US-Midterms 2026: Stimmen aus den USA vor den Zwischenwahlen
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Livetickeraktualisiert vor 1 Stunde
20 Minuten in den USA:
Halloween in Dallas: Welches Kostüm gefällt dir am besten?
Am 3. November sind in den USA die Zwischenwahlen, die Midterms. 20 Minuten ist in den USA und hält euch im Ticker vor, während und nach der Wahlnacht auf dem Laufenden.
Ann Guenter und Carolin Teufelberger berichten für 20 Minuten vor, während und nach den Midterms aus den USA.20min
Darum gehts
Die US-Midterms 2026 stehen an.
Bei den Zwischenwahlen wählen die Amerikanerinnen und Amerikaner ein neues Repräsentantenhaus und etwa einen Drittel des Senats neu.
Entscheidend wird sein, ob die Republikaner oder die Demokraten danach die Mehrheiten in den beiden Kammern haben.
Was denken die Amerikanerinnen und Amerikaner über die letzten knapp zwei Jahre unter Donald Trump? Welche Themen dominieren den Wahlkampf? 20 Minuten ist in den USA und findet es heraus.
Deine Meinung zählt
01.11.2026
So 16:56
In der Halloween-Nacht haben die Midterms nichts zu suchen
Unsere Reporterinnen haben sich in Dallas, Texas, unter die Halloween-Fans gemischt. Kurz vor den Midterms hatte Politik hier für eine Nacht nichts zu suchen, die Menschen feierten gemeinsam ausgelassen.
Die 20-Minuten-Reporterinnen an Halloween in Dallas.
Wir wollen wissen: Welches Kostüm (siehe Bildstrecke weiter unten im Ticker) gefällt euch am besten?
Welches Kostüm gefällt dir am besten?
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01.11.2026
So 12:00
Sexy, gruselig oder einfach nur lustig – so feierte Dallas Halloween
01.11.2026
So 10:58
So arbeitet eine 20-Minuten-Reporterin in den USA
Die 20-Minuten-Reporterinnen Carolin Teufelberger und Ann Guenter reisen seit gut einer Woche durch die USA, um im Vorfeld der Midterms über die Stimmung im Land und die wichtigsten Themen zu berichten. All ihre Artikel zu den US-Midterms 2026 findest du hier. Mittlerweile ist für die Wahlnacht auch Reporterin Melissa Greiter in Dallas angekommen. Im Video gibt Carolin Teufelberger einen Einblick in den Alltag einer Reporterin, die alleine durch die USA reist und für 20 Minuten Reportagen schreibt, Strassenumfragen macht, diesen Ticker befüllt, Videos filmt und Interviews führt.
20-Minuten-Reporterin Carolin Teufelberger gibt Einblicke ins Leben einer Reporterin.20min
Hast du Fragen an unsere Reporterinnen in den USA? Zu ihrer Arbeit, ihrer Vorgehensweise oder zu dem, was man in den Berichten nicht sieht? Dann melde dich über das Formular unten oder schreibe eine E-Mail an redaktion@20minuten.ch. Wir sammeln die Fragen und machen in den nächsten Tagen ein Video, in dem die Reporterinnen vor Ort auf eure Fragen antworten.
Custers Grossvater sei aus der Schweiz in die USA gekommen, mit der Hoffnung auf ein besseres Leben. «Er ging ein Risiko ein und glaubte daran, dass es ihm besser gehen würde, wenn er sich anstrengt», erzählt der 69-jährige Farmer aus der Gegend um Eau Claire in Wisconsin.
Vincent habe eine Vorrichtung zum Ausmisten von Ställen entwickelt und patentieren lassen. Er sei erfinderisch gewesen, habe etwas aufbauen wollen. «Ohne das, was er in dieses Land mitgebracht hat, wären wir heute nicht da, wo wir sind.»
Heute bewirtschaftet die Familie rund 2400 Hektaren Land. Aus dem Milchviehbetrieb, den Kens Vater hier aufgebaut hat, sind mehrere Unternehmen geworden: Ackerbau, Getreidehandel, Transporte. Seine beiden Söhne führen inzwischen grosse Teile des Geschäfts. «Schau, was die Generationen nach ihm aus dem Traum meines Schweizer Grossvaters gemacht haben», sagt Ken stolz.
