20 Minuten vor Ort – Ceuta: Einwohner Rafael will nach Migrationskrise wegziehen

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Livetickeraktualisiert am Mittwoch, 9. September, 2026

Migrationskrise
Geheimdienst warnte vor Massenankunft von Migranten in Ceuta

Tausende Migranten drangen illegal in zwei spanische Exklaven auf dem afrikanischen Kontinent ein. Alle Updates im Ticker.
Bevorzugte Quelle
Die 20-Minuten-Reporter Flurin Pestalozzi und Shirin Camenisch sind vor Ort in Ceuta und berichten am Samstagmorgen über die Lage.20min

Darum gehts

  • Innerhalb weniger Tage haben Tausende Migranten aus Marokko die Grenze in die spanische Exklave Ceuta in Nordafrika überquert.
  • Am Samstag soll der grösste Teil der Migranten das Land freiwillig wieder verlassen haben. Die Lage ist aber nach wie vor angespannt.
  • Unklar ist, wieso gerade jetzt so viele Menschen die Überquerung der Grenze gewagt haben.
  • 20 Minuten berichtet aus Ceuta, alle Updates gibts im Ticker.

Deine Meinung zählt

09.09.2026

Mi 22:09

Geheimdienst warnte vor Massenankunft von Migranten in Ceuta

Der spanische Geheimdienst CNI hat die Behörden in Ceuta einen Tag vor der beispiellosen Massenankunft von Migranten Ende Juli vor einem möglichen «Überfall über Land und Meer» auf die Nordafrika-Exklave gewarnt. Das geht aus geheimen Unterlagen hervor, die von der Regierung von Ministerpräsident Pedro Sánchez in Madrid nun freigegeben wurden.

Demnach informierte der CNI am 29. Juli sowohl die Regierungsvertretung in Ceuta als auch die Polizeieinheit Guardia Civil über Aufrufe in sozialen Netzwerken, am folgenden Tag die Grenze zu überqueren. Nach diesen Warnungen hatten zwei entsprechende Gruppen zusammen rund 180'000 Follower.

In einer weiteren Mitteilung des CNI war von geplanten Versuchen die Rede, schwimmend und über den Grenzzaun nach Ceuta zu gelangen. Der CNI informierte nach den jetzt freigegebenen Unterlagen auch die marokkanischen Behörden.
Am 30. und 31. Juli kamen nach Regierungsangaben bis zu 80'000 Migranten von Marokko aus nach Ceuta. Die meisten kehrten anschliessend nach Marokko zurück. Tausende halten sich jedoch weiterhin in der spanischen Exklave auf.

Die Regierung gab rund 40 Dokumente aus der Zeit zwischen dem 1. Juli und dem 1. August frei. Sánchez will damit nach eigenen Angaben belegen, dass die Regierung vor der Massenankunft nicht vor einer solchen Dimension gewarnt worden sei. Eine Stellungnahme zu den neuen Veröffentlichungen gab es zunächst weder von der Regierung noch von der Opposition. (DPA)

17.08.2026

Mo 14:25

Spanien schafft 1500 temporäre Aufnahmeplätze in Ceuta

Die spanische Regierung hat angekündigt, auf der Exklave Ceuta temporäre Unterkünfte für 1500 Personen zu schaffen. Laut Elma Saiz, Ministerin für soziale Sicherheit und Migration, sollen die Unterkünfte an insgesamt vier Standorten «sofort» bereitgestellt werden.

Bislang leben die nach Ceuta geflüchteten Migranten in selbstgebauten provisorischen Unterkünften.
Bislang leben die nach Ceuta geflüchteten Migranten in selbstgebauten provisorischen Unterkünften.Sven Kaeuler/dpa

Die Schaffung der temporären Unterkünfte soll dafür sorgen, dass möglichst schnell wieder Normalität in der winzigen spanischen Exklave in Nordafrika eintritt. Nachdem Ende Juli zeitweise über 77'000 Migranten aus Marokko nach Ceuta geflüchtet waren, sind mittlerweile gemäss der spanischen Regierung mindestens 70'000 von ihnen wieder zurückgekehrt. Tausende Geflüchtete halten sich aber weiterhin in Ceuta auf. (bho)

15.08.2026

Sa 19:40

Trotz Online-Aufrufen: Zunächst kein neuer Ansturm auf Ceuta

Der befürchtete neue Migrantenansturm auf die spanische Nordafrika-Exklave Ceuta ist am Samstag zunächst ausgeblieben. Trotz entsprechender Aufrufe in sozialen Medien blieb die Lage an der Grenze weitgehend ruhig. Spanien und Marokko hatten ihre Sicherheitsvorkehrungen im Vorfeld deutlich verstärkt.

