Diebe im RestiBesteck bis Ibérico-Schinken – «Kostet mich eine halbe Million»
Gäste lassen in Schweizer Bars und Restaurants alles Mögliche mitgehen: Gläser, WC-Ringe, ganze Schinken. Der Zürcher Gastronom Michel Péclard erzählt, was in seinen Lokalen täglich verschwindet – und schätzt die Kosten.
Ein Teelichtglas hier, eine Vase dort: Wer regelmässig in Bars und Restaurants unterwegs ist, hat entweder selbst schon etwas eingesackt oder kennt einen Langfinger, der es tut. 20 Minuten hat mit Schweizer Resti-Dieben gesprochen (hier gehts zum Artikel). Sie erzählen, was sie schon alles haben mitgehen lassen – und warum sie kein schlechtes Gewissen haben.
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«Sehr dreist»: Gäste klauen sogar Säcke voller Pouletflügeli
Für viele Wirtinnen und Wirte in der Schweiz sind solche Gäste ein Ärgernis – und ein Kostenfaktor. In seinen Betrieben kämen solche Fälle täglich vor, berichtet der bekannte Zürcher Gastronom Michel Péclard auf Anfrage. «Am meisten in den Open-Air-Lokalen.» Wasserflaschen, Gläser, Teller, Servietten, Salz- und Pfefferstreuer – vieles davon wandere wohl als Souvenir mit, vermutet er. Die Pumpstation am Utoquai brauche rund dreimal jährlich neues Besteck, sagte Péclard einst der «Zürichsee-Zeitung».
Wie würdest du reagieren, wenn du jemanden beim Einstecken von Restaurant-Inventar beobachtest?
Doch auch vor grösseren Gegenständen machten die Diebe nicht halt. Péclard zählt weiter auf: Sonnenschirme, Sonos-Boxen, WC-Ringe, ganze Ibérico-Schinken, Säcke voller Pouletflügeli, ein Fernseher, ein Zehnertisch … «Es ist zum Teil sehr dreist.» Er selbst sei einmal an einer WG-Party gestanden, an der alle Gläser aus seinem eigenen Lokal Fischers Fritz stammten.
Ist das jetzt Diebstahl?
«Vielleicht müssen wir bald Tracker anbringen»
Wie viel ihn das koste, wolle der gebürtige Kilchberger gar nicht genau wissen: «Wir führen kein Klau-Inventar.» Es würde ihn aber nicht erstaunen, wenn der Betrag über alle Betriebe hinweg im mittleren sechsstelligen Bereich läge. In seinem Lokal in Thalwil liess Péclard die Aschenbecher mit «stolen by Portofino» bedrucken. Genützt habe es nichts. «Aber wenigstens macht die Diebin oder der Dieb zu Hause Werbung für uns.»
Erwischt sein Personal jemanden, weise es höflich darauf hin, die Sachen auf dem Tisch zu lassen. «Vielleicht müssen wir die Gegenstände mit Trackern versehen, um schweren Fällen nachzugehen.» Es könnte interessant sein, wo am meisten Diebesgut landet, sagt er. «An der Goldküste, im Ausland oder in der WG im Kreis 5?»
Gloria Karthan (glo), arbeitet seit 2019 für 20 Minuten. Sie ist Mitglied der Redaktionsleitung und Leiterin des Lifestyle-Teams.

