Skandal-Professor70 Tote an Unispital: Herzchirurg Maisano operiert nun in Mailand
Eine Untersuchung zum Universitätsspital Zürich zeigt, dass unter Francesco Maisano deutlich mehr Patienten starben als erwartet. Trotz schwerer Vorwürfe arbeitet der Mediziner heute in Mailand weiter – und ist sogar Mitglied einer Ethikkommission.
Darum gehts
- Eine externe Untersuchung zeigt, dass unter Herzchirurg Francesco Maisano am Unispital Zürich zwischen 2014 und 2020 deutlich mehr Patienten starben als erwartet.
- Trotz schwerer Vorwürfe arbeitet Maisano heute in Mailand als Direktor der Herzchirurgie am Ospedale San Raffaele und ist Mitglied einer Ethikkommission.
- Das Mailänder Spital bestätigt, dass das von Maisano entwickelte Implantat Cardioband dort seit 2021 nie eingesetzt wurde.
Francesco Maisano gilt als profilierter Herzchirurg in Europa – und zugleich als zentrale Figur eines der grössten Medizinskandale der Schweiz. Eine externe Untersuchung zur Herzchirurgie am Universitätsspital Zürich kommt dabei zu einem klaren Befund: Zwischen 2014 und 2020 starben deutlich mehr Patientinnen und Patienten, als zu erwarten gewesen wäre. Im Fokus steht auch das Cardioband, ein vom damaligen Klinikleiter Maisano selbst entwickeltes Implantat, bei dem es häufiger zu Komplikationen gekommen sein soll.

Mitglied einer Ethikkommission in Italien
Heute arbeitet Maisano in Mailand. Seit 2021 ist er Direktor der Herzchirurgie und des Valve Centers am IRCCS Ospedale San Raffaele sowie ordentlicher Professor an der Università Vita-Salute San Raffaele. Zudem ist er in verschiedenen wissenschaftlichen Gremien aktiv und seit 2025 auch Mitglied einer Ethikkommission in der Region Valle d’Aosta.
Bemerkenswert ist auch, dass auf dem Profil des Arztes auf der Spital-Website weiterhin mit dem Cardioband geworben wird. Aus einem kurzen Telefonat lässt sich die Medienverantwortliche der Gruppe San Donato, zu der das Spital gehört, wie folgt zitieren. «Professor Maisano kam nach Covid an unsere Klinik. In der Zeit von 2021 bis jetzt wurde in unserer Klinik das Cardioband nie genutzt.» Ob nun Konsequenzen für Maisano drohen, bleibt offen. Eine schriftliche Anfrage an das Ospedale San Raffaele ist noch ausstehend.

Maisano besitzt keinen klassischen Doktortitel
Ein Rechtsanwalt mit Schwerpunkt Medizinal- und Strafrecht sagt aber gegenüber 20 Minuten: «Arbeitgeber sind grundsätzlich verpflichtet, bei solchen Vorwürfen eine eigene Prüfung vorzunehmen. Ob und welche Massnahmen ergriffen werden, hängt vom jeweilig anwendbaren Arbeitsrecht und den internen Compliance-Strukturen ab.» In der Regel werde zuerst intern abgeklärt, was passiert ist. Weitere Schritte würden meist erst dann eingeleitet, wenn es genügend klare Hinweise gebe.
Bereits bei Maisanos akademischem Werdegang gab es Ungereimtheiten: Laut Recherchen des «Beobachters» wurde er von der Universität Zürich zum Professor berufen, obwohl er bis heute über kein klassisches Doktorat verfügt – eine in der Schweiz äusserst seltene Ausnahme. Die Universität begründete dies mit seiner klinischen Erfahrung und wissenschaftlichen Publikationstätigkeit. Die Professur habe mit Ende seiner Kliniktätigkeit ebenfalls geendet. Zudem wurden später im Zuge von Abklärungen auch wissenschaftliche Unregelmässigkeiten und nicht deklarierte Interessenkonflikte festgestellt, was Maisano bestritten hat.
Anfragen an Francesco Maisano persönlich sowie an die Ethikkommission, in der er Mitglied ist, blieben bislang unbeantwortet.
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Carolin Teufelberger (cat) arbeitet seit 2024 für 20 Minuten als Redaktorin beim Ressort News, Wirtschaft & Videoreportagen.