20-Minuten-Reporterin Carolin Teufelberger hat in Wisconsin zwei Farmer getroffen. Beide sind auf Migration angewiesen, haben aber unterschiedliche Einstellungen zu Trumps Politik.20min
Für ihn steckt darin auch eine politische Überzeugung. Amerika müsse jene belohnen, die etwas wagten und sich etwas aufbauten. Dafür stünden aus seiner Sicht die Republikaner. Solange das so bleibe, sei er optimistisch für die Zukunft des Landes. Dass Einwanderung zu diesem Land gehört, steht für den Trump-Anhänger ausser Frage. Seine eigene Familie wäre sonst schliesslich nicht hier. Wer kommen, arbeiten und sich ein besseres Leben aufbauen wolle, sei willkommen, sagt Ken. «Aber man muss über unser legales Einwanderungssystem kommen.»
Für ihn persönlich sei eher das Auswandern ein Thema, verrät er gegen Schluss des Gesprächs. «Ich würde gerne in die Schweiz ziehen.» Er habe noch immer viele Cousinen und Cousins in der Region Zürich. «Das letzte Mal, als ich dort war, haben wir eine Tour durch die Alpen gemacht. Es war wunderschön.»
29.10.2026
Do 14:02
CNN-Umfrage: Hoffnung für Demokraten im Senat
Während unsere Reporterinnen durchs Land reisen und mit den Menschen sprechen, behalten wir hier im Büro die Ausgangslage genau im Auge. Eine neue CNN-Umfrage fünf Tage vor der Wahl dürfte den Demokraten Hoffnung machen. Gleich in mehreren wichtigen Senatsrennen sieht die CNN-Umfrage die Demokraten in einer guten Ausgangslage.
In Michigan liegt der Demokrat Abdul El-Sayed bei 49 Prozent vor dem Republikaner Mike Rogers mit 42 Prozent. In Texas kommt James Talarico auf 49 Prozent, sein republikanischer Gegner Ken Paxton auf 43 Prozent.
James Talarico, demokratischer Kandidat für den US-Senat, spricht am 25. Oktober an einer Voto-Latino-Veranstaltung in Weslaco, Texas. Neue Umfragen sehen ihn wenige Tage vor den Midterms vor dem Republikaner Ken Paxton.AFP
Offener sind die Rennen in Maine und Kansas: In Maine liegt der Demokrat Troy Jackson mit 49 zu 45 Prozent vor der republikanischen Senatorin Susan Collins, in Kansas Adam Hamilton mit 49 zu 45 Prozent vor dem republikanischen Senator Roger Marshall. CNN wertet beide Duelle dennoch als ohne klaren Favoriten.
Die Werte passen teilweise zu anderen frischen Erhebungen: In Michigan sah eine CBS-/Mitchell-Umfrage El-Sayed bei 51 zu 44 Prozent vorne. In Texas lagen Talarico und Paxton in einer Univision-/YouGov-Umfrage bei 50 zu 45 Prozent auseinander, eine Fox-News-Umfrage sah sie dagegen gleichauf. Die Umfragen sind damit ein Signal, aber keine Prognose.
Um die Senatsmehrheit zu erobern, müssen die Demokraten ihre eigenen Sitze verteidigen und netto vier republikanische Sitze hinzugewinnen.
29.10.2026
Do 11:48
Trump-Unterstützung bei Muslimen in Dearborn wackelt
«Im November werde ich Donald Trump wählen», hiess es noch vor zwei Jahren in Dearborn im US-Bundesstaat Michigan. Damals wandten sich in der Stadt mit einer grossen arabischstämmigen und muslimischen Bevölkerung viele von den Demokraten ab. Sie wollten eine Regierung abstrafen, deren Unterstützung für Israel sie angesichts des Krieges in Gaza nicht länger hinnehmen wollten.
Jetzt steht die nächste Wahl an. Die USA führen Krieg gegen Iran und ein Demokrat hofft, die enttäuschten Wählerinnen und Wähler zurückzugewinnen: Abdul El-Sayed. Der frühere Gesundheitsdirektor von Detroit ist selbst Muslim und kämpft um einen Sitz im US-Senat. Er fordert ein Ende des Irankriegs, ein Waffenembargo gegen Israel und eine Krankenversicherung für alle.
