 respektive 57 Prozent befürwortet.

Und: Je mehr jemand verdient, desto eher wird die Initiative abgelehnt. Während die Einkommensgruppe mit bis zu 4000 Franken im Monat der Initiative mit 61 Prozent zustimmt, sinkt dieser Wert bei den Topverdienern mit einem monatlichen Lohn von über 16’000 Franken auf 43 Prozent (53 Prozent Nein).

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Christof Vuille (vuc) leitet seit 2023 das Ressort Politik und ist Mitglied der Redaktionsleitung. Er berichtet für 20 Minuten nah am Puls der Bundespolitik.

Christina Pirskanen (pir) arbeitet seit 2022 für 20 Minuten. Sie ist seit Januar 2026 stv. Leiterin des Ressorts Politik.

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