«Bireweich-Talk» abgesagt«Ich habe Rechtsextreme eingeladen, weil ich viele Klicks will»
Gleich zwei Veranstaltungsorte in Zürich haben Auftritte des Influencers Mirco Casorelli alias Bireweich abgesagt, weil er verurteilten Rassisten eine Bühne bot.
Darum gehts
- Zwei Zürcher Veranstaltungsorte, das Plaza und das Labor5, wollen Influencer Mirco Casorelli alias Bireweich keine Bühne mehr bieten.
- Grund ist eine über zweistündige Podcast-Folge, in der er zwei Vertreter der rechtsextremen Jungen Tat zu Gast hatte.
- Casorelli sagt, er habe sie wegen möglichst vieler Klicks eingeladen und teile ihre Meinung nicht.
Erst das Plaza, jetzt das Labor5: Gleich zwei Zürcher Veranstaltungsorte wollen dem Influencer Mirco Casorelli alias Bireweich keine Bühne mehr bieten. Eigentlich hätte er dort im Dezember einen Live-Podcast mit dem Content-Creator Rash Jr, dem rechtsextremen Basler Skandalpolitiker Eric Weber und dem wegen Rassismus verurteilten Aargauer SVP-Lokalpolitiker Navin Hofstetter aufführen wollen.
Dass es nicht so weit kommt, liegt an einer über zweistündigen Folge seines «Bireweich-Talks» von Anfang Oktober, in der Casorelli zwei unter anderem wegen Rassendiskriminierung verurteilte Vertreter der rechtsextremen Jungen Tat zu Gast hatte.
«Die erste Absage konnte ich noch verstehen, die zweite aber überhaupt nicht, weil ich da als rechtsextrem dargestellt werde. Zum Glück habe ich über einen Kollegen schon eine andere Location in Zürich gefunden – welche, behalte ich für mich», sagt Casorelli.
Was diskutierte Casorelli mit der Jungen Tat?
In dem Gespräch geht es um Migration, «Remigration», die LGBTQ-Community und die Frage, wer überhaupt als Schweizer gelten könne. So erklären die beiden Gäste etwa, dass ein homosexueller oder asiatischstämmiger Mensch nicht Mitglied der Jungen Tat werden könne. Auf die Frage, wen sie aus der Schweiz zuerst ausschaffen würden, nennen sie Somalier und Eritreer.
Besonders bemerkenswert ist, was die beiden gegen Ende der Folge über ihre eigene Strategie erzählen. Mit Aktionen wollten sie Aufmerksamkeit auf ihre Themen lenken. Durch Wiederholung würden Begriffe und Vorstellungen «normalisiert». Es gehe darum, sich einen «Platz im Diskurs» zu erkämpfen.
Und mittendrin sitzt Bireweich. Er fragt nach, scherzt und lacht mit seinen Gästen, etwa, als sie sagen, dass sie Casorellis tamilischem Schwiegervater beim Ausschaffungsflug extra Beinfreiheit gewähren würden. Der Gastgeber widerspricht den rechtsextremen Aussagen kaum. Genau dafür geriet der Influencer nach Veröffentlichung der Folge in die Kritik.
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«Ich habe von Politik keine Ahnung»
Casorelli weist den Vorwurf zurück, er mache sich mit den Positionen seiner Gäste gemein. «Ich lade Menschen ein, um mit ihnen zu reden. Das heisst nicht, dass ich ihre Meinung teile», sagte er nach der ersten Berichterstattung. Auch sein Lachen während des Gesprächs dürfe nicht als Zustimmung verstanden werden. Sein Format heisse schliesslich «Bireweich-Talk» und nicht «Politik-Talk».
«Ich habe die Junge Tat eingeladen, weil ich möglichst viele Klicks will. Da bin ich ehrlich: Ich sah, dass Podcasts mit der Jungen Tat bei anderen zu megavielen Aufrufen geführt haben und wollte das kopieren», sagt Casorelli gegenüber 20 Minuten. Als Beispiel nennt er den Luzerner Rapper Granit Dervishaj alias Baba Uslender, der vor einem Jahr fast zwei Stunden mit den Rechtsextremisten plauderte. «Baba, für solche politischen Themen musst du dich nächstes Mal besser vorbereiten und mit ihnen auseinandersetzen», warfen ihm seine Follower danach vor.
Den Vorwurf akzeptiert auch Casorelli. «Ich habe von Politik keine Ahnung, als Einwohner von Schaffhausen bekomme ich ständig Bussen, weil ich nicht wählen und abstimmen gehe.»
Er wollte eigentlich ein Streitgespräch organisieren. «Unterschiedliche Meinungen sollen aufeinandertreffen und auch kritisch diskutiert werden können. Aber die Antifa hat auf meine Anfrage nicht reagiert.»
Im April hatte er die Content-Creators Rash Jr und Valerie eingeladen, um über Rassismus zu sprechen. «Ich bin kein Rechtsextremer. Ich bin auch kein Journalist. Ich nehme das Leben nicht so ernst und schnurre gerne – mit allen. Mein Format lebt davon, dass ich mit unterschiedlichsten Menschen offen, locker und auch humorvoll spreche», sagt Casorelli. Warum das vielleicht gut gemeint, aber naiv ist, erklärt der Kriminologe Dirk Baier im Interview.
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Ammar Jusufi (amj), Jahrgang 2001, arbeitet seit November 2024 für 20 Minuten. Nach seinem Praktikum im Ressort Ostschweiz ist er nun Redakteur im Ressort People.
Dario Aeberli (dae), Jahrgang 1995, arbeitet seit Oktober 2023 als People-Redaktor bei 20 Minuten. Zuvor war er Lokaljournalist und beim «Migros-Magazin».