Abdul El-Sayed kämpft für die Demokraten um einen Sitz im US-Senat.AFP
Trotzdem hat Mortada (24) eigentlich keine Lust mehr, seine Stimme abzugeben. «Es ist doch alles dasselbe in der Politik», sagt er. Und das, obwohl er klar findet, dass es ein Fehler war, Trump zu wählen. «Schau, was passiert ist! Er hat nichts davon umgesetzt, was er versprochen hat.»
«Alleine für eine Kiste Salat bezahle ich 65 Dollar», beklagt Mortada (24), der in der Gastronomie arbeitet.20min/Carolin Teufelberger
Was ihn dabei vor allem beschäftigt, lässt sich klar beziffern. Ein Einkauf koste mittlerweile mehrere hundert Dollar. «Allein für eine Kiste Salat bezahle ich 65 Dollar», sagt Mortada, der in der Gastronomie arbeitet. Mittlerweile arbeite er sieben Tage die Woche, schiebe Doppelschichten – und trotzdem reiche das Geld kaum.
Je länger das Gespräch dauert, je länger die hohen Lebenshaltungskosten und die medizinische Versorgung Thema sind, desto mehr rückt der 24-Jährige von seinem Nichtwähler-Credo ab. «Vielleicht», sagt Mortada. «Vielleicht kann El-Sayed tatsächlich etwas verändern.» Er werde versuchen, am 3. November für ihn zu stimmen – sofern es die Arbeit zulässt.
Auch Sara (22) kann sich das vorstellen. Sie studiert Medizin, vor allem El-Sayeds Blick auf das Gesundheitssystem spreche sie an. «Du findest in der Politik nur selten jemanden, der so viel Ahnung und Erfahrung in dem Bereich mitbringt.» Ausserdem wolle sie jemanden, der sich um die Menschen hier kümmert. Der dafür sorgt, dass Geld bei ihrer Gemeinschaft ankommt.
Biden und Harris seien Fähnchen im Wind gewesen, sagt Sara (22). Bei Trump wisse sie wenigstens, woran sie sei.20min/Carolin Teufelberger
Ihre Enttäuschung über die Demokraten sei aber deshalb nicht verschwunden. «Biden und Harris waren bei jedem Thema vage und totale Fähnchen im Wind», sagt Sara. Bei Trump wisse man wenigstens, woran man sei. «Was nicht heisst, dass ich seine Ansichten teile.»
Und der Krieg gegen Iran? Sara erzählt von Menschen, die ihre Familien im Nahen Osten nicht besuchen konnten, weil sie um ihre Sicherheit fürchteten. Doch aus einer weiteren Enttäuschung wird nicht automatisch eine neue politische Überzeugung. «Irgendwann stumpft man ab. Es ist einfach eine schlechte Nachricht mehr in einer ohnehin schlechten Situation.»
Sara will trotzdem wählen. Ohne die Erwartung, dass danach alles besser wird. «Wer seine Hoffnung in die Politik setzt, wird immer enttäuscht», sagt sie.
«Wann muss ich schon wieder wählen?» oder «Ich bin nicht an der Uni, deshalb kann ich nichts zu den Midterms (Semesterprüfungen, Anmerkung d. Red.) sagen.» Das sind Antworten, die ich teilweise bekomme, wenn ich Menschen auf die Zwischenwahlen anspreche. Detroit MI, Rockford IL, Madison WI: So unterschiedlich diese Orte sind, so gemein ist ihnen, dass sich viele noch kaum mit den Möglichkeiten auf dem Wahlzettel auseinandergesetzt haben. Einige erzählen mir gut eine Woche vor den Midterms, dass sie das noch tun wollen. Andere wiederum haben der Politik den Rücken gekehrt und bleiben am 3. November zu Hause. «Man wird doch eh nur belogen, egal von welcher Seite», heisst es auf Walmart-Parkplätzen oder vor Football-Stadien. Mal schauen, ob sich diese Stimmung auch in der Wahlbeteiligung niederschlägt, die bei Midterms traditionell eh schon immer sehr tief ist.
