Covid-VerfahrenGefängnis oder hohe Geldstrafe – womit muss Xhaka rechnen?
Granit Xhaka droht wegen des Covid-Verfahrens bei einer Verurteilung eine bedingte Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren. Rechtsanwalt Fabian Teichmann erklärt, warum es für den Nati-Captain teuer werden könnte.
Darum gehts
- Die Luzerner Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Nati-Captain Granit Xhaka wegen des Verdachts auf Urkundenfälschung und/oder Erschleichung einer falschen Beurkundung im Zusammenhang mit Covid-Zertifikaten.
- Im schlimmsten Fall drohen Xhaka bis zu fünf Jahre Freiheitsstrafe oder eine Geldstrafe von über 100’000 Franken.
- Rechtsanwalt Fabian Teichmann sieht drei mögliche Verfahrensausgänge: Einstellung, Strafbefehl oder Anklage vor Gericht.
Die Luzerner Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Granit Xhaka und eine Ärztin wegen des Verdachts auf ein strafrechtlich relevantes Verhalten im Zusammenhang mit Covid-Zertifikaten. Konkret geht es um eine mögliche Erschleichung einer falschen Beurkundung und/oder Urkundenfälschung. Für Xhaka und die Ärztin gilt die Unschuldsvermutung.
Was könnte dem Nati-Captain im Fall einer Verurteilung drohen? Der Zürcher Rechtsanwalt Fabian Teichmann ordnet den Fall für 20 Minuten ein.
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Bis zu fünf Jahre Gefängnis
Ein Covid-Zertifikat ist laut Teichmann strafrechtlich eine Urkunde. Entscheidend ist deshalb, was tatsächlich passiert ist.
Szenario 1: Die Impfung hat nie stattgefunden
Die Ärztin hätte demnach wissentlich eine nicht erfolgte Impfung eingetragen. In diesem Fall käme für sie eine Urkundenfälschung beziehungsweise Falschbeurkundung infrage. Xhaka könnte – abhängig von den konkreten Beweisen – als Anstifter oder Gehilfe sowie wegen des Gebrauchs einer unwahren Urkunde belangt werden.
Szenario 2: Die Ärztin wurde selbst getäuscht
Dann wäre die Situation eine andere. Hat Xhaka sie beispielsweise davon überzeugt, bereits anderswo geimpft worden zu sein, und stellte sie deshalb gutgläubig ein falsches Zertifikat aus, könnte die Ärztin strafrechtlich anders beurteilt werden.
Für denjenigen, der sie getäuscht hat, kann laut Teichmann eine Erschleichung einer falschen Beurkundung infrage kommen. Genau diese beiden Varianten nennt auch die Luzerner Staatsanwaltschaft derzeit ausdrücklich.
Für Urkundenfälschung sieht das Schweizer Strafgesetzbuch eine bedingte Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren Freiheitsstrafe und eine bedingte Geldstrafe vor. Das ist allerdings der gesetzliche Strafrahmen und nicht automatisch die zu erwartende Strafe.
Für Xhaka könnte es teuer werden
Besonders brisant ist die Berechnung einer bedingten Geldstrafe. In der Schweiz wird diese über sogenannte Tagessätze festgelegt. Die Zahl der Tagessätze richtet sich nach dem Verschulden, die Höhe eines Tagessatzes nach den persönlichen und wirtschaftlichen Verhältnissen. Ein Tagessatz kann bis zu 3000 Franken betragen.
Teichmann hält deshalb eine bedingte Geldstrafe im sechsstelligen Bereich für möglich. Effektiv zu bezahlen wären die Busse, die üblicherweise mit einer bedingten Geldstrafe verbunden ist (maximal 10’000 Franken), sowie die Verfahrenskosten. «Die bedingte Geldstrafe muss nur bezahlt werden, wenn er sich in der Probezeit nicht bewährt.»
Ein Beispiel: 40 Tagessätze à 3000 Franken ergeben bereits 120’000 Franken. Hinzu kommen eine Busse und Verfahrenskosten.
Xhaka darf schweigen
Der 33-Jährige ist im Verfahren Beschuldigter. Damit hat er entsprechende Verfahrensrechte. Er darf schweigen und muss sich nicht selbst belasten. Er kann einen Anwalt beiziehen, Akteneinsicht verlangen und eigene Beweisanträge stellen.
Die angekündigte Einvernahme Anfang Oktober dürfte deshalb ein wichtiger Moment werden. Laut bisherigen Berichten soll Xhaka bei der Luzerner Staatsanwaltschaft befragt werden.
Sein Sprecher Andreas Bantel liess bereits erklären, Xhaka stehe den Behörden «uneingeschränkt und in voller Transparenz» zur Verfügung. Gleichzeitig betont sein Umfeld, dass eine Bestätigung der behandelnden Ärztin über die beiden Impfungen vorliege.
Diese Worten decken sich mit dem Impf-Zertifikat von Granit Xhaka, das 20 Minuten eingesehen hat. Auch der Anwalt der Ärztin sagt, seine Mandantin habe Xhaka tatsächlich geimpft.
Drei mögliche Wege
Nach Abschluss der Ermittlungen und Einvernahme Anfang Oktober sieht Teichmann drei mögliche Ausgänge.
- Erstens: Die Staatsanwaltschaft stellt das Verfahren ein. Das wäre der Fall, wenn sich der Verdacht nicht ausreichend erhärten lässt.
- Zweitens: Es kommt zu einem Strafbefehl. Das wäre in vergleichbaren Fällen der übliche Weg. Gegen einen Strafbefehl kann innert zehn Tagen Einsprache erhoben werden. Ein Strafbefehl ist möglich bei Geldstrafen bis 180 Tagessätzen oder Freiheitsstrafen bis sechs Monaten.
- Drittens: Es kommt zur Anklage vor Gericht. Dann würde ein Gericht über Schuld und Strafe entscheiden.
Wie lange das dauert, hängt vom Verlauf des Verfahrens ab. Ein Strafbefehl kann laut Teichmann einige Monate nach der Einvernahme folgen. Wird der Fall bestritten und kommt es zu einem Gerichtsverfahren, kann sich das Verfahren deutlich länger hinziehen.
Kein Kavaliersdelikt
Dass die Justiz solche Fälle ernst nimmt, zeigen auch andere Verfahren rund um gefälschte Covid-Zertifikate. 2026 wurde etwa ein ehemaliger Mitarbeiter eines Schaffhauser Impfzentrums wegen Hunderten gefälschter Zertifikate zu einer bedingten Freiheitsstrafe von 24 Monaten verurteilt.
Auch in einem anderen Fall bestätigte ein Obergericht eine bedingte Geldstrafe von 40 Tagessätzen wegen einer Covid-bezogenen Urkundenfälschung.
Für Xhaka gilt allerdings: Noch ist völlig offen, was die Ermittlungen ergeben.
Der Nati-Captain bestreitet, ein gefälschtes Zertifikat benutzt zu haben. Seine behandelnde Ärztin sagt, sie habe ihn tatsächlich geimpft. Erst die Ermittlungen werden zeigen, ob diese Darstellung durch die Beweise gestützt wird. Bis dahin gilt für beide die Unschuldsvermutung.
Wie beurteilst du die möglichen Folgen für Granit Xhaka im Covid-Verfahren?
Hast du oder hat jemand, den du kennst, Mühe mit der Coronazeit?
Sebastian Rieder (sri), arbeitet seit 2024 für 20 Minuten als Stv. Leiter Sport. Der Generalist hat stets die besten Schweizer Fussballer im Fokus und begleitet die Nati als Reporter und Videojournalist.
