Heli bringt HilfeWassernot auf Alp: «Die durstigen Tiere zu sehen, ist furchtbar»
Wegen der anhaltenden Trockenheit gehen mehreren Alpen im Kanton Freiburg die Wasserreserven aus. 20 Minuten war bei einem Einsatz auf der Alp Combi mit dabei.
Darum gehts
- Ohne Helikopter-Wasserflüge müssten Hirten wie Hans Kohler ihre Alpen innert weniger Tage verlassen.
- Anhaltende Trockenheit lässt auf 20 Freiburger Alpen die Wasserreserven für das Vieh zur Neige gehen.
- Ins Tal abzusteigen ist keine Option: Im Unterland fehlt es an Futter und Heu für die Tiere.
Schweizer Alpbetrieben geht in der anhaltenden Hitzewelle das Wasser aus: Seit Ende Juli fliegt die Swiss Helicopter AG im Kanton Freiburg Wasser auf jene Alpen, auf denen die Reserven für das Vieh zur Neige gehen. Seit Mittwoch setzt die Armee zusätzlich Super-Pumas zur Unterstützung ein.
Aktuell werden oberhalb von Schwarzsee acht Alpbetriebe mit insgesamt 170'000 Litern Wasser beliefert. Einer davon ist der Betrieb des Hirten Hans Kohler.

«So streng wie diesen Sommer hatten wirs hier noch nie», sagt Hans Kohler, Hirte auf der Alp Combi, im Interview mit 20 Minuten. «Den ganzen Sommer lang mussten wir darauf achten, nicht zu viel Wasser zu brauchen. Jeder Liter zählt.» Weil es auf der Alp kaum Bäche gibt, sei die Situation oberhalb des Schwarzsees besonders prekär.
«Gäbe es diese Helikopterflüge für den Wassertransport nicht, müsste ich in drei Tagen die Alp verlassen. Die Tiere fangen an zu spinnen, wenn sie nicht genug Wasser haben. Es ist furchtbar, mitanzusehen, wenn sie durstig sind», so Kohler.
«Unten haben wir nichts mehr.»
Die Alp zu verlassen und mit dem Vieh zurück ins Tal zu gehen, ist für ihn und die anderen Hirten keine Option, denn: «Unten haben wir nichts mehr. Es hat zu wenig Futter, zu wenig Heu für alle Tiere. Da bleiben wir lieber hier oben, wo das Gras noch grün ist.» Die Helikopterflüge seien seine letzte Hoffnung.
Hat die Alpwirtschaft noch Zukunft?
«Das Problem ist, dass wir auf der Alp zwar noch Futter, aber zu wenig Wasser haben», sagt Sabine Müller, stellvertretende Direktorin von Grangeneuve und Leiterin der Sektion Landwirtschaft. Im Unterland fehle es hingegen oftmals an Futter. Mit den Wasserflügen per Helikopter würden somit auch die Betriebe im Unterland unterstützt. Helikopterflüge seien die einzige Option.
Müller hofft, dass auch künftig Alpwirtschaft betrieben wird. «Das ist eine extrem starke Tradition, die wir hier in Freiburg haben. Das fördert auch den Zusammenhalt der Leute. Dieser Punkt darf nicht unterschätzt werden.» Als weiteren Punkt nennt sie die Landschaftspflege. Durch die Alpwirtschaft könne das Risiko von Waldbränden minimiert werden. «Es ist wichtig, dass wir die Tiere auf den Alpen halten können.» Die Sömmerung ergebe durchaus noch Sinn.

Der Ablauf
Das Wasser wird im Tal in grosse Behälter abgefüllt und anschliessend per Helikopter auf die Alpen geflogen. Je nach Bedarf kommen die kleineren, wendigeren Maschinen von Swiss Helicopter oder die grösseren Super-Pumas der Armee zum Einsatz. Ein Flug dauert zwischen vier und sechs Minuten. Bei Swiss Helicopter kostet eine Flugminute zwischen 40 und 45 Franken. «Wir versuchen stets, die kürzeste Route zu wählen, um die Kosten möglichst tief zu halten», sagt Basisleiter Stéphane Thomann.
Die transportierte Wassermenge dürfte knapp eine Woche reichen. Aus wirtschaftlichen Gründen haben allerdings nicht alle Alpbetriebe ihre Zisternen vollständig füllen lassen. Man hofft nun auf ergiebige Niederschläge. Sollte der Regen ausbleiben, sind weitere Helikoptertransporte bereits in der kommenden Woche nicht ausgeschlossen. Wie viel die gesamte Aktion kostet, ist derzeit noch unklar. Der Kanton Freiburg beteiligt sich mit Subventionen in der Höhe von 20'000 Franken.
Lastenseil verändert Fliegen komplett
Loïc Gachet ist Flugassistent bei Swiss Helicopter. Er erklärt, der Transport sei nicht allzu kompliziert, da die Flugbedingungen momentan gut seien. «Die ganze Sache erfordert im Voraus natürlich eine gute Organisation.» Da viel Flugzeit benötigt wird, müsse man sich um das Kerosin kümmern und die Leute organisieren, wo sie gebraucht werden.
Sobald ein Lastenseil am Helikopter hängt, verändert das die Art zu fliegen komplett. Damit die Ladung an der richtigen Stelle landet, schaut der Pilot selbst durch eine gewölbte Tür und hat eine sehr gute Sicht darauf, was unten passiert. «Wir sind nur da, um ihm zu helfen, etwa um ihm die Hindernisse und Höhen anzuzeigen.» Er geniesse die Alptransporte, sagt Gachet: «Die Umgebung ist sehr schön, wir fühlen uns immer nützlich, wenn wir solche Transporte in den Bergen machen.»

Zoé Stoller (sto) arbeitet seit 2021 bei 20 Minuten und ist stellvertretende Leiterin des Ressorts Regionen.