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29.10.2026
Do 11:39
«Hier zählt meine Stimme mehr als zu Hause in Kalifornien»
Ihre eigene Stimme hat Valerey längst abgegeben – für den demokratischen Gouverneurskandidaten David Crowley. Jetzt will die 21-Jährige andere dazu bringen, es ihr gleichzutun. Auf einer kleinen Grünfläche auf dem Campus der University of Wisconsin in Madison macht sie mit ihrer Latinx-Studentenverbindung darauf aufmerksam, weshalb es sich lohnt, bei den Midterms wählen zu gehen.
Valerey stammt aus Los Angeles, Kalifornien. Dass sie nun in Wisconsin lebt, habe ihren Blick aufs Wählen verändert. «Hier zählt meine Stimme mehr als zu Hause», sagt sie. In einem Swing State könne sie mehr bewegen als im klar demokratisch geprägten Kalifornien. Und es gehe um Dinge, die sie unmittelbar beträfen: ihre Ausbildung, finanzielle Unterstützung, Hilfen beim Lebensmittelkauf. «Das beeinflusst meinen Alltag.»
Auch die Einwanderungspolitik sei für sie ein Grund, sich einzumischen. In Los Angeles habe sie erlebt, wie die Behörden gegen ihre Community vorgingen. «Es fühlt sich nicht mehr wie die Durchsetzung von Einwanderungsgesetzen an, sondern wie ein gezieltes Vorgehen gegen bestimmte Bevölkerungsgruppen.»
Die vergangenen knapp zwei Jahre unter Trump beschreibt sie mit einem Wort: «chaotisch». Sie habe nicht das Gefühl, dass Menschen wie sie gehört würden. Latinos, Frauen, Menschen aus marginalisierten Gruppen. «Was er versprochen hat, passiert nicht.»
Einige Menschen in ihrem Umfeld hätten vor zwei Jahren noch Trump gewählt und ihre Haltung inzwischen geändert, erzählt Valerey. Diese Einsicht komme für die vergangene Wahl zu spät. Umso wichtiger sei es, sich diesmal vorher mit den Kandidierenden auseinanderzusetzen. «Informiert euch, bevor ihr wählt.»
28.10.2026
Mi 12:46
«Unsere Moral verfällt»
Ein TV-Wahlspot hat den Kampf um das Gouverneursamt in Ohio in eine Schlammschlacht verwandelt. Es sei der «dreckigste Wahlkampf aller Zeiten», heisst es. Auslöser ist eine vier Millionen Dollar teure Wahlwerbung des Republikaners Vivek Ramaswamy gegen seine demokratische Rivalin Amy Acton.
Darin tritt Actons entfremdete leibliche Mutter auf: Sie stellt die psychische Stabilität ihrer Tochter infrage und nennt sie eine Lügnerin. Das trifft in den Augen vieler tief unter die Gürtellinie: Acton wuchs in Armut, Instabilität und Gewalt auf. Ihr Stiefvater hatte die damals Zwölfjährige sexuell missbraucht und vergewaltigt. Sie und ihr Bruder kamen in staatliche Obhut. Seit 1978 haben sie ihre Mutter nicht mehr gesehen. Selbst Republikaner gehen nun auf Distanz. Donald Trump stellte sich dagegen demonstrativ hinter den Spot.
Am Early-Voting-Zentrum der Wahlbehörde von Franklin County in Columbus reagieren Caroline (26) und Mason (25) mit Wut auf den Fernseh-Spot. Dieser sei niveaulos, schlicht unangebracht. «Unsere Moral verfällt», sagt Caroline. Sie wäre zwar ohnehin wählen gegangen. Doch dieser Angriff bestätigte sie in ihrer Stimmabgabe: Ins Amt gehörten Menschen, «die wir auch menschlich respektieren».
Caroline (26) und Mason (25) sehen einen Wertezerfall im aktuellen Wahlkampf. Dem Wahlprozess an sich vertrauen sie aber.
Für Alea (28) geht es bei den Midterms gar nicht um Donald Trump. «Das hier ist lokal», sagt sie nach der Stimmabgabe. Sie wolle Kandidaten wählen, die wirklich ihre Stadt vertreten. «Es gibt vieles, was ich verändert sehen möchte. Deshalb ist es für mich wichtig, wählen zu gehen.» Dennoch hat sie Zweifel, ob ihre Stimme korrekt gezählt wird. «Ich hoffe es wirklich – in einer idealen Welt: ja.»
Für Alea geht es bei den Midterms weniger um Trump, sondern eher um lokale Angelegenheiten, die ihre Stadt betreffen.20min/Ann Guenter
Carter (28) lässt eine Frage nicht los: Wer regiert Amerika wirklich: die Wähler oder die Geldgeber aus der Wirtschaft? «Korruption ist für mich das wichtigste Wahlthema», sagt er. Er meint damit nicht Wahlfälschung, sondern die Macht von Konzernen, von Milliardären wie Elon Musk und anderen Superreichen, die politische Entscheide kaufen oder mindestens beeinflussen könnten. «Wir müssen unsere Stimme abgeben können, ohne dass sie auf korrupte Weise beeinflusst wird.»
Das Thema der politischen Korruption bewegt Ohio stark. Das hat auch mit Larry Householder zu tun, dem ehemaligen Präsidenten des Repräsentantenhauses von Ohio. Er wurde 2023 zu 20 Jahren Haft verurteilt wegen des so genannten HB-6-Skandals, eines Bestechungssystems rund um ein milliardenschweres Rettungspaket für Atomkraftwerke.
Für Carter ist das Thema Korruption eines der zentralsten im Wahlkampf um die Midterms.20min/Ann Guenter
Deswegen wollen er und seine Freundin Savannah (29) keine «Parteisoldaten» wählen. Sie suchen Kandidaten, die vor allem ihre Stadt Columbus vertreten. «Ich prüfe genau, wofür jemand steht, und ob dieser Mensch sich wirklich für die eigene Gemeinschaft einsetzt», sagt Savannah.
Carters Freundin Savannah will keine «Parteisoldaten» wählen, sondern Leute, die sich wirklich für Columbus, Ohio, einsetzen.20min/Ann Guenter
27.10.2026
Di 12:39
Vor zwei Jahren wählten sie Trump – und jetzt?
Beim Football-Spiel in Madison trifft 20-Minuten-Reporterin Carolin Teufelberger auch Eli, Calvin und Mark. Während viele andere am «Gameday» nichts von Politik wissen wollen, sehen die drei das anders.
Alle drei studieren hier, das eine oder andere Bier haben sie auch schon getrunken. Und ja, für Politik haben sie immer Zeit. «Eigentlich habe ich eher konservative Werte», erzählt Eli (21). Bei der letzten Präsidentschaftswahl habe er aber Kamala Harris gewählt.
Eli, Calvin und Mark vertreten traditionell republikanische Werte. Ob Donald Trump weiterhin ihre Wahl ist, darüber sind sie sich hingegen uneinig.20min/Carolin Teufelberger
Seine beiden Freunde schauen verdutzt. «Moment. Kamala?», schreien die beiden unisono. «Ja, ich habe für Kamala gestimmt», sagt Eli etwas eingeschüchtert. «Trump wurde mir zu extrem, er hat gar nicht mehr die traditionellen republikanischen Werte vertreten.» Calvin und Mark haben das offenbar nicht gewusst. Sie selbst haben ihr Kreuz bei Trump gemacht. «Dann sind wir wohl eine gespaltene Gruppe.»
«Er machte damit Wahlkampf, gegen Krieg zu sein. Jetzt sind wir im Krieg.»
Mit ihrer Stimme für Trump waren Calvin und Mark auf Wisconsins Campussen längst nicht allein. Bei der Präsidentschaftswahl 2024 legte er dort deutlich zu. Selbst rund um die Universität in Madison, wo die Demokraten weiterhin klar dominieren, verdoppelte er seine Stimmenzahl gegenüber 2020. US-weite Nachwahlbefragungen deuten darauf hin, dass vor allem junge Männer zu diesem Rechtsruck beitrugen.
Eli aber bereue seine Wahl nicht, wenn er sich die ersten zwei Jahre von Trumps Amtszeit anschaue. Vor allem der Krieg mit Iran beschäftige ihn. «Er hat Wahlkampf damit gemacht, gegen Krieg zu sein. Und jetzt sind wir in einem.» Das treffe ihn nicht nur ideologisch, sondern auch finanziell. «Uns alle», kommt es aus der Runde. «Eigentlich die ganze Welt», stimmt Eli zu.
