Scherz mit Infantino«Kanada und Mexiko lassen wir draussen»: Trump will WM mit China
Donald Trump und Gianni Infantino feiern die WM 2026 mit Superlativen. Für Aufsehen sorgte die Einmischung im Fall Balogun sowie kuriose Ideen für zukünftige Turniere.
Darum gehts
- Trump und Fifa-Präsident Infantino haben sich im Trump Tower in Manhattan zu einem gemeinsamen WM-Empfang getroffen.
- Trump gestand öffentlich, Infantino angerufen zu haben, damit Nationalspieler Folarin Balogun trotz Roter Karte weiterspielen durfte.
- Zudem scherzte Trump über eine künftige WM ohne Kanada und Mexiko – und enthüllte Infantinos Idee eines Turniers mit 64 Teams oder einer gemeinsamen WM mit China.
Zwei Tage vor dem grossen WM-Final zwischen Argentinien und Spanien im New Jerseyer MetLife Stadium luden die Fifa und US-Präsident Donald Trump zu einem gemeinsamen Empfang. Schauplatz des 25-minütigen Spektakels, bei dem absolut keine Fragen von Journalisten zugelassen waren, war ausgerechnet der Trump Tower in Manhattan.
Zur Einlaufmusik von Trumps Wahlkampf-Hymne «God Bless The U.S.A.» betraten die beiden Herren die Bühne – und lieferten eine Show ab, die vor Superlativen und skurrilen Enthüllungen nur so strotzte.
Der Telefonanruf und die annullierte Rote Karte
Der grösste Aufreger der Veranstaltung war Trumps offenes Geständnis rund um den US-Nationalspieler Folarin Balogun. Der Stürmer hatte im Sechzehntelfinal gegen Bosnien-Herzegowina (2:0) die Rote Karte gesehen, was gemäss Fifa-Regularien eine unanfechtbare automatische Sperre für das nächste Spiel nach sich gezogen hätte.
Balogun durfte im darauffolgenden Spiel gegen Belgien plötzlich doch auflaufen – ein Entscheid, den die Uefa als «unverständlich» abkanzelte und als klare Überschreitung einer «roten Linie» verurteilte.
Nun lüftete Trump das Geheimnis hinter diesem wundersamen Entscheid. Er habe Infantino schlichtweg angerufen: «Ich war gezwungen, Gianni anzurufen und einfach eine Empfehlung abzugeben», prahlte Trump ungeniert vor den geladenen Gästen.
Er habe gesagt: «Gianni, ich möchte eine Empfehlung abgeben. Lass den Kerl im Spiel.» Kurz darauf korrigierte er sich grinsend, er habe natürlich nur eine «Beschwerde» einreichen wollen, lobte den Fifa-Boss aber sogleich für dessen Verständnis: «Gianni hat eine weitere seiner vielen grossartigen Entscheidungen getroffen.»

Dass dies den ohnehin schon lauten Vorwurf der politischen Einmischung endgültig zementiert, schien den US-Präsidenten überhaupt nicht zu stören – Infantino gab zu Protokoll, dass er die Entscheidung doch gar nicht selbst getroffen habe.
Taktik-Tipps für England und Häme für Frankreich
Nachdem Trump seine Macht über die Fussball-Justiz demonstriert hatte, wechselte er munter in die Rolle des Taktik-Experten.
Sein grösstes Opfer: Englands Nationaltrainer Thomas Tuchel. Trump kritisierte Tuchels extrem defensive Herangehensweise bei der Halbfinal-Niederlage gegen Argentinien scharf. «Sie gingen in Führung, nahmen ihren besten Spieler und stellten ihn in die Verteidigung», analysierte Trump die Rolle von Stürmer Harry Kane, mit dem er nach eigenen Angaben immerhin schon Golf gespielt hat.
Trumps Fazit an die Engländer: «Wir müssen ein bisschen offensiv sein, oder? Was weiss ich schon vom Coaching? Aber das war ein bisschen ungewöhnlich.»

Auch für die enttäuschten Franzosen, die im anderen Halbfinal überraschend an Spanien scheiterten (0:2), hatte er einen spöttischen Spruch parat. «Sie schienen unschlagbar zu sein und dann schlugen sie Spanien nicht. So etwas kann passieren im Leben. Du bist heiss wie eine Pistole und dann bist du nicht mehr so heiss», philosophierte Trump.
Wahre Lobeshymnen stimmte er hingegen für Lionel Messi an, der mit etwas «ganz Besonderem» geboren worden sei. Eine WM in den USA und China? Wer dachte, die laufende Weltmeisterschaft mit Spielen in den USA, Kanada und Mexiko sei bereits gigantisch, den belehrte Trump eines Besseren.
Er verriet aus vertraulichen Gesprächen, dass Infantino eine baldige Erweiterung des Turniers von 48 auf unfassbare 64 Teams in Betracht ziehe.
Trump fordert eine WM mit China
Trump forderte den Fifa-Boss sogleich auf, das Turnier künftig einfach erneut an die USA zu vergeben – diesmal aber mit einem klaren Seitenhieb gegen die aktuellen Co-Gastgeber: «Dieses Mal lassen wir Mexiko und Kanada draussen», scherzte Trump unter dem Gelächter der Anwesenden.
Zudem lüftete er eine angeblich noch viel verrücktere Idee von Infantino: eine gemeinsame Weltmeisterschaft der USA mit China. «Das wären schöne kurze Flüge zwischen den Spielen», witzelte Trump extrem sarkastisch über diese logistisch absurde Kombination. «Die Spieler würden es lieben.»
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Infantinos Schwärmerei vor dem US-Präsidenten
Gianni Infantino genoss das Blitzlichtgewitter sichtlich und sparte seinerseits nicht mit massiven Schmeicheleien in Richtung seines Gastgebers. Er bezeichnete die WM hochtrabend als das «grösste menschliche, soziale und kulturelle Ereignis, das die Menschheit je erlebt und gesehen hat.»
Der wahre Architekt dieses unglaublichen Triumphs sei für ihn ohnehin glasklar: «Diese Weltmeisterschaft wäre ohne Sie nicht ein so unglaublicher Erfolg gewesen», betonte Infantino schleimig direkt in Richtung von Trump. «Der amerikanische Traum, Herr Präsident, ist wahr geworden», sagte der Walliser weiter und bilanzierte voller Stolz: «Wir haben die Welt vereint.»
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Sebastian Rieder (sri), arbeitet seit 2024 für 20 Minuten als Stv. Leiter Sport. Der Generalist hat stets die besten Schweizer Fussballer im Fokus und begleitet die Nati als Reporter und Videojournalist.