Marokkanische Sicherheitskräfte verhinderten mögliche Grenzübertritte bereits vor Ceuta. Hunderte Migranten wurden nahe der Grenzstadt Fnideq gestoppt. Laut dem marokkanischen Portal «Le360» wurden dort und in der Umgebung 294 Menschen ohne gültige Papiere festgenommen. Zusätzlich wurden Sperren aus Stachel- und Nato-Draht errichtet, Patrouillenboote eingesetzt und Wasserwerfer an der Grenze bereitgestellt.

Hunderte Migranten wurden nahe der Grenzstadt Fnideq gestoppt.
Hunderte Migranten wurden nahe der Grenzstadt Fnideq gestoppt.IMAGO/Anadolu Agency

Auch Spanien verstärkte seine Präsenz. In Ceuta sind inzwischen 880 Nationalpolizisten im Einsatz – 270 mehr als Ende Juli. Unterstützt werden sie von rund 2000 Soldaten und 700 Beamten der Guardia Civil.

Ende Juli waren nach verschiedenen Schätzungen bis zu 80'000 Migranten nach Ceuta gelangt, viele davon schwimmend. Dabei kamen Dutzende Menschen ums Leben. Nach offiziellen Angaben wurden 83 Leichen aus dem Meer geborgen, NGOs gehen von mehr als 100 Todesopfern aus.

Die meisten Migranten kehrten inzwischen nach Marokko zurück. Rund 5000 halten sich laut Spaniens Innenminister Fernando Grande-Marlaska noch in Ceuta auf. Bis zur vollständigen Rückkehr zur Normalität werde es noch dauern. (jst)

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14.08.2026

Fr 19:44

Ceuta möglicherweise nur eine Täuschung

Nach dem grossen Andrang Ende Juli könnte es an der Grenze zur spanischen Exklave erneut unruhig werden. In sozialen Medien kursieren derzeit zahlreiche Aufrufe, am Samstag, 15. August, die Grenze von Marokko nach Ceuta zu überqueren. Aber möglicherweise ist das gar nicht das eigentliche Ziel.

Wie die «Bild» berichtet, halten die spanischen Sicherheitsbehörden einen erneuten grossen Ansturm auf Ceuta  für eher unwahrscheinlich. Stattdessen gebe es Hinweise darauf, dass die rund 400 Kilometer weiter östlich gelegene spanische Exklave Melilla zum Ziel werden könnte. Die Aufrufe für Ceuta könnten eine Täuschung sein, um die Sicherheitskräfte abzulenken. Bestätigt ist es allerdings nicht.

Ende Juli kamen Tausende Marokkaner über die Grenze in die spanische Exklave Ceuta.
Ende Juli kamen Tausende Marokkaner über die Grenze in die spanische Exklave Ceuta.AFP

Spanien hat die Sicherheitsvorkehrungen laut «Bild» deutlich verschärft. Angeblich sollen sich momentan knapp 900 Nationalpolizisten in Ceuta aufhalten. Das sind etwa dreimal so viele wie vor den Ereignissen Ende Juli. Auch Marokko soll die Grenze zusätzlich gesichert haben.

Der Wiener Migrationsforscher Martin Fieder hält ein Ablenkungsmanöver laut «Bild» für «durchaus möglich». Unklar sei aber, wer hinter den Aufrufen steckt. In arabischsprachigen Facebook- und Whatsapp-Gruppen sollen sich Tausende junge Menschen über mögliche Routen und Schwachstellen der Grenzanlagen austauschen. (jst)

07.08.2026

Fr 21:42

Streit nach Ceuta-Krise: Spanien führt Grenzkontrollen für Italien ein

Spanien führt als Reaktion auf italienische Grenzkontrollen nun seinerseits Kontrollen für Flüge und Schiffe aus Italien ein. Die Grenzkontrollen sollen um Mitternacht in der Nacht zum Samstag beginnen und bis zum 7. September laufen, teilte das spanische Innenministerium am Freitag mit. Italien hatte nach der Migrationskrise in der spanischen Exklave Ceuta Grenzkontrollen für Spanien eingeführt und damit einen Streit mit Madrid ausgelöst.

Die spanische Regierung hatte am Freitag bereits mit Gegenmassnahmen gedroht, sollte Italien seine Grenzkontrollen nicht wieder aufheben. Aus ihrer Sicht sind die italienischen Grenzkontrollen «unfair, laufen den Interessen der EU zuwider und diskriminieren die spanische Bevölkerung». Spanien und Italien haben keine Landgrenze.

Das Büro der italienischen Regierungschefin Giorgia Meloni wies die Forderung aus Madrid umgehend zurück. Die Kontrollen würden erst wieder aufgehoben, «wenn sicher ist, dass es keine Sicherheits- oder Terrorismusrisiken für Italien gibt, es keine neue Welle gibt und keine irregulär eingereisten Migranten auf europäischen Boden kommen».

Zahlen der spanischen Regierung zufolge hatten in der vergangenen Woche rund 72.000 Menschen die neben Marokko gelegene spanische Exklave Ceuta teils schwimmend erreicht, 80 Menschen kamen demnach ums Leben. Die marokkanischen Behörden sprachen von elf Toten auf ihrem Gebiet, Menschenrechtsgruppen gehen von insgesamt mehr als 140 Toten aus.

Wohl knapp 2000 Migranten befinden sich noch in Ceuta, die meisten von ihnen sind Kinder und Jugendliche. Sie haben dort kaum Zugang zu Wasser, Lebensmitteln oder sicheren Schlafplätzen. (AFP)

04.08.2026

Di 16:29

Berichte: 17 tote Migranten vor Mallorca

Bis zu 17 Migranten sind nach Angaben von zwei Überlebenden Medienberichten zufolge bei dem Versuch ums Leben gekommen, mit einem Boot die Balearen zu erreichen. Die beiden Männer aus dem Maghreb seien gegen drei Uhr morgens knapp 25 Kilometer südwestlich von Mallorca aus dem Meer gerettet worden. Ihnen nach, waren insgesamt 19 Menschen an Bord des Bootes, wie der staatliche TV-Sender RTVE, die Regionalzeitung «Diario de Mallorca» und weitere Medien berichteten. Die Vertretung des spanischen Innenministeriums bestätigte die Berichte auf Anfrage.

Clara Margais/dpa

Die Überlebenden seien mit Anzeichen von Dehydrierung und Unterernährung ins Krankenhaus auf Mallorca gebracht worden. Demnach trieb das kleine Wasserfahrzeug 15 Tage lang manövrierunfähig auf dem Meer. Die übrigen 17 Insassen seien während der Überfahrt gestorben, wie die beiden Männer zitiert wurden. Eine unabhängige Bestätigung für diese Angaben gab es zunächst nicht. (DPA)

03.08.2026

Mo 19:40

Marokkos Premier beendet Mallorca-Ferien wegen Ceuta-Krise

Angesichts der anhaltenden Migrationskrise in Ceuta hat Marokkos Premierminister Aziz Akhannouch seinen Ferienaufenthalt auf Mallorca vorzeitig beendet. Auf Anordnung von König Mohammed VI. kehrte er nach Marokko zurück.

Wie die spanische Zeitung «El Confidencial» und die marokkanische Zeitung «Nichan» berichten, hatte Akhannouch nur wenige Tage mit Familie und Freunden auf der spanischen Mittelmeerinsel verbracht. Sein Aufenthalt soll weniger als 48 Stunden gedauert haben.

AFP

Das Privatflugzeug des Regierungschefs landete demnach am Sonntag auf dem internationalen Flughafen Mohammed V in Casablanca. Die Krise in Ceuta hat sowohl international als auch innerhalb Marokkos für erhebliche Spannungen gesorgt. Akhannouch war während seiner Abwesenheit im In- und Ausland dafür kritisiert worden, das Land in einer politisch heiklen Phase verlassen zu haben. (kle)

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03.08.2026

Mo 18:41

Zahl der verbleibenden Migranten weiter unklar

Unterschiedliche Angaben gibt es auch zur Zahl der vor allem vor der Küste der Exklave an der Strasse von Gibraltar ums Leben gekommenen Migranten. Während Madrid weiterhin von 72 Todesopfern spricht, erklären Vertreter der konservativen Regionalregierung, es gebe mindestens 88 Leichen.

Laut der Lokalregierung halten sich weiterhin etwa 3000 bis 5000 Menschen in Ceuta auf.
Laut der Lokalregierung halten sich weiterhin etwa 3000 bis 5000 Menschen in Ceuta auf.AFP

Nach übereinstimmenden Behördenangaben ist der grösste Teil der Migranten bereits nach Marokko zurückgekehrt. Nach Schätzung der Regionalregierung halten sich jedoch noch 3'000 bis 5'000 Menschen in Ceuta auf. Die Lage habe sich zwar beruhigt, von Normalität könne aber keine Rede sein, sagte Vivas. Die Zentralregierung beziffert derweil die Zahl der verbliebenen Migranten auf rund 2.500 und teilt mit, die Rückführungsaktionen seien noch nicht zu Ende. (DPA)

03.08.2026

Mo 18:39

Madrid bestreitet Warnung des Geheimdienstes vor Ceuta-Krise

Nach dem Ansturm Zehntausender Migranten auf die spanische Nordafrika-Exklave Ceuta hat die Regierung in Madrid Vorwürfe zurückgewiesen, sie habe Warnungen des Geheimdienstes CNI vor einer Massenankunft ignoriert. Man habe keine Geheimdienstberichte erhalten, die vor einer Migrationskrise dieses Ausmasses gewarnt hätten, hiess es. Gleichzeitig dauern in Ceuta die Unterbringung und Rückführung verbliebener Migranten sowie die Suche nach weiteren Todesopfern an. Nach Angaben des Innenministeriums in Madrid wurden bislang 72 Leichen geborgen.

Der Sprecher der oppositionellen konservativen Volkspartei (PP), Miguel Tellado, sagte, es sei kaum vorstellbar, dass der CNI von der bevorstehenden «Menschenwelle» nichts gewusst habe. Auch der Radiosender Cadena Ser berichtete von «mehrfachen Warnungen». Regierungssprecherin Elma Saiz entgegnete: «Mit einem derart beispiellosen Ereignis hatte niemand gerechnet.»

03.08.2026

Mo 15:17

Von der Leyen fordert nach Ceuta-Ansturm härteres Vorgehen

Nach dem Massenandrang von mehr als 60'000 Migranten auf die spanische Exklave Ceuta fordert EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen Konsequenzen. «Dieser Vorfall zeigt deutlich, dass wir noch mehr tun müssen, um unsere Grenzen an den besonders schwachen Stellen zu stärken», schreibt sie in einem Brief an Spaniens Ministerpräsidenten Pedro Sánchez.

Als mögliche Massnahmen nennt von der Leyen eine «verstärkte Überwachung und, falls nötig, den Einsatz physischer Barrieren». Gleichzeitig betont sie, der Schutz der EU-Aussengrenzen sei «eine gemeinsame europäische Verantwortung».

EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen fordert Konsequenzen nach dem Massenandrang in der spanischen Exklave Ceuta.
EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen fordert Konsequenzen nach dem Massenandrang in der spanischen Exklave Ceuta.AFP

In der vergangenen Woche waren Zehntausende Migranten von Marokko aus nach Ceuta gelangt, viele von ihnen schwimmend. Der Vorfall löste eine heftige Debatte über die europäische Migrationspolitik aus. Mehrere EU-Staaten forderten sogar den Ausschluss Spaniens aus dem Schengen-Raum.

Die EU-Innenminister beraten am Dienstag in einer Dringlichkeitssitzung über die Ereignisse. Laut von der Leyen soll das Treffen dazu dienen, «Lehren aus den Ereignissen in Ceuta zu ziehen» und an einer «gemeinsamen europäischen Antwort» auf die Herausforderungen zu arbeiten. (AFP/jst)

03.08.2026

Mo 13:46

Ceuta-Behörden: Weiterhin tausende Flüchtlinge in Exklave

Während laut Angaben der spanischen Regierung fast alle der insgesamt etwa 50'000 Flüchtlinge nach Marokko zurückgekehrt sind, die in den letzten Tagen illegal in die spanische Exklave Ceuta eingedrungen waren, widersprechen die lokalen Behörden: «Tausende» Migranten halten sich laut Ceutas Regionalpräsident Juan Jesús Vivas in der rund 18,5 Quadratkilometer grossen Exklave in Nordafrika auf.

Gegenüber dem Sender RTVE und der Nachrichtenagentur Reuters bestätigt auch ein Mitarbeiter des städtischen Aufnahmezentrums, dass sich weiterhin Tausende der Rückkehr widersetzen würden. Beim Grossteil handle es sich um Menschen aus West- und Ostafrika, von denen laut der «Bild»-Zeitung die meisten Länder auf dem europäischen Festland zum Ziel hätten.

Die Angaben, wie viele der Flüchtlinge noch in Ceuta sind, gehen auseinander.
Die Angaben, wie viele der Flüchtlinge noch in Ceuta sind, gehen auseinander.IMAGO/Europa Press

Derweil ist die Zahl der Todesopfer auf mittlerweile 88 gestiegen, darunter viele Kinder. Laut «El País» treiben im Meer vor Ceuta auch weiterhin Leichen im Wasser, während die örtliche Leichenhalle bereits komplett ausgelastet sei. (bho)

03.08.2026

Mo 11:03

Marokko soll Migrantenansturm nicht geplant, aber zugelassen haben

Der spanische Geheimdienst kommt zum Schluss, dass Marokko die Masseneinreise von rund 50'000 Migrantinnen und Migranten nach Ceuta zwar nicht geplant, aber zugelassen habe. Das berichtet die spanische Zeitung «El País». Am vergangenen Donnerstag hatten Zehntausende Menschen die Grenzkontrollen umgangen und waren aus Marokko in die spanischen Exklaven Ceuta und Melilla gelangt.

Laut Bericht wusste Marokko von Gerüchten, die zuvor in sozialen Medien kursierten. Auslöser soll demnach ein Urteil des spanischen Obersten Gerichtshof sein. Dieses bestätigte, dass Menschen, die schwimmend ins spanische Gebiet gelangen, nicht einfach zurückgeschickt werden können, sondern registriert werden müssen.

Am Donnertag kamen rund 50'000 Migrantinnen und Migranten aus Marokko in die spanische Exklave Ceuta.
Am Donnertag kamen rund 50'000 Migrantinnen und Migranten aus Marokko in die spanische Exklave Ceuta.AFP

Die marokkanischen Geheimdienste hätten Spanien jedoch nicht vor der sich abzeichnenden Migrationsbewegung gewarnt. Gleichzeitig sei die Grenzsicherung am Donnerstag wegen der Thronfeierlichkeiten in Marokko auf ein Minimum reduziert worden. Dadurch konnten Tausende Menschen die Sicherheitsvorkehrungen umgehen.

In einer am Sonntagabend veröffentlichten Erklärung führte Marokko die Ereignisse auf eine Reihe sich überschneidender Faktoren zurück: «Die einseitige Nutzung des digitalen Raums, die Verbreitung irreführender Informationen, die Rolle von Menschenhändlerringen und Fehlinterpretationen rechtlicher und administrativer Daten, die die Illusion eines einfachen und uneingeschränkten Zugangs zur Europäischen Union förderten.» (jst)

03.08.2026

Mo 00:37

Ceuta-Krise: Marokko spricht in erster offizieller Reaktion von elf Toten

Das marokkanische Innenministerium hat nach der Migrationskrise in der spanischen Enklave Ceuta in einer ersten offiziellen Reaktion von elf Toten gesprochen. Zehn Menschen seien durch Ertrinken gestorben, während ein elfter von Felsen zwischen der marokkanischen Grenzstadt Fnideq und Ceuta gestürzt sei, erklärte das Ministerium am Sonntag in Rabat zu den Geschehnissen der vergangenen Tage.

Die Migrationskrise war dem Innenministerium zufolge auf eine «böswillige Ausnutzung» von Onlinenetzwerken, die «Verbreitung irreführender Informationen» und «fehlerhafte Auslegungen gesetzlicher Bestimmungen» zurückzuführen. Demnach gab es 40'000 «Versuche» eines irregulären Grenzübertritts nach Ceuta. Zudem hätten 1135 Menschen versucht, die andere spanische Enklave Melilla zu erreichen, die 400 Kilometer weiter östlich liegt. Untersuchungen der Vorfälle seien bereits eingeleitet worden.

Nach spanischen Angaben starben in den vergangenen Tagen 72 Menschen beim Versuch, Ceuta zu erreichen. Demnach gelangten mehr als 60'000 Migranten in die Exklave. Nach spanischen Angaben wurden fast alle wieder nach Marokko zurückgeschickt. Der spanische Ministerpräsident Pedro Sánchez nannte Gerüchte über angeblich geöffnete Grenzen, die die «Schleusermafia» verbreitet habe, als möglichen Grund für die Ankunft der Zehntausenden Menschen.

Die marokkanische Menschenrechtsorganisation AMDH spricht von «fast 130 Opfern» und Dutzenden Vermissten im Zuge der Geschehnisse in der an Marokko grenzenden spanischen Exklave. Die Aktivisten forderten eine unabhängige Untersuchung. Die EU-Innenminister werden sich am Dienstag in einer Dringlichkeitssitzung mit den «Entwicklungen in Ceuta» befassen, wie die irische EU-Ratspräsidentschaft ankündigte. (AFP)

02.08.2026

So 12:07

Zahl der Toten steigt auf 72

Nach dem Ansturm Zehntausender Migranten auf die spanische Nordafrika-Exklave Ceuta haben Einsatzkräfte weitere Leichen geborgen. Die Zahl der Toten stieg damit auf 72, teilte der Vertreter des spanischen Innenministeriums in Ceuta, Miguel Ángel Pérez Triano, vor Journalisten mit. Zuvor waren 67 Tote offiziell bestätigt worden. Einsatzkräfte suchen weiter das Meer ab.

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02.08.2026

So 11:18

Rafael: «Überlege mir, aufs Festland zu ziehen»

Heute Morgen ist es am Hafen von Ceuta sehr ruhig. Nur wenige Menschen kommen von oder warten auf die Fähre vom spanischen Festland. Trotz der erhöhten Militärpräsenz in der Exklave sind kaum Sicherheitsbeamte zu sehen. Bei der Sicherheitskontrolle am Hafen gibt es weder zusätzliche Massnahmen noch mehr Personal.
Rafael überlege sich nun, von Ceuta weg aufs spanische Festland zu ziehen.
Rafael überlege sich nun, von Ceuta weg aufs spanische Festland zu ziehen.20min
Am Hafen treffen wir Rafael. Er wohnt hier in Ceuta. Die vergangenen Tage seien für ihn sehr schwer gewesen. Er habe das Haus nicht verlassen: «In Ceuta leben ca. 80’000 Menschen. Es ist nicht möglich, dass über Nacht plötzlich 50’000 Menschen dazukommen. Das war eine Invasion.»
Warum er so früh am Sonntagmorgen am Hafen sei? «Ich habe gerade meine Tochter verabschiedet. Sie arbeitet drüben in Spanien.» Mit der Fähre erreicht man das spanische Festland in etwa einer Stunde. «Ich habe noch drei Jahre bis zur Pensionierung. Im Moment überlege ich mir, danach nach Spanien zu ziehen», sagt Rafael.

02.08.2026

So 09:00

«Es scheint nicht so, als wären ‹fast alle› wieder weg»

In den vergangenen Tagen seien bis zu 60’000 Menschen aus Marokko in die spanische Exklave geschwommen. Fast alle Migrantinnen und Migranten hätten Ceuta nun aber wieder verlassen – das teilte das spanische Innenministerium bereits am Freitagabend mit. Der SRF-Korrespondent bezweifelt jedoch, dass die öffentlich genannten Zahlen stimmen. Demnach würden sich aktuell nur noch rund 2500 Migrantinnen und Migranten in Ceuta aufhalten.

Die beiden 20-Minuten-Reporter bestätigen am Sonntagmorgen, dass sich die Lage in Ceuta entspannt habe. Doch auch sie sagen: «Wir haben vor Ort den Eindruck, dass sich noch mehr als 2500 Migranten hier aufhalten müssen.» Gestern besuchten sie ein Aufnahmezentrum, vor dem rund 1000 Menschen gewartet hatten. «Auch auf dem Weg dorthin sahen wir am Strand Gruppen mit Hunderten von Menschen – und das sind nur jene Teile von Ceuta, die wir selbst gesehen haben. Gestern Abend waren wir zudem noch am Grenzübergang. Dort kehrten zwar kontinuierlich Menschen nach Marokko zurück, aber es scheint nicht so, als wären ‹fast alle› wieder weg.»

02.08.2026

So 08:13

«Besorgnis und Empörung»: König Felipe äussert sich zu Ceuta

König Felipe VI von Spanien meldete sich mit einer Erklärung zur Krise in Ceuta zu Wort. Dabei hat der König seine «grosse Besorgnis und Empörung» über die «schweren» Ereignisse in Ceuta und Melilla zum Ausdruck gebracht und darauf hingewiesen, dass der Staat die Sicherheit der autonomen Städte gewährleisten und ein erneutes Auftreten solcher Ereignisse verhindern müsse.

Das Staatsoberhaupt stand in den vergangenen Tagen in Kontakt mit Premierminister Pedro Sánchez , dem Oppositionsführer Alberto Núñez Feijóo (PP) und den Präsidenten der beiden autonomen Städte – die Exklaven in Marokko. Felipe betonte, es sei wichtig «der Bevölkerung von Ceuta und Melilla die Unterstützung und Zuneigung des übrigen Spaniens auf einheitliche, klare und entschiedene Weise vermitteln».

01.08.2026

Sa 20:00

Lage hat sich etwas entspannt

Das Chaos in Ceuta hat sich im Laufe des Tages etwas gelegt, vorbei ist es aber noch nicht. 20 Minuten hat mit Anwohnern gesprochen, die sich nach Tagen erstmals wieder zum Einkaufen trauten, und mit Migranten, die von ihrer gefährlichen Flucht und der Hoffnung auf ein besseres Leben erzählten. Vor dem Aufnahmezentrum warten weiterhin Hunderte Menschen, während Soldaten und Polizeipatrouillen Präsenz markieren. In den Supermärkten werden Brot und Wasser knapp, an der Grenze treiben noch immer Rucksäcke und Schuhe im Meer. 20 Minuten haltet euch auf dem Laufenden, falls sich die Lage erneut zuspitzt.

01.08.2026

Sa 18:56

Überbleibsel im Wasser

Nicht nur Mohamed hat seine Schuhe beim Grenzübertritt übers Wasser am Donnerstag verloren. Es gibt viele Überbleibsel an der Grenze zwischen Ceuta und Marokko: Einzelne Schlarpen und Rucksäcke treiben im Wasser. Im Hintergrund ist eine rote Linie zu erkennen: Die neue Seeblockade. Sie wird von Grenzpolizisten im Boot patroulliert

01.08.2026

Sa 17:15

«Es war ein Albtraum»

«Die letzten Tage sind wir kaum rausgegangen. Es war ein Albtraum. Ich bin mir wie in einem Film vorgekommen», erzälht Manuel, ein Anwohner aus Ceuta. Am Schlimmsten war es für unsere Kinder, sie konnten sich nicht draussen bewegen. Sonst gehen wir gerne an den Strand, aber das war die letzten Tage einfach nicht möglich.
Manuel getraute sich in den letzten Tagen kaum aus dem Haus.
Manuel getraute sich in den letzten Tagen kaum aus dem Haus.20 Minuten
Er sieht es auch kritisch, dass viele junge Männer über die Grenze gekommen sind. Er macht sich auch Sorgen dass sie eher gewaltbereit seien. Manuel ist auf jeden Fall froh, dass sich die Lage etwas entspannt hat und geht nun weiter Richtung Lidl: «Endlich können wir wieder einkaufen gehen».

01.08.2026

Sa 16:53

Hamsterkäufe und Militär vor Supermärkten

Alle Supermärkte in Ceuta sind schwer bewacht. Sie werden jeweils von mindestens einem Militärfahrzeug bewacht. Darüber ist Fatna froh: «Es ist eine sehr schwierige Situation im Moment. Das gibt mir Sicherheit.»

Sie komme sehr gerne nach Ceuta, seit sie 4 Jahre alt sei. Wohnhaft ist sie auf der marokkanischen Seite der Grenze. Am Donnerstag hat sie die Migrationswelle direkt miterlebt. «Ich hatte extrem Angst und musste irgendwie aus Ceuta raus, um nach Hause zu kommen. Nur dort habe ich meine Medikamente, die ich dringend benötige, also bin ich die drei Kilometer nach Hause gerannt.» Heute konnte sie das erste Mal wieder einkaufen gehen. «Die Geschäfte waren alle geschlossen. Schon gestern habe ich nichts gegessen, jetzt bin ich sehr froh kann ich wieder einkaufen.»

Fatna wohnt auf der marokkanischen Seite der Grenze, ist aber gerne in Ceuta. Den Ansturm hat sie hautnah miterlebt.
Fatna wohnt auf der marokkanischen Seite der Grenze, ist aber gerne in Ceuta. Den Ansturm hat sie hautnah miterlebt.20min

Es kommt auch zu Hamsterkäufen, wie die 20-Minuten-Reporter vor Ort berichten. «Die Bewohner von Ceuta decken sich mit Lebensmittel ein. Es gibt einen Run auf Brot und Wasser. Die Leute stehen an, da das Brotregal komplett leer ist. Auch im Geschäft drin steht die Security Wache, um die Abläufe zu regeln.»