«Uns geht es viel besser, als wenn Kamala Harris im Amt wäre»
Trotzdem heisse das nicht, dass er bei den Midterms einfach wieder die Demokraten wählen werde. Für die Gouverneurswahl habe er sich zunächst David Crowley angeschaut. Dessen Werbung, dessen Website, die Positionen. «Eigentlich wollte ich für ihn stimmen. Bis zur Debatte.» Danach sei er sich nicht mehr sicher gewesen. Crowley habe unvorbereitet gewirkt, sein republikanischer Gegner Tom Tiffany allerdings auch. «Ich will keinen von beiden als Gouverneur.» Wenn er sich entscheiden müsste, dann inzwischen wohl eher Tiffany. Vielleicht gehe er aber auch gar nicht wählen.
Am Gameday der «Badgers» hat Politik höchstens zweite Priorität.20min/Carolin Teufelberger
Calvin dagegen hat keine Zweifel, wo seine politische Loyalität liegt. Der 22-Jährige hat Trump gewählt und findet das weiterhin richtig. «Viel besser, als wenn Kamala im Amt wäre», sagt er. Und legt nach: «Das Land würde wahrscheinlich gar nicht mehr existieren, wenn sie Präsidentin wäre. Das ist meine Meinung.»
«Trump kümmert sich um die amerikanische Bevölkerung»
Dass Trump einige seiner Versprechen nicht gehalten habe, sehe er schon. Trotzdem überwiege für ihn das Positive. Calvin erzählt von Fabriken, die gebaut würden, von einem Bergbauprojekt, von neuen Jobs für Amerikaner. Harris hätte das seiner Meinung nach alles ins Ausland verlagert, weil es dort billiger sei. «Trump dagegen kümmert sich um die amerikanische Bevölkerung.» Bei den Midterms werde er deshalb wieder republikanisch wählen. «Ich wähle keine Sozialisten und Kommunisten.»
Sein Kumpel Mark steht daneben und zieht einen anderen Schluss. «Ich werde wahrscheinlich gar nicht wählen», sagt der 21-Jährige. «Ich vertraue der Regierung nicht mehr.» Auch er habe Trump wegen dessen Versprechen gewählt. «Er hat gesagt, dass es mit ihm keine neuen Kriege geben würde. Ein Jahr später hat er einen mit dem Iran begonnen.»
Das sei nur eines von vielen leeren Versprechen, die ihm die Lust daran genommen hätten, seine Stimme abzugeben. «Was hat es gebracht, wählen zu gehen?» Dass Trump Präsident ist, halte er dennoch für das kleinere Übel. Harris hätte es seiner Meinung nach nicht besser gemacht, gerade wirtschaftlich.
Trumps Bilanz? «Ziemlich beschissen»
Ganz anders klingt es bei Quinn (20) ein paar Strassen weiter. «Ich wähle einfach demokratisch», sagt er. «Egal, welcher Demokrat antritt, ich wähle ihn.» Das habe er bereits vor ein paar Tagen beim «Early Voting» getan. Anders als Eli, Calvin und Mark lässt er an Trump kein gutes Haar. Seine Bilanz der vergangenen knapp zwei Jahre? «Ziemlich beschissen, wenn ich ehrlich bin.»
Quinn zählt auf, was ihn wütend macht: Abschiebungen, der Umgang mit Menschen in Abschiebehaft, die Ausbeutung natürlicher Ressourcen. Er spricht schnell und flucht viel. Für ihn geht unter Trump so ziemlich alles in die falsche Richtung.
Ob er hoffe, dass sich die politische Stimmung nun verändere? «Wenn nicht, sind wir am Arsch», sagt er. «Ich weiss gar nicht, was ich sonst dazu sagen soll», sagt er schon halb auf dem Sprung. In wenigen Minuten beginnt das Spiel, er muss weiter ins Stadion. Für die nächsten Stunden hat Politik nun wirklich bei allen Sendepause. «Go Badgers!»
27.10.2026
Di 12:02
«They're eating the cats»: Herzlich willkommen in Springfield!
In den USA gibt es unzählige Springfields. Am bekanntesten ist das Springfield der Simpsons – obgleich unklar bleibt, in welchem Bundesstaat die gelben Comicfiguren wohnen sollen. Fast ebenso bekannt ist Springfield, Ohio. Die Kleinstadt machte 2024 international Schlagzeilen, als Donald Trump während des Wahlkampfs im nationalen TV behauptete: «They’re eating the cats, they’re eating the dogs.» Das war zwar nachweislich falsch, wie der Bürgermeister der Industriestadt, der republikanische Gouverneur von Ohio und auch die örtliche Polizei klarstellten.
Ab Sekunde 35: Donald Trump behauptete im ersten TV-Duell mit Kamala Harris 2024, die Migranten in Springfield ässen die Hunde und Katzen.20min
Doch der Schaden war angerichtet: In den USA wird der Name der Kleinstadt bis heute mit diesem Gerücht verbunden. Die Verbreitung dieser Falschmeldung hatte erhebliche Folgen für die einstige Industriestadt: Bis heute kommt es zu rassistischen Anfeindungen gegen die dortige haitianische Community, Neonazis marschieren auf, öffentliche Einrichtungen mussten wegen Bombendrohungen aus Sicherheitsgründen vorübergehend schliessen.
Woher stammt das Gerücht ursprünglich?
Das Gerücht über die «Hunde und Katzen essenden Haitianer» geht zum einen auf den Post einer lokalen Anwohnerin zurück. Erika Lee hatte Informationen über das vermeintliche Verschwinden einer Katze aus dritter Hand ungeprüft auf Facebook geteilt. Später distanzierte sie sich öffentlich von dem Post, den sie mit Blick auf die Folgen zutiefst bereute. Gleichzeitig scheint das Gerücht auch Auftrieb durch einen Vorfall rund um eine Drogensüchtige erhalten zu haben. Die Frau aus der Region habe im Rausch eine Katze getötet und gegessen, so erzählen es heute Einwohner aus Springfield. Verifizieren lässt sich das nicht – aber die Frau soll Amerikanerin, nicht Haitianerin gewesen sein. Und der Vorfall hat sich wohl in Canton, rund 280 Kilometer von Springfield entfernt, ereignet.
Sollte ein Motel nehmen, das mehr als 64 Dollar die Nacht kostet
«Zu teuer, zu teuer, einigermassen im Budget, oh, nur 64 Dollar?» Dank meines ausgeprägten unternehmerischen Denkens bleibe ich auf der Suche nach einer Unterkunft natürlich am letzten Angebot hängen. Endlich mal ein vernünftiger Preis für ein Motel ohne jegliche Standards. Sonst kosten nämlich auch diese rund 150 Dollar die Nacht.
Ich schau mir kurz die Sternebewertung an, die auch nicht schlechter ist als bei anderen Unterkünften, in denen ich bereits nächtigte. Fünf Minuten später ist die Bleibe gebucht. Noch einmal sieben Stunden später fahre ich mit meinem Mietauto vor. Als Erstes sticht mir eine LED-Werbung ins Auge, die ein Jacuzzi anpreist.
Der angekündigte Jacuzzi klingt für Carolin Teufelberger erst einmal verlockend. Bei 64 Dollar pro Nacht scheint das Angebot denn aber fast ein wenig zu gut, um wahr zu sein.20min/Carolin Teufelberger
Kurz stelle ich mir deswegen einen kleinen Spa-Bereich vor und freue mich. Aber weit gefehlt. Die einzige Unterhaltung, die mir hier geboten wird, spielt sich ab 19 Uhr unter meinem Fenster ab. Dort gibt es einen zweiten Eingang sowie einen lauschigen Sessel und eine an die Fassade gelehnte Matratze. Dieser Ort wird rege genutzt, um Drogen zu konsumieren oder zu verkaufen. Immer wieder fahren Autos vor, aus denen jemand aussteigt, von einer anderen Person in Empfang genommen und ins Haus begleitet wird.
Tatsächlich ist der Haken schnell gefunden: Das Motel dient als Drogenumschlagplatz, statt Spa-Bereich erwarten Carolin zwielichtige Gestalten und undefinierbarer Rauch, der durch die Fensterritzen zieht.20min/Carolin Teufