Ukraine trifft Kreml immer härter: Muss Russland bald eigenes Öl kaufen?

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Schläge hinter der GrenzeRussischer Soldat droht Putin – auch der Wirtschafts-Druck wächst

In ihrem Abwehrkrieg nimmt die Ukraine immer stärker Rüstungsfirmen und Energiestandorte in Russland ins Visier. Derweil sieht sich der Kreml gezwungen, auf interne Drohungen zu reagieren.

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Die Ukraine hat in der Nacht auf Samstag erneut Ziele weit hinter der Grenze zu Russland mit heimisch produzierten Flamingo-Raketen angegriffen.20Min

Darum gehts

  • Kiews Langstreckenangriffe treffen Russlands Kriegsmaschinerie spürbar: 20 Raffinerien sind teilweise oder ganz ausser Betrieb.
  • In der Nacht auf Samstag traf die Ukraine die Rüstungsfabrik Titan-Barrikady in Wolgograd mit Flamingo-Marschflugkörpern.
  • Parallel dazu droht ein russischer Soldat in einem viral gegangenen Video damit, die Armee werde «die Waffen auf den Kreml richten».

Die Ukraine hat in der Nacht und am frühen Morgen eigenen Angaben nach eine Rüstungsfabrik in der russischen Millionenstadt Wolgograd angegriffen. Marschflugkörper des Typs Flamingo hätten die Anlagen des Betriebs Titan-Barrikady getroffen und in Brand gesetzt, teilte der ukrainische Präsident Wolodimir Selenski bei Telegram mit. In der Fabrik würden Artilleriesysteme und auch Elemente für die Abschussrampen von Raketen produziert, schrieb er.

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Der Gouverneur der Region Wolgograd, Andrej Botscharow, bestätigte Schäden an den «Produktionsanlagen eines Unternehmens», machte aber keine genaueren Angaben dazu, was dort produziert wird. Seinen Angaben nach wurden mindestens zehn Menschen verletzt. Er schrieb von angreifenden «Flugobjekten mit Hochgeschwindigkeit» – damit dürften Marschflugkörper gemeint sein. Mehrere lokale Brände seien gelöscht worden, schrieb Botscharow weiter. Wohngebäude waren demnach nicht betroffen.

Kiew: Oreschnik-Fabrik getroffen

Titan-Barrikady stellt Medienberichten nach Komponenten für die Raketenkomplexe Iskander, Jars und Topol-M her, die prinzipiell auch Atomwaffen tragen können. Zudem soll die Fabrik auch an der Produktion der neuen russischen Mittelstreckenrakete Oreschnik beteiligt sein.

Die Ukraine verteidigt sich seit mehr als vier Jahren gegen den russischen Angriffskrieg. In den vergangenen Monaten hat sie sich dabei verstärkt auf Attacken gegen strategisch wichtige Objekte im russischen Hinterland verlegt – zumeist mit Drohnen, mehrfach inzwischen aber auch mit den selbst entwickelten Marschflugkörpern Flamingo. Ins Visier geraten sind neben Militäreinrichtungen und Rüstungsbetrieben auch Anlagen der Ölindustrie.

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Damit will die Ukraine den angreifenden russischen Truppen die Treibstoffversorgung und dem Kreml die Kriegsfinanzierung erschweren – und hat Erfolg: Zuletzt teilte der stellvertretende russische Ministerpräsident Alexander Nowak mit, dass die Regierung ein komplettes Ausfuhrverbot für Diesel erwäge.

Eine weitere geplante Massnahme illustriert die Effektivität der ukrainischen Langstreckenangriffe ebenfalls eindrücklich: So plant der Kreml laut «Focus online», Benzin aus Indien zu importieren, um die Ausfälle durch beschädigte und zerstörte russische Raffinerien zu kompensieren. Damit würde Russland faktisch sein eigenes Öl zurückkaufen, da Indien das für die Produktion benötigte Rohöl von Russland kauft. Gemäss Reuters ist die russische Benzinproduktion derzeit etwa 25 Prozent tiefer als noch 2025, ungefähr 20 Anlagen waren zeitweise oder sind immer noch ausser Betrieb.

«Richten Waffen auf den Kreml»: Soldat droht Putin

Derweil wächst der gesellschaftliche Druck auf Putin auch innerhalb Russlands: In einem viel beachteten Video hat ein Soldat klare Worte an den russischen Präsidenten gerichtet, wie die «Frankfurter Allgemeine Zeitung» schreibt. Er müsse Putin bei einer Live-Audienz «die ganze Wahrheit über das, was bei uns im Land passiert», erzählen. Im Video berichtet er, dass die Soldaten an der Front von ihren Vorgesetzten ausgebeutet, gequält und verheizt würden.

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Dann richtet er eine klare Drohung an die russischen Machthaber: «Wenn ich nicht in Kürze neben Ihnen live im Fernsehen auftrete, dann richtet die Armee ihre Waffen auf den Kreml.» Es ist bei Weitem nicht das erste Video, in dem ein russischer Soldat von massiven Missständen berichtet – die Aufnahmen haben aber offenbar so grosse Runden gemacht, dass sich der Kreml zu einer Reaktion gezwungen sah.

Peskow: «Merkwürdige Formulierungen»

Über seinen Sprecher Dmitri Peskow liess Putin, der selbst ziemlich genau über die brutale Vorgehensweise seiner Kommandanten informiert sein dürfte, mitteilen, dass man die Forderung nach der Audienz gehört habe. «Man muss sich das erst einmal anschauen», sagte Peskow und sprach von «merkwürdigen Formulierungen» im Video. Ob der Soldat seine Audienz mit dem russischen Präsidenten vor laufenden Kameras erhält, ist fraglich.

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Benedikt Hollenstein (bho) ist seit 2021 bei 20 Minuten. Er schreibt für den Newsdesk und übernimmt dort auch Tagesleitungsschichten.

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