ZollstreitTrump droht: «Schweiz wäre mit einem Strich nicht mehr Elite»
US-Präsident Donald Trump will das Handelsdefizit von 39 Milliarden Dollar auslöschen. Die Schweiz verliere damit ihren Status als Eliteland, so seine Drohung.
Darum gehts
- US-Präsident Donald Trump droht der Schweiz erneut mit Konsequenzen im Zollstreit.
- In einem Interview mit «Punchbowl News» sagte er, er könne das Handelsdefizit von 39 Milliarden US-Dollar «mit einem Strich auslöschen».
- Trump drohte, keine Schweizer Uhren oder Güter mehr zu kaufen – dann sei die Schweiz «kein Eliteland mehr».
US-Präsident Donald Trump legt im Zollstreit mit der Schweiz nach. In einem Interview mit dem US-Magazin «Punchbowl News» sagte er, gegenüber «Elite-Ländern» wie der Schweiz hätten die USA ein Handelsdefizit von 39 Milliarden US-Dollar. Trotzdem zahlten sie nur 1 Prozent Zinsen. Dann drohte Trump: «Ich kann dieses Defizit mit einem Strich auslöschen, und sie sind kein Elite-Land mehr.»
In dem knapp dreiviertelstündigen Interview spricht Trump unter anderem über die bevorstehenden Kongresswahlen im Herbst. Als ihn der Interviewer fragt, ob der neue Notenbank-Chef Kevin Warsh vor der Wahl eine Zinserhöhung vermeiden sollte, sagt er, die Entscheidung liege beim Notenbank-Chef, die USA sollten aber die niedrigsten Zinsen der Welt haben.
«Wir subventionieren die Schweiz»
Dann sprach er darüber, dass Länder wie die Schweiz einen Leitzins hätten, der nur bei einem halben Prozent liege (in Wahrheit sind es sogar null Prozent). Das sei nur möglich, weil die USA die Schweiz subventioniere, indem die USA zuliessen, dass es ein Handelsdefizit mit der Schweiz habe.
Dabei hätte die Schweiz ohne die USA nur Probleme. «Alles, was ich tun muss, ist zu sagen: Ich will eure Uhren nicht mehr. Keines eurer Güter. Und so sparen wir 39 Milliarden. Und sie sind nicht mehr Elite.»
Hat Bundespräsident Guy Parmelin mit seinem Dächlikäppli mit Trump-Optik den US-Präsidenten zu stark provoziert, dass er in dem Interview ausschliesslich die Schweiz als «Elite-Land» erwähnt? Trump sprach nicht darüber, sondern sagte, die Schweiz und andere sogenannte Elite-Länder hätten Glück, dass er so ein netter Mensch sei.
«Sind nur Elite, weil wir es ihnen erlauben»
Trump kritisierte schon früher immer wieder, dass die Schweiz seiner Ansicht nach mehr in die USA exportiert, als sie importiert. Im April sagte er in einem Interview, das Problem habe vor 15 oder 20 Jahren begonnen. Seit damals hätten die Schweiz und andere Länder niedrigere Steuersätze. Er habe ein Problem mit diesen «Elite-Ländern». «Die sind nur Elite, weil wir ihnen erlauben, jedes Jahr 30 oder 40 Milliarden Dollar abzuziehen», so Trump.
Was die Handelsbilanz verzerrt
Weiter sagte er damals, die Schweiz halte sich für klein und brillant. «Nun, sie sind brillant, weil sie uns fast nichts zahlen. Jetzt zahlen sie ein bisschen. Aber sie sollten viel mehr zahlen.» Dann droht er: «Wir werden das ein wenig erhöhen.»
Zuletzt verhängten die USA Zölle in Höhe von 12,5 Prozent auf Schweizer Importe wegen angeblicher Zwangsarbeit. Allerdings könnten weitere Zölle wegen des Handelsdefizits folgen.
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Fabian Pöschl (fpo) arbeitet seit 2020 für 20 Minuten. Er ist Verantwortlicher Wirtschaftsnews im Ressort Wirtschaft
