AK-74Mit Kalaschnikow auf Menge gefeuert: Polizei findet Hülsen
Eine 22-Jährige stirbt nach Schüssen am Aarauer Rave. Fünf Personen werden verletzt. Ein 43-jähriger Schweizer wurde unter dringendem Tatverdacht festgenommen.
20min/jad
Darum gehts
- Am Aarauer Rave im Schachen fielen in der Nacht auf Sonntag gegen 2.30 Uhr Schüsse.
- Eine 22-jährige Frau starb, fünf weitere Personen im Alter von 24 bis 27 Jahren wurden verletzt und ins Spital gebracht.
- In der Nacht auf Montag wurde ein 43-jähriger Schweizer angehalten und unter dringendem Tatverdacht festgenommen.
Die Betroffenheit nach den Schüssen am Aarauer Rave ist gross. Viele Fragen sind noch offen. Eine Übersicht.
Das ist passiert
In der Nacht auf Sonntag fielen am Aarauer Rave im Schachen Schüsse. Die Kantonspolizei Aargau erhielt gegen 2.30 Uhr eine entsprechende Meldung. Die Tat ereignete sich, nachdem die Party bereits zu Ende war.
Laut der Kantonspolizei Aargau muss man davon ausgehen, dass eine grössere Anzahl Schüsse abgegeben wurde. An einer Pressekonferenz am Sonntagabend gaben die Behörden bekannt, dass sowohl beim Veranstaltungsort nahe der Bühne als auch bei einem Stellplatz für Fahrende geschossen wurde.

Täterschaft verwendete wohl AK-74
Auf einer Übersichtskarte sind zwei Fundorte von Patronenhülsen eingezeichnet. Laut Polizei stammt die gefundene Munition von zwei unterschiedlichen Waffen: «Wir haben zwei Kaliber gefunden. Darunter 9-Millimeter-Hülsen, wie sie in Pistolen oder Maschinenpistolen genutzt werden. Und Kaliber 5,45 × 39, wie es in Sturmgewehren genutzt wird», sagte Einsatzleiter Matthias Schildknecht am Sonntagabend. Über ein Dutzend solcher Hülsen seien gemäss Schildknecht gefunden worden.
5,45 × 39 ist das Standardkaliber des russischen Sturmgewehrs AK-74, das 1974 eingeführt wurde und als Weiterentwicklung der bekannten AK-47 gilt.

Eine Tote und fünf Verletzte
Laut Angaben der Polizei wurden bei den Schussabgaben eine 22-jährige Italienerin, die in der Schweiz lebte, tödlich verletzt. Als die Einsatzkräfte am Tatort eingetroffen sind, sei die junge Frau bereits tot gewesen, sagte Polizeisprecher Bernhard Graser an einer Medienkonferenz.
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Fünf weitere Personen, vier Männer und eine Frau im Alter von 24 bis 27 Jahren, erlitten leichte bis schwere Verletzungen. Nach Angaben der Polizei schwebe derzeit keine der Personen in Lebensgefahr.
Gemäss den Behörden haben alle ihren Wohnsitz in der Schweiz. Momentan könne man keine Verbindung zwischen den Opfern herstellen. «Wir gehen davon aus, dass es sich um Zufallsopfer handelt.»
Was ist über die Täterschaft bekannt?
In der Nacht auf Montag wurde ein 43-Jähriger angehalten und anschliessend unter dringendem Tatverdacht festgenommen. Es handelt sich um einen Schweizer. Wo die Festnahme erfolgt ist, geht aus der Mitteilung der Kantonspolizei Aarau nicht hervor. Derzeit geht man von einem Einzeltäter aus.

Was war das Motiv?
Zur Motivlage der Schüsse in Aarau gibt es weiterhin keine gesicherten Erkenntnisse, so der Polizeikommandant gegenüber den Medien. Die Ermittler verfolgten derzeit drei Hypothesen: ein Terroranschlag, ein Amoklauf oder ein kriminelles Geschehen mit bislang unbekanntem Motiv. «Etwa eine Abrechnung in einem bestimmten Milieu», sagt der Polizeikommandant.
Keine dieser Hypothesen könne derzeit priorisiert werden. «Wir wissen es zurzeit nicht», heisst es an der Medienkonferenz. Nach aktuellem Ermittlungsstand seien alle drei Szenarien gleich wahrscheinlich. Die Polizei verfolge die Ermittlungen intensiv.
Das sagen die Veranstalter
«Der hinterhältige Anschlag auf die Gäste des Aarauer Raves hat unsere Herzen gebrochen»: Diese Worte stehen in einem Schreiben, das der Managing Partner des Veranstalters des Aarauer Raves 20 Minuten zukommen liess. Man sei schockiert, erschüttert und traurig. «Ein Rave sollte immer ein Ort der Freude und der Liebe sein. Niemals ein Ort, an dem Menschen getötet, verletzt und in Angst versetzt werden.» Als Veranstalter werde man alles tun, um die Polizei bei ihrer Arbeit zu unterstützen.
DJs trauern um 22-Jährige
Der Vorfall ereignete sich wohl gleich nach dem Set von DJ Tekibo und DJ Pencil. Letzterer schrieb auf Instagram: «Was letzte Nacht in Aarau geschehen ist, war der grösste Albtraum jemals.» Er könne nicht die richtigen Wörter finden. «Diese Minuten waren der grösste Horror.» Er sei traurig um den Verlust einer nahen Freundin. «Wir werden dieses Lächeln nie vergessen.»
DJ Tekibo schrieb, er versuche, das Erlebte zu verarbeiten. «Ich habe einen wichtigen Menschen verloren.» Er wolle sich deshalb für eine Weile von allem zurückziehen, um die Situation zu verarbeiten. Seinen Post beendet er mit «RIP M». Wer mit dem Initial gemeint ist und in welchem Zusammenhang die Person zum Vorfall steht, geht aus dem Statement nicht hervor.
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Lynn Sachs (sac) arbeitet seit 2020 für 20 Minuten. Sie ist stellvertretende Leiterin des Ressorts News.

