Christa Pike: Erste Frau seit 1819 soll in Tennessee hingerichtet werden

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Tennessee, USAChrista soll in wenigen Stunden per Giftspritze sterben

Christa Pike wurde für einen Mord von 1995 zum Tode verurteilt. Trotz Forderungen nach Begnadigung soll sie am Mittwoch hingerichtet werden. Die Mutter des Opfers will dabei sein und ein Foto ihrer getöteten Tochter hochhalten.

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Darum gehts

  • Christa Pike soll am Mittwoch in Tennessee durch die Giftspritze hingerichtet werden.
  • Sie wurde 1996 verurteilt, weil sie 1995 gemeinsam mit ihrem Freund Tadaryl Shipp die 19-jährige Colleen Slemmer brutal ermordete.
  • Wird das Urteil vollstreckt, wäre Pike die erste Frau seit 1819, die in Tennessee hingerichtet wird.

Am Mittwoch soll Christa Pike in einem Gefängnis im US-Bundesstaat Tennessee durch die Giftspritze hingerichtet werden. Der Oberste Gerichtshof von Tennessee lehnte vergangene Woche einen Aufschub der Hinrichtung ab, wie «USA Today» berichtete.

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Wird das Todesurteil vollstreckt, wäre Pike die erste Frau seit 1819, die in Tennessee hingerichtet wird.

Ein Fall, der die USA 1995 erschütterte

Christa Pike war 18 Jahre alt, als sie gemeinsam mit ihrem damals 17-jährigen Freund Tadaryl Shipp die 19-jährige Colleen Slemmer ermordete. Die drei hatten sich in einem Programm für verhaltensauffällige Jugendliche kennengelernt. Im Januar 1995 lockten Pike und Shipp Slemmer auf ein abgelegenes Gelände des Landwirtschaftscampus der University of Tennessee. Laut Gerichtsakten schlugen und folterten sie die junge Frau, bevor Pike ihr mit einem Stein auf den Kopf schlug.

Colleen Slemmer, das Opfer. Ihre Mutter May Slemmer Martinez kritisiert, dass die Aufmerksamkeit fast nur auf Pike falle: «Es geht nie um die Opfer. Es ist, als wäre Colleen nie da gewesen.»
Colleen Slemmer, das Opfer. Ihre Mutter May Slemmer Martinez kritisiert, dass die Aufmerksamkeit fast nur auf Pike falle: «Es geht nie um die Opfer. Es ist, als wäre Colleen nie da gewesen.»Familie Slemmer

In den Körper des Opfers wurde ein Pentagramm geritzt. Ermittler fanden später in Pikes Zimmer ein Stück von Slemmers Schädel. 1996 wurde Pike wegen Mordes und Verschwörung zum Mord schuldig gesprochen und zum Tode verurteilt. Shipp erhielt eine lebenslange Freiheitsstrafe mit der Möglichkeit einer vorzeitigen Entlassung.

Eine Kindheit voller Gewalt und Missbrauch

Pikes Anwälte verweisen seit Jahren darauf, dass ihre Mandantin selbst eine von schwerer Gewalt und Missbrauch geprägte Kindheit erlebt habe. Laut Gerichtsakten war Pike körperlicher Gewalt, sexuellem Missbrauch, Drogenmissbrauch und Vernachlässigung ausgesetzt. Eine Tante sagte vor Gericht aus, Pikes Mutter habe ihre Tochter regelmässig gezwungen, durch Hundekot zu kriechen. Als Kleinkind sei Pike vom Freund ihrer Grossmutter sexuell missbraucht worden, Jahre später erneut von einem Nachbarn.

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Mit zwölf Jahren unternahm Pike demnach ihren ersten Suizidversuch. Im Alter von 17 Jahren wurde sie nach eigenen Angaben von einem Unbekannten entführt.

Niemand hat ihr geholfen

Experten diagnostizierten bei Pike unter anderem eine posttraumatische Belastungsstörung und eine bipolare Störung. «Wenn jemand eingegriffen hätte, als ich fünf war, als ich sieben war, als ich elf war, wenn irgendjemand etwas getan hätte, um mir zu helfen, mir psychologische Hilfe zukommen zu lassen oder irgendetwas, dann wäre vielleicht alles anders gekommen», sagte Pike rückblickend.

Später erhob Pike zudem Vorwürfe gegen ihren damaligen Verteidiger. Sie erklärte, ein Angebot der Staatsanwaltschaft für eine lebenslange Freiheitsstrafe ohne Bewährung abgelehnt zu haben, weil ihr Anwalt ihr versichert habe, eine Jury in Knoxville werde «ein hübsches weisses Mädchen» nicht zum Tode verurteilen.

Christa Pike während ihres Prozesses 1996, in dem sie zum Tode verurteilt wurde. Mitangeklagter Tadaryl Shipp erhielt hingegen nur eine lebenslange Freiheitsstrafe mit der Möglichkeit einer vorzeitigen Entlassung.
Christa Pike während ihres Prozesses 1996, in dem sie zum Tode verurteilt wurde. Mitangeklagter Tadaryl Shipp erhielt hingegen nur eine lebenslange Freiheitsstrafe mit der Möglichkeit einer vorzeitigen Entlassung.Facebook

Mutter des Opfers will dabei sein

Burton Staggs, ein ehemaliger Mitarbeiter des Justizvollzugs in Tennessee und Lokalreporter, bezweifelt, dass Pike unter heutigen Umständen zum Tode verurteilt würde. «Angesichts der Gutachten von Strafmilderungsexperten und der Misshandlungen, die sie erlitten hat, wäre es höchstwahrscheinlich nicht zu einem Todesurteil gekommen», sagt Staggs in einem Dokumentarfilm über den Fall.

Die Mutter des Opfers widerspricht den Forderungen nach einer Begnadigung. May Slemmer Martinez weist das Argument zurück, Pikes junges Alter und ihre traumatische Kindheit müssten bei der Vollstreckung des Urteils stärker berücksichtigt werden. «Die meisten Kinder machen viel durch, und sie gehen nicht hinaus und töten», sagt sie.

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Martinez trauert bis heute um ihre Tochter und kritisiert, dass sich die öffentliche Aufmerksamkeit vor allem auf Pike richte. «Es geht nie um die Opfer. Es ist, als wäre Colleen nie da gewesen.»

Sie plant, bei Pikes Hinrichtung anwesend zu sein. Während der Vollstreckung will sie ein Foto ihrer getöteten Tochter Colleen hochhalten.

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Karin Leuthold (kle), Jahrgang 1968, arbeitet seit 2005 für 20 Minuten und ist derzeit am Newsdesk tätig.

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