Iran-Krieg300 Prozent mehr Kalabrien-Buchungen: Wo Schweizer Ferien machen
Der Krieg der USA und Israels wirkt sich inzwischen konkret auf die Reiseentscheide der Schweizer Bevölkerung aus. Hier triffst du im Sommer auf viele Schweizer Touris.
Darum gehts
- Klassische Mittelmeer-Destinationen wie Italien und Spanien boomen, weil der Nahe Osten als unsicher gilt.
- Besonders Familien weichen auf gut erreichbare Ziele aus.
- Der Reiseriese Dertour sagt, wie sich das Reiseverhalten verändert hat.
Seitdem die USA und Israel den Iran angreifen, ist der Flugverkehr im Nahen Osten gestört. Auch nach fast vier Monaten ist noch immer kein regulärer Flugbetrieb in den zentralen Drehkreuzen Dubai, Doha und Abu Dhabi in Sicht.
Das Reiseverhalten der Schweizer Bevölkerung hat sich seither auch spürbar verändert. Die Unsicherheit wirkt sich inzwischen konkret auf Reise- und Buchungsentscheide aus, wie eine Umfrage von Dertour Suisse ergab.
Sicherheit wird zum wichtigsten Faktor nach den Kosten
Der deutsche Reiseriese mit Schweizer Reisebüros (Kuoni, Hotelplan, Helvetic Tours) befragte zwischen dem 30. April und dem 11. Mai 1000 Personen in der Schweiz. Das Ergebnis zeigt: Viele Reisende achten heute stärker auf die Sicherheitslage vor Ort und auf offizielle Reisehinweise. Nach dem Preis kommt die politische Stabilität an zweiter und die Sicherheitsbedingungen an vierter Stelle.
Wenig überraschend gilt derzeit der Nahe Osten als unsicherstes Reiseziel. Gleichzeitig zeigt die Befragung, dass aktuell eine kleine Minderheit (7,7 Prozent) keinerlei Sicherheitsbedenken bezüglich der befragten Destinationen hat.
Jeder Fünfte ändert die Reisepläne
Obwohl der Nahe Osten von einer grossen Mehrheit der Befragten als unsicheres Reiseziel eingestuft wird, ändern nur wenige ihre Pläne deswegen. 81 Prozent der Befragten gaben an, ihre Reisepläne aufgrund des Konflikts nicht anzupassen. Fast jede fünfte Person in der Schweiz hat ihre Reisepläne jedoch vor der Buchung geändert, eine Reise storniert oder umgebucht.
Wer wegen des Kriegs die Ferienpläne geändert hat, weicht am häufigsten auf alternative Destinationen aus (42 Prozent). Nur ein Drittel verzichtet auf die Reise.
Diese Destinationen sind jetzt gefragt
Aktuelle Auswertungen der Buchungszahlen von Dertour Suisse für Abreisen zwischen April und Oktober 2026 bestätigen das in der Umfrage genannte veränderte Reiseverhalten. Die Daten verdeutlichen eine klare Verschiebung hin zu klassischen Mittelmeer-Destinationen. Besonders beliebt bei den Kundinnen und Kunden von Dertour in der Schweiz sind in diesem Sommer und Herbst Spanien und Italien.
Italien entwickelt sich derzeit zu einem der grössten Gewinner der aktuellen Nachfrageverschiebung. In der Deutschschweiz legten die Buchungen nach dem 28. Februar 2026 um 66 Prozent zu, nachdem die Nachfrage zuvor noch leicht rückläufig gewesen war. Auch Spanien verzeichnet in beiden Sprachregionen wieder positive Wachstumsraten.
Besonders stark profitieren Badeferien-Destinationen im Mittelmeerraum. Auffällig sind unter anderem starke Zuwächse für Malaga und Menorca sowie für mehrere italienische Regionen wie Venetien, Sizilien oder Kalabrien.
Familien bevorzugen gut erreichbare Destinationen
Gleichzeitig verzeichnen Fernreise- und Langstreckendestinationen, besonders Destinationen wie Mauritius, seit Ende Februar spürbare Rückgänge. Die Zahlen deuten darauf hin, dass viele Reisende deshalb bewusst auf näher gelegene Destinationen ausweichen.
Besonders ausgeprägt zeigt sich diese Entwicklung bei Familien. So steigen die Italien-Buchungen bei Familien mit Kindern markant an, während zuvor noch rückläufige Zahlen registriert wurden. Dies spricht laut Dertour dafür, dass das Sicherheitsgefühl und die Planbarkeit derzeit insbesondere für Familien eine zentrale Rolle spielen.
Wie beeinflusst die aktuelle Weltlage deine Ferienplanung?
Folgst du 20 Minuten Wirtschaft auf Whatsapp?
Fabian Pöschl (fpo) arbeitet seit 2020 für 20 Minuten. Er ist Verantwortlicher Wirtschaftsnews im Ressort News, Wirtschaft & Videoreportagen.
