WM-Boykott: Alle 55 Uefa-Verbände widersetzen sich Infantinos Verkaufsplänen

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Verkaufspläne der FifaEinstimmig: Alle 55 Uefa-Länder wollen WM boykottieren

Die Uefa hat beschlossen, alle Fifa-Wettbewerbe zu boykottieren, solange die Pläne, Anteile der WM zu verkaufen, im Raum stehen.

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Darum gehts

  • Alle 55 Uefa-Mitgliedsverbände haben einstimmig beschlossen, die Fussball-WM zu boykottieren, solange die Pläne von Fifa-Boss Gianni Infantino die WM-Anteile an Investoren zu verkaufen, existieren.
  • Infantino plant, 20 bis 30 % der kommerziellen Vermarktungsrechte der WM zu veräussern und damit 4 bis 7 Milliarden Franken einzunehmen.
  • Die Uefa bezeichnet das Vorgehen als «umfassendes Führungsversagen» und «bewusste Verletzung der Pflichten der Fifa».

Es ist eine Hammer-Meldung, die am Donnerstagabend die Runde macht. Erst wurde über einen allfälligen WM-Boykott der Uefa nur spekuliert. Nun ist dies Tatsache. Solange Fifa-Präsident Gianni Infantino plant  Anteile der WM verkaufen, werden die Uefa-Nationen alle Fifa-Wettbewerbe boykottieren. Dies habe die Uefa in einer Sitzung am Donnerstagnachmittag beschlossen.

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Alle 55 Mitgliedsverbände – einschliesslich des Schweizerischen Fussballverbandes (SFV) – sind am Donnerstag virtuell zusammengekommen und haben die Verkaufspläne Infantinos diskutiert. Es wurde einstimmig beschlossen, dass alle Fifa-Wettbewerbe von europäischen Fussballverbänden boykottiert werden, solange die Pläne bestehen Minderheitsanteile der Weltmeisterschaft an Investoren zu verhökern.

«Unverantwortlich und unvertretbar»

«Die Uefa und ihre 55 Mitgliedsverbände stehen geeint zusammen. Wir lehnen den Vorschlag der Fifa, Anteile an der Fussball-WM und an anderen Fifa-Wettbewerben an private Investoren zu veräussern, einhellig und unmissverständlich ab», beginnt die Uefa ihr Statement.

Die WM dürfe nicht als Anlageprodukt behandelt werden. Sie sei eine der grössten und traditionsreichsten Sportveranstaltungen im Fussball und stehe auf keinen Fall zum Verkauf.

Das Uefa-Statement in voller Länge

«Es ist unverantwortlich und unvertretbar, dass ein Vorschlag von solcher Tragweite für den Fussball im Geheimen erarbeitet und zur quasi unmittelbaren Genehmigung vorgelegt wurde, ohne diejenigen zu konsultieren, die mit der Leitung des Fussballs betraut sind. Es handelt sich nicht nur um ein umfassendes Führungsversagen, sondern um eine bewusste Verletzung der Pflichten der Fifa als Hüterin des Weltfussballs», so der europäische Verband weiter.

Wie findest du die Haltung der Uefa?

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«Führung durch Einschüchterung»

Der Ton wird im Verlauf der Mitteilung stets schärfer. «Allen Nationalverbänden weltweit wurde nun ein Ultimatum gestellt: Entweder sie akzeptieren die unwiderrufliche Übernahme der grössten Fussballwettbewerbe oder sie tragen die entsprechenden Konsequenzen. Wir sprechen hier nicht von einer ‹demokratischen Entscheidungsfindung›, sondern von Führung durch Einschüchterung – ein aufgezwungener Akt, der einer Institution, die mit der Leitung des Weltfussballs betraut wurde, unwürdig ist.»

Fifa-Boss Infantino findet sich in einem Tsunami der Gegenwehr wieder.
Fifa-Boss Infantino findet sich in einem Tsunami der Gegenwehr wieder. IMAGO/Chris Milosi

«Nach den heutigen Gesprächen werden keine Uefa-Nationalteams an Fifa-Wettbewerben teilnehmen, solange diese Vorschläge im Raum stehen, es sei denn, dieser Vorschlag wird in seiner Gesamtheit aufgegeben und es erfolgen verbindliche Zusicherungen, dass die Fifa ihre Governance und ihre Wettbewerbe nie wieder für private Investoren öffnet.»

Das sagt der SFV

Peter Knäbel, Präsident des Schweizerischen Fussballverbandes, nahm ebenfalls an der ausserordentlichen Sitzung teil. Er äussert sich wie folgt zum einstimmigen Entscheid der Uefa: «Es war eindrücklich zu sehen, wie geschlossen die europäischen Verbände die Pläne der Fifa zurückwiesen, nachdem alle Informationen über das Vorgehen und die Tragweite dieses Vorhabens bekannt geworden waren.»

Auch SFV-Chef Peter Knäbel war bei der Uefa-Sitzung dabei.
Auch SFV-Chef Peter Knäbel war bei der Uefa-Sitzung dabei. freshfocus

Für den SFV sei klar, dass die Weltmeisterschaft nicht wie ein Anlageprodukt behandelt werden dürfe. «Die Weiterentwicklung des Fussballs erfordert zweifelsohne finanzielle Mittel. Ebenso wichtig sind allerdings Verantwortung, Transparenz, demokratische Prozesse und Kontrolle.»

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Das plant Infantino

Die Fifa sorgte für eine riesige Welle der Empörung, nachdem die Zukunftspläne ihres Präsidenten veröffentlicht wurden. Infantino plant etwa 20 bis 30 Prozent der kommerziellen Vermarktungsrechte der Fifa, insbesondere der Weltmeisterschaft der Männer an private Investoren zu verkaufen.

Dazu würde eine neue Firma – die «Fifa Forward Enterprise» – gegründet werden als Tochtergesellschaft des Weltverbandes. Dort drin würden sämtliche kommerziellen Rechte an Fifa-Wettbewerben gebündelt werden. Durch den Verkauf der Minderheitsanteile erhofft man sich direkte Erlöse von rund vier bis sieben Milliarden Franken.

Das Geld soll laut Fifa an alle Verbände gehen, die diesem Vorhaben zustimmen. Um die erforderliche Mehrheit der 211 Mitgliedsverbände zu sichern, lockt Infantino die Nationen mit höheren Fördergeldern – konkret bis zu 40 Millionen US-Dollar pro Verband.

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Nino Vinzens (nvi) arbeitet seit 2024 für 20 Minuten. Seine Expertise verteilt sich hauptsächlich auf die Sportarten Fussball, Ski Alpin und Eishockey.

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