Spur der Verwüstung«Ohne den Baum wäre ich tot»: Augenzeuge überlebt desaströse Flut
In Nepal und Tibet hinterlassen gewaltige Fluten eine Spur der Verwüstung. Mehr als 1300 Menschen werden vermisst. Augenzeugen schildern dramatische Szenen.
Darum gehts
- Sturzfluten haben am Mittwoch in der Grenzregion zwischen Nepal und Tibet ganze Dörfer weggespült.
- Mindestens 157 Menschen kamen ums Leben, über tausend Personen – darunter Touristen – werden noch vermisst.
- Ein abgebrochener Gletscher staute den Bhote-Koshi-Fluss auf, bis sich das Wasser schlagartig löste und die Region überflutete.
Im Himalya in der Grenzregion zwischen Nepal und China haben am Mittwoch Sturzfluten ganze Dörfer weggerissen. Mindestens 157 Menschen kamen ums Leben, über tausend Personen werden noch vermisst – darunter auch zahlreiche Ausländer und Touristen. Augenzeugen berichten von einer Flutwelle, die völlig ohne Vorwarnung kam.
Laut den Behörden brach ein Gletscher ab und blockierte damit den Lhende-Zufluss des Bhote-Koshi-Flusses. Dadurch staute sich das Wasser, bis es sich schlagartig löste und zuerst den Ort Timure nahe der tibetischen Grenze bei Rasuwagadhi traf. Innert Minuten wälzte sich die Flut weiter durch die Distrikte Rasuwa, Nuwakot und Dhading und riss grosse Teile der Siedlungen mit sich.
«Welle war fast 100 Meter hoch»
Rajendra Dhungana, Zollbeamter im Distrikt Rasuwa, war gerade im Dienst, als er spürte, wie die Erde zu beben begann. Er rannte nach draussen und sah eine gewaltige Wasserwand, gefolgt von einer Art Rauchwolke, auf den Markt von Timure zurollen. «Die Welle war fast 100 Meter hoch», beschreibt Dhungana den Moment gegenüber NDTV. Innert Sekunden sei der gesamte Markt verschwunden gewesen.
«Ohne den Baum wäre ich ertrunken.»
Auch der 24-jährige Bauarbeiter Bibek Kumal erlebte die Flut hautnah. Er hob gerade eine Grube für eine Toilette aus, als er ein zischendes Geräusch hörte. Seine Kollegen, die oberhalb standen, schrien ihm zu, er solle sofort herauskommen und rennen.
Kaum war er aus der eineinhalb Meter tiefen Grube geklettert, waren seine Kollegen bereits geflüchtet. Eine Wand aus Wasser, Schlamm und Gestein riss ihn mit sich. Nur ein Mangobaum, an dem er sich festklammern konnte, rettete ihm das Leben. Von seinem Bett im Trauma-Zentrum von Kathmandu aus sagt Kumal: «Ohne den Baum wäre ich ertrunken.»
Ladenbesitzer vermisst Frau und Sohn
Ein Ladenbesitzer aus dem Marktort Trishuli in Nuwakot – wo sich der grösste Basar der Region befindet– schilderte gegenüber NDTV, wie schnell alles ging. Am Morgen habe man die Bevölkerung gewarnt, dass auf der tibetischen Seite ein Damm am Bhote-Koshi-Fluss gebrochen sei.

Viele hätten versucht, höher gelegenes Gelände zu erreichen – doch nur wenigen sei dies rechtzeitig gelungen. Sein 18-jähriger Sohn und seine Ehefrau zählen zu den Vermissten. «Sie wurden von der Flut erfasst und innert Sekunden weggespült», so der Ladenbesitzer.
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Florian Osterwalder (fos) arbeitet seit 2021 für 20 Minuten und ist stellvertretender Co-Leiter des Newsdesks.


