Sturzflut Nepal: Darum haben die 1'500 Vermissten kaum Überlebenschancen

Werbung
Publiziert

«Inland-Tsunami»Kann man eine Sturzflut wie in Nepal überhaupt überleben?

Die Sturzflut in Nepal war verheerend: Über 500 Personen wurden bereits tot geborgen, fast 1500 weitere werden noch vermisst. Die Chancen, sie lebend zu finden, sind gering.

Bevorzugte Quelle

Darum gehts

  • Bei der Sturzflut in Nepal sterben mindestens 475 Menschen, fast 1500 werden vermisst.
  • Fachleute halten die Überlebenschancen für Menschen in den Fluten für sehr gering.
  • Geröll, Kälte und Schlamm machen die Sturzflut besonders tödlich.

Die aktuellen Bilder aus dem Grenzgebiet zwischen Nepal und China schockieren: Die Sturzflut hat im Himalaya eine Schneise der Verwüstung hinterlassen. Über mehr als 160 Kilometer hatte sich am Mittwoch eine Lawine aus Wasser, Schlamm und Geröll durch das schmale Tal gewälzt und mitgerissen, was mitgerissen werden konnte. Darunter Brücken, Busse, Häuser und Bäume. Für Menschen, die in die Flut gerieten, haben Fachleute wenig Hoffnung. Die nepalesische Polizei weiss 48 Stunden nach der Katastrophe von 475 Toten. Fast 1500 Menschen werden am Freitag noch vermisst. Nur wenige konnten bislang lebend gefunden werden.

Werbung

Wer am Wasser war, hat so gut wie keine Chance

«Bei der Mehrheit der Vermissten fürchte ich, dass sie nicht mehr lebend gefunden werden», sagt Niraj Acharya von der Hilfsorganisation Helvetas zum «Tagblatt». Der gebürtige Nepalese hofft zumindest auf einzelne Überlebende. «Einige könnten zum Beispiel in Tunneln von Wasserkraftanlagen eingeschlossen sein.» Auch Bodo Bookhagen vom Institut für Geowissenschaften in Potsdam zeigt sich gegenüber «T-online.de» pessimistisch: «Für jeden, der direkt am Wasser gewesen ist, wird es praktisch unmöglich, zu überleben.»

Wie die BBC unter Berufung auf das International Centre for Integrated Mountain Development schreibt, stieg in der betroffenen Region in Nepal der Wasserstand in den Flüssen flussabwärts innerhalb von 30 Minuten um sieben bis neun Meter an.

Werbung

«Da wird alles zermalmt»

Laut Bookhagen ist allein das Wasser bereits zerstörerisch. Doch richtig gefährlich werde es in Kombination mit dem Sediment und den mitgeschwemmten Materialien. Dann entfalte sich eine tödliche Kraft. Manche Blöcke seien hausgross. Sie würden auf dem Weg ins Tal mitgerissen und vorwärtsgerollt. «Da wird alles zermalmt.» Zudem können Felsbrocken, Eisblöcke oder Baumstämme im schnellen Wasser wie Geschosse wirken und die Menschen darin erschlagen.

Auch das Wasser selbst kann den Tod bringen

Doch auch wer nicht zerquetscht oder durch die mitgerissenen Materialien zu Tode kommt, hat wenig Chancen. Denn das Wasser der Sturzflut dürfte extrem kalt sein. Wer dort hineingerät, gerät durch den Kälteschock schnell ins Hyperventilieren und atmet schneller. Das erhöht laut der Abteilung Maritime Medizin des deutschen Bundesministeriums für Verkehr die Gefahr, zu ertrinken. Schon nach kurzer Zeit droht der Körper zudem zu unterkühlen. «Schon nach wenigen Minuten versteifen die Muskeln. Sinkt die Körpertemperatur im Wasser auf unter 30 Grad Celsius, führt das in der Regel zu Bewusstlosigkeit.»

Nepal: Flutkatastrophe im Himalaya

Am Mittwoch, 26. August, hat eine schwere Sturzflut in Nepal nahe der tibetischen Grenze ganze Dörfer weggespült und wichtige Infrastruktur zerstört. Mindestens 900 Menschen sind gestorben; 4000 werden immer noch vermisst.
Die neuesten Entwicklungen im Ticker.

Schlammlawinen ersticken alles Leben

Wer das überlebt haben sollte, hat ein grosses Risiko, unter der Schlamm- und Gerölllawine verschüttet zu werden und zu ersticken. Denn «fliessende Gemische aus Wasser, Schlamm, Gestein und Vegetation» verhalten sich «wie fliessender Beton», so das U.S. Geological Survey (USGS). Wie echter Beton gelange auch das Lawinengemisch überallhin, auch in die Atemwege, was zum Ersticken führt. Schlammlawinen sind dafür bekannt, alles Leben zu ersticken. Und das innert kürzester Zeit. Luftlöcher, wie sie bei Schneelawinen mitunter vorkommen und Leben retten, gibt es bei Schlammlawinen nicht.

Zerstörte und von Schlamm bedeckte Gebäude in Nepal.
Zerstörte und von Schlamm bedeckte Gebäude in Nepal.SOPA Images/LightRocket via Getty Images
Werbung

Hinzu kommt: Das Katastrophengebiet ist nur schwer zugänglich und es werden weitere Überschwemmungen erwartet. Entsprechend langsam schreiten die Rettungsarbeiten voran.

Darum wurde das Kommentarfeld deaktiviert

Trauerst du oder trauert jemand, den du kennst?

Hier findest du Hilfe:
Dargebotene Hand, Sorgen-Hotline, Tel. 143
Seelsorge.net, Angebot der reformierten und katholischen Kirchen
Muslimische Seelsorge, Tel. 043 205 21 29
Jüdische Fürsorge, info@vsjf.ch
Lifewith.ch, für betroffene Geschwister
Verein Regenbogen Schweiz, Hilfe für trauernde Familien
Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147
Pro Senectute, Beratung älterer Menschen in schwierigen Lebenssituationen
Seelentrösterli.ch, Trauerbegleitung für Familien und Schulen

Abonniere den Wissen-Push!

Abonniere in der 20-Minuten-App die Benachrichtigungen des Wissen-Kanals. Du wirst über bahnbrechende Erkenntnisse und Entdeckungen aus der Forschung, Erklärungen zu aktuellen Ereignissen und kuriose Nachrichten aus der weiten Welt der Wissenschaft informiert. Auch erhältst du Antworten auf Alltagsfragen und Tipps für ein besseres Leben.
So gehts: Installiere die neuste Version der 20-Minuten-App. Tippe unten auf «Profil», dann aufs «Einstellungen»-Zahnrad und schliesslich auf «Push-Benachrichtigungen». Wähle hier die gewünschten Themen aus.
Werbung

Fee Anabelle Riebeling (fee) arbeitet seit 2014 für 20 Minuten. Sie ist stv. Leiterin Wissen/AI, Data und Leiterin des Fachgremiums Faktencheck & Verifikation.

Deine Meinung zählt

Darum wurde das Kommentarfeld deaktiviert

Werbung