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01.08.2026

Sa 16:13

Nur ein Restaurant ist offen

Viele Shops und Restaurants haben wegen der aussergewöhnlichen Lage in Ceuta seit Donnerstag geschlossen. Nicht davon betroffen war das Restaurant El Fondeo: «Wir haben die Migranten am Donnerstag auf der Strasse vorbeilaufen gesehen», sagt der Betreiber des Restaurants. Weil es mit einer Mauer abgetrennt ist, konnten sie den Betrieb durchgehend offen halten. Anders sieht es bei den Supermärkten.

01.08.2026

Sa 14:40

Murat (36): «Wir haben schon genug gelitten»

Auch der 36-jährige Murat ist einer derer, die derzeit in Ceuta ausharren. Um die spanische Exklave zu erreichen, sei er 11 Kilometer durch das Meer geschwommen, erzählt er. Seine Motivation ist persönlicher Natur: Er habe bereits 16 Jahre in Spanien gelebt und wolle nun dorthin zurückkehren, da seine Kinder und seine restliche Familie dort leben.

Der 36-jährige Murat schildert seine Flucht und die Zustände in Cueta.20min

Die Realität vor Ort beschreibt er jedoch als dramatisch. Die anfängliche Willkommenskultur sei umgeschlagen, und die Menschen würden extrem schlecht behandelt. Murat berichtet von Migranten, die seit bis zu sechs Tagen nichts zu essen bekommen hätten. Zudem wirft er den Sicherheitskräften massive Gewalt vor: «Die Leute sterben an den Schlägen», so der 36-Jährige.

Erst kürzlich sei einem Kollegen von ihm das Auge blutig geschlagen worden. Dass diese Zustände kaum nach aussen dringen, sei Absicht. «Sie lassen nicht zu, dass die Wahrheit ans Licht kommt», beklagt Murat. Werde man dabei erwischt, wie man mit Journalisten spreche, drohe die sofortige Abschiebung.

«Wir suchen nach einer guten Zukunft. Wir haben genug gelitten»

Er empfindet das Vorgehen insbesondere gegen Marokkaner als rassistisch. Spanien wolle das Problem einfach auf Marokko abwälzen, obwohl in Ceuta Menschen unterschiedlichster Herkunft gestrandet seien. Dabei betont Murat die friedlichen Absichten der Ankommenden. Niemand sei hier, um zu streiten oder Dinge zu zerstören.

«Wir suchen nach einer guten Zukunft, nach einem guten Leben», appelliert er. Unter den Menschen in Ceuta stecke viel Potenzial – aus ihnen könnten «Elektriker, Fussballer oder andere Sportler» werden. Anstelle von Schlägen brauche es lediglich eine menschliche Behandlung und Gespräche, denn, so Murat: «Wir haben schon genug gelitten.»

01.08.2026

Sa 14:31

Chaos beim CETI

Auch wenn viele Menschen inzwischen nach Marokko zurückgekehrt sind, harren immer noch Hunderte in Ceuta aus. Schon bei der Anfahrt der 20-Minuten-Reporter zum CETI, dem Zentrum für den vorübergehenden Aufenthalt von Migrantinnen und Migranten, wird deutlich, wie prekär die Lage ist. Hunderte Migranten warten vor dem Eingang. Das Sicherheitspersonal versucht, mit lautstarken Anweisungen für Ordnung zu sorgen.

Unter den Wartenden sind zahlreiche Verletzte. Ein junger Mann hat sein Bein nur notdürftig verbunden. «Wir warten hier schon seit mehreren Tagen. Am Donnerstag sind so viele Menschen gekommen, dass sie völlig überfordert sind. Seit meiner Ankunft habe ich zudem kaum etwas gegessen», sagt er zu 20 Minuten.

Fünf Minuten später wird eine bewusstlose Person herbeigetragen. Sofort bildet sich eine Menschentraube. «Er braucht Hilfe!», rufen Umstehende. Einer von ihnen sagt zu den Reportern von 20 Minuten: «Das kommt vom niedrigen Blutzucker. Oben im Wald gibt es viele Menschen wie ihn. Die Situation ist für uns unglaublich schlimm. Wo ist die Humanität geblieben?»

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