Donat Hofer«Wollte ihn nicht vorführen»: Das sagt SRF-Mann zum «Finance Guy»
Innert weniger Tage wurde «Finance Guy» Roman zum Kult-Meme. Donat Hofer, der das Gespräch geführt hat, hat mit dieser Wirkung nicht gerechnet. Abschätzige Kommentare verurteilt er.
Darum gehts
- Ein Gespräch zwischen SRF-Reporter Donat Hofer und «Finance Guy» Roman verbreitet sich in den sozialen Medien rasend schnell.
- Viele sehen in Roman alle Klischees eines Zürcher Bankers vereint.
- Auch Donat Hofer habe schnell gemerkt, dass das Gespräch etwas Besonderes sei.
- Dass das Video aber derart durch die Decke gehe, habe er sich nicht vorstellen können.
Zürich hat in der Schweiz einen Ruf. Schnell, laut, immer ein wenig gestresst – und alles dreht sich ums Geld, sagen manche über die Limmatstadt. Ebenfalls einen Ruf haben Menschen, die im Finanzsektor arbeiten: Airpods im Ohr, Finanzenglisch auf der Zunge, das nächste Meeting im Nacken. Und genau diese beiden Klischees sahen viele in Roman vereint.
Roman liess sich am Mittwochmorgen auf ein kurzes Gespräch mit SRF-Reporter Donat Hofer ein. Was ein Gespräch übers Leben werden sollte, wurde rasch zu einem Gespräch über die Finanzwelt: über die «Strait of Hormuz», «AI», «Exchange Traded Funds» und «everything that makes the market go around». Roman, so sagt er im Video über sich selbst, sei halt «chatty», er rede gern mit Menschen. Das tut auch Donat Hofer. Im Interview erklärt der SRF-Reporter, wie es zum Gespräch kam, ob er mit dem Hype um den «Finance Guy» gerechnet hat und weshalb er die Kommentare unter dem Video schliesslich ausschalten musste.
Wie und wann ist die Aufnahme entstanden, was war die Absicht hinter dem Interview?
Donat Hofer: Die Aufnahme ist an einem Mittwochmorgen bei Dreharbeiten für «Donat auf Achse» entstanden. Für die Sendung reisen wir durch die Schweiz und reden mit den Menschen übers Leben. Die Begegnungen entstehen zufällig. Die Motivation ist bei allen Begegnungen die gleiche: Wir suchen einen Schwatz übers Leben, wir wollen verstehen, was die Leute gerade beschäftigt und umtreibt. An diesem Tag wollten wir den Puls rund um den Paradeplatz fühlen, so kam es zum Gespräch mit Roman.
Hast du sofort gemerkt, dass das Meme-Potenzial hat? Hast du mit diesen Reaktionen gerechnet und damit, dass das so viral geht?
Während oder nach einer Begegnung spüren wir im Team immer wieder, dass diese Momente etwas Besonderes haben. Viele Gespräche berühren uns, andere bleiben aufgrund der besonderen Situation oder des unerwarteten Gesprächsverlaufs in Erinnerung. Das Gespräch mit Roman hat uns sofort gefallen. Dass es eine derart grosse Wirkung entfalten würde, damit haben wir nicht gerechnet.
«Die negativen Kommentare entsprechen nicht dem, was wir mit der Sendung erreichen wollen.»
Wie beurteilst du die Diskussion, die jetzt in den Kommentaren auf Social Media stattfindet?
Ich verstehe, dass das Gespräch amüsant ist, und mich freuts, dass es auf Interesse stösst. Abschätzende Kommentare verstehe ich jedoch nicht. Roman war so mutig und hat sich auf das Gespräch eingelassen, das finde ich grossartig, dem zolle ich Respekt. Die negativen Kommentare tun mir leid, sie entsprechen nicht dem, was wir mit der Sendung bewirken wollen, nämlich Einblicke und Verständnis für unterschiedliche Lebensrealitäten.
Manche haben den Eindruck, du hättest Roman ein wenig vorgeführt. Drücken da eigene Vorurteile durch?
Ich wollte Roman sicherlich nicht vorführen. Ich nahm ihn und das Gespräch ernst. Wie in allen Begegnungen bei «Donat auf Achse» gehört Unvoreingenommenheit zur DNA des Formats. Mir ist wichtig, in ganz unterschiedliche Lebensrealitäten zu blicken. Dabei geht es nie darum, zu werten, sondern darum, den Horizont zu erweitern. Es interessiert mich, herauszufinden, wie andere Menschen auf die Welt blicken.
Die Finanzwelt ist mir im Übrigen nicht fremd: Ich habe Betriebswirtschaft mit Schwerpunkt Banking & Finance studiert und später als Bankenrevisor gearbeitet. Gerade deshalb ging es mir nicht darum, Stereotype zu bestätigen oder zu bedienen, sondern Roman mit derselben Neugier und Offenheit zu begegnen, mit der wir allen Menschen in «Donat auf Achse» begegnen.
Ich finde es wichtig, dass man über eine Situation oder eine Begegnung auch schmunzeln darf – aber ohne die Person zu bewerten oder lächerlich zu machen. Roman hat sich sehr spontan auf das Gespräch eingelassen, dafür bin ich ihm dankbar.
Würdest du das Video noch einmal gleich veröffentlichen?
Hätte ich gewusst, dass es so viele abwertende Kommentare gibt, hätte ich das Video nicht isoliert gepostet. Das war auch der Grund, wieso ich 24 Stunden nach Veröffentlichung die Kommentarfunktion gesperrt habe. Das Gespräch darf amüsieren, aber nicht auf Kosten einer Person.
Glaubst du, dass das jetzt ein kurzer Hype ist, oder könnte sich das Video als Meme etablieren?
Diese Frage habe ich meinem Kollegen Stefan Büsser gestellt, der kann das besser einordnen. Büssi meint: «Die Video-Aufrufe steigen so schnell wie der Bitcoin zu Beginn, aber ob das ein krisensicheres Meme mit Langzeit-Garantie ist oder der Fame-Crash zu einem persönlichen Black Friday führt, weiss wahrscheinlich nur Warren Buffett. Und den befragst du hoffentlich auf einer nächsten Staffel ‹Donat auf Achse›.»
Was denkst du über den Hype um den «Finance Guy» Roman?
Daniel Graf (dgr) arbeitet seit 2020 für 20 Minuten. Er ist Leiter des Ressorts News und seit September 2023 Mitglied der Redaktionsleitung.
