Patriot verspätet: Schweiz sucht zweites Luftabwehrsystem

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Aktualisiert

Neben Patriot-BeschaffungZweite Raketenabwehr muss «rasch und verbindlich» verfügbar sein

Wegen der verspäteten Patriot-Bestellung will die Schweiz ein zweites Luftabwehrsystem kaufen. Offiziell sind drei Firmen im Rennen, doch Sicherheitspolitiker haben klare Präferenzen.

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Darum gehts

  • Weil sich die Patriot-Lieferung aus den USA um bis zu sieben Jahre verzögert, braucht die Schweiz rasch ein Ersatzsystem.
  • Der Bundesrat verhandelt mit Frankreich, Südkorea und Israel über ein zweites Luftabwehrsystem für grosse Distanzen.
  • SVP-Nationalrat Mauro Tuena setzt auf Südkorea – aufgrund des Preis-Leistungs-Verhältnisses.
  • Angefragte SP- und FDP-Politiker bevorzugen das französisch-italienische System.

Die Schweiz fährt zweigleisig bei der Luftabwehr von Gefahren aus grösserer Distanz. Der Bundesrat hält an der Beschaffung von fünf Patriot-Systemen aus den USA fest. Diese verspätet sich wohl um bis zu sieben Jahre und wird massiv teurer.

Daneben verhandelt er mit Firmen aus Frankreich, Südkorea und Israel über den Kauf eines zweiten Systems. Laut Verteidigungsminister Martin Pfister erfüllen diese die militärischen Anforderungen grundsätzlich und schnitten in der Kosten-Nutzen-Betrachtung am besten ab.

Diese Systeme kauft die Schweiz

Als Kriterien hat der Bundesrat definiert, dass das zusätzliche System «rasch und verbindlich» verfügbar sein muss – inklusive Munition. Es muss für die Abwehr von Gefahren aus grosser Distanz konzipiert sein und es muss in die Armee und «das schweizerische Einsatzumfeld» integrierbar sein. Ausserdem müssen möglichst viele Bauteile in der Schweiz oder zumindest in Europa produziert werden.

SP-Molina: Nicht das israelische System

SP-Nationalrat Fabian Molina begrüsst, dass der Gewinner des Auftrags zumindest kritische Teile des Abwehrsystems in Europa produzieren müsste: «Das reduziert die Abhängigkeit von anderen Staaten.» Es gehe auch um die Interoperabilität. Sprich, es sei sinnvoll, wenn das neue System mit jenem der umliegenden Länder kompatibel sei. Er bevorzugt darum das französisch-italienische System.

Nationalrat Fabian Molina (SP) favorisiert, wenn, dann ein System aus Frankreich.
Nationalrat Fabian Molina (SP) favorisiert, wenn, dann ein System aus Frankreich.Jürg Spori

Ein rotes Tuch ist für Molina die Beschaffung des israelischen Systems: «Wir können unsere Luftabwehr nicht von einem Staat beziehen, der das humanitäre Völkerrecht verletzt.»

Welches System ist dein Favorit?

Bei der Abwehr von Langstreckenraketen bleibe die Schweiz aber ohnehin abhängig von anderen Ländern, findet Molina: «Eine russische Rakete fliegt erst über drei Länder, bevor sie in der Schweiz ist.» Zudem fehlten der Schweiz wichtige Luftlagedaten: «Das beste Abwehrsystem bringt nichts, wenn wir die Raketen nicht kommen sehen.»

FDP-Theiler: Favorit Frankreich

Auch FDP-Nationalrat Heinz Theiler spricht sich für das französisch-italienische System Mamba aus – auch bekannt als SAMP/T. Eine ältere Version davon hat die Schweiz im Vorfeld des Patriot-Kaufs bereits geprüft: «Es ist wichtig, dass wir jetzt schnell vorwärtsmachen.»

Heinz Theiler (FDP) favorisiert ebenfalls das französische System. «Es ist wichtig, dass wir jetzt schnell vorwärtsmachen.»
Heinz Theiler (FDP) favorisiert ebenfalls das französische System. «Es ist wichtig, dass wir jetzt schnell vorwärtsmachen.»20min/Matthias Spicher

Von den Herstellern des Mamba-Systems gebe es eine Zusage, dass sie liefern können: «Hier haben wir ein Angebot auf dem Tisch.» Bei den Systemen aus Südkorea und Israel bezweifle er, dass eine schnellere Lieferung möglich sei.

SVP-Tuena: Favorit Südkorea

SVP-Nationalrat Mauro Tuena sieht das anders. Sein Favorit ist das System aus Südkorea: «Das Preis-Leistungs-Verhältnis ist top», sagt der Zürcher, der vom Fach ist. Er ging bei Oerlikon Contraves in die Lehre und arbeitete danach mehrere Jahre bei der Firma, die auch heute noch Flugabwehrsysteme baut: «Ich habe an dem Abwehrsystem Skyguard einige Jahre intensiv gearbeitet.»

Mauro Tuena (SVP) setzt auf das südkoreanische System: «Das Preis-Leistungs-Verhältnis ist top.»
Mauro Tuena (SVP) setzt auf das südkoreanische System: «Das Preis-Leistungs-Verhältnis ist top.»20min/Taddeo Cerletti

Auch Tuena betont, dass die Zeit drängt: «Das koreanische System ist lieferbar, ab Bestellung hätten wir es innert Jahresfrist.» Anders als für Molina und Theiler ist die Herkunft für ihn zweitrangig: «Ich sehe nicht ein, warum es ein europäisches System sein muss. Das Preis-Leistungs-Verhältnis muss stimmen!»

Bis zu 6,3 Milliarden – so teuer wird Patriot

Wie SRF und die NZZ am Dienstag übereinstimmend berichten, erwartet der Bund, dass die Patriot-Systeme nun zwischen 3,7 und 6,3 Milliarden Franken kosten werden.
Der Bundesrat habe auch deswegen auf den Abbruch der Beschaffung verzichtet, um die USA in den laufenden Zollverhandlungen nicht zu verstimmen.
Verteidigungsminister Martin Pfister beantragte zudem beim Bundesrat eine dringliche «Sonderarmeebotschaft» in der Höhe von fünf Milliarden Franken. Dies, um eine zügige Lieferung eines zweiten Luftabwehrsystems für lange Distanzen sicherzustellen. Die anderen Departemente lehnten diesen Vorschlag gemäss den beiden Medien aber ab.
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Delia Bachmann (dba), Jahrgang 1993, arbeitet seit 2024 für 20 Minuten. Als Redaktorin im Ressort Politik berichtet sie über das Geschehen in Bundesbern.

Stefan Lanz arbeitet seit 2021 für 20 Minuten. Er ist Bundeshausjournalist mit langjähriger Erfahrung.

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