«Finance Guy» Roman: Firmen nutzen ihn ohne Einverständnis für Werbung

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Ohne Einverständnis«Auch chätsy»: Firmen nutzen «Finance Guy» für Werbung

Das Video von «Sales Guy» Roman verbreitete sich rasend schnell. Jetzt springen Firmen auf und nutzen seine Aussagen für Werbung. Ohne Einverständnis ist das unlauter, kritisiert ein Experte.

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Roman spricht im SRF-Interview über seinen Job in der Finanzbranche – seine Aussagen wie «Markets sind eine evolving Story» oder «Ich verdiene multiple 100» sind auf Social Media ein gefundenes Fressen.Instagram/Donat Hofer

Darum gehts

  • Roman ging mit einem kurzen Gespräch mit einem SRF-Reporter wegen seines Finanzsprache-Slangs viral.
  • Mittlerweile sind Firmen aufgesprungen und machen mit seinen Aussagen und teils seinem Bild Werbung.
  • Das ist laut einem Experten unlauter, der Protagonist könnte die Löschung der Werbung und Geld verlangen.
  • Während ein kleineres Glamping-Unternehmen sich entschuldigt und den Post sofort wieder löscht, verweist die Smile-Versicherung darauf, dass man bewusst auf die Nennung des Namens und weitere Hinweise zur Person verzichtet habe.

Was ist passiert?

«Auch Chätsy. Aber ohne Blabla» oder «Market Huddle im Ohr. AirPods in der Limmat»: Mit solchen Sprüchen wirbt die Versicherung Smile gerade auf Instagram. Ebenfalls auf Instagram wirbt Adventurly mit einem KI-generierten Bild, das Roman in einem Bubble-Hotel zeigt.

Wieso ist das wichtig?

Die Sprüche sowie die Figur, die die Slides der Smile Versicherung prägen, sind eindeutig: Smile macht hier Werbung mit dem «Finance Guy» Roman. Im Fall von Adventurly wurde offenbar mittels KI ein fotorealistisches Bild von Roman in ihrem Hotel erstellt.

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Roman erlangte letzte Woche schweizweite Internetberühmtheit, nachdem er bei einer Strassenumfrage von SRF mitgemacht hatte. Reporter Donat Hofer wollte mit ihm über das Leben sprechen, entstanden ist ein kurzes Video, gespickt mit Finanzenglisch, das innert kürzester Zeit viral ging.

Ist das legal?

Marc Schwenninger ist Rechtsanwalt und Dozent für Marketingrecht an der ZHAW Winterthur. Er verweist auf die Grundsätze der Schweizerischen Lauterkeitskommission. Diese besagen, dass es unlauter ist, in der kommerziellen Kommunikation ohne ausdrückliche Zustimmung identifizierbare Angaben zu einer Person, insbesondere deren Namen, Abbild, Aussage oder Stimme zu verwenden. Zum Abbild zählen auch Zeichnungen, Karikaturen, Gemälde oder Doubles. «Der Fall ist also klar», sagt Schwenninger: «Mit Aussagen oder Abbildungen von Roman Werbung zu machen, ist nur mit seiner ausdrücklichen Zustimmung erlaubt.»

Dabei spiele es keine Rolle, ob es sich um eine bekannte Persönlichkeit handle oder nicht. «In den genannten Beispielen erkennt man eindeutig, um wen es sich handelt, und die Person und deren Aussagen werden werberisch ausgenutzt. Das ist nur mit Zustimmung zulässig.»

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Kann sich der «Sales Guy» dagegen wehren?

Der «Sales Guy» hätte hier laut Schwenninger mit einer Intervention wohl gute Chancen: «Er könnte verlangen, diese Werbungen sofort zu stoppen. Und er könnte Geld fordern, der Betrag würde sich wohl daran orientieren, wie viel er realistischerweise für eine solche Werbekampagne bekommen hätte, wenn das alles sauber abgelaufen wäre.»

Werden für Werbungen Ausschnitte oder Screenshots des Filmmaterials von SRF verwendet, kommt laut Schwenninger noch eine zweite Komponente hinzu: «Neben den Persönlichkeitsrechten von Roman spielen die Bildrechte bei SRF eine Rolle.»

So reagiert die Smile Versicherung

Die Smile Versicherung antwortet nicht direkt auf die Frage, ob der Protagonist oder SRF angefragt worden seien, ihre Antwort lässt aber darauf schliessen, dass das nicht passiert ist: «Sein Auftritt scheint einfach einen Nerv der Social-Media-Gemeinde getroffen zu haben. Wir haben diesen Trend in kurzfristig erstellten Werbe-Sujets aufgegriffen, wie wir das bereits in der Vergangenheit bei anderer Gelegenheit getan haben», heisst es vonseiten der Versicherung.

«Wir haben aber den Protagonisten weder namentlich erwähnt noch sonst auf seine Person hingewiesen, sondern lediglich Inhalte des SRF-Interviews und der vielen Reaktionen darauf aufgegriffen und daraus unterhaltende, sympathische und karikierte Sujets erstellt», so ein Sprecher weiter. «Wichtig ist uns, dass wir immer respektvoll bleiben. Wir wollen schlicht öffentliche Momente aufgreifen. Das geschieht aber mit viel Bedacht. Es soll nie jemand vorgeführt oder negativ dargestellt werden.»

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Adventurly löscht Post und entschuldigt sich

Bei Adventurly spricht Co-Founder Josua von Reding auf Anfrage von 20 Minuten offen von einem Fehler, der Post wurde sofort wieder gelöscht: «Wir haben weder von SRF noch von Roman ein Einverständnis eingeholt, noch wird er von uns bezahlt», räumt von Reding ein. «Wir haben bei dem Post lediglich versucht, humorvoll auf ein aktuell sehr populäres Schweizer Meme aufzuspringen und dafür ein rein KI-generiertes Bild erstellt, das an dieses Meme angelehnt ist.»

Mit diesem Bild warb Adventurly für seine Bubble Hotels. Nach der Anfrage von 20 Minuten wurde das Bild sofort gelöscht.
Mit diesem Bild warb Adventurly für seine Bubble Hotels. Nach der Anfrage von 20 Minuten wurde das Bild sofort gelöscht.Screenshot Instagram

Der Konsequenzen und der Tatsache, dass dies im Rahmen eines kommerziellen Social-Media-Posts als Verletzung der Persönlichkeitsrechte gewertet werden könne, sei man sich leider nicht ausreichend bewusst gewesen: «Es lag nie in unserer Absicht, die Rechte des Dargestellten zu verletzen. Wir werden in Zukunft bei der Nutzung von KI-generierten Inhalten noch sensibler vorgehen.»

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Daniel Graf (dgr) arbeitet seit 2020 für 20 Minuten. Er ist Leiter des Ressorts News und seit September 2023 Mitglied der Redaktionsleitung.

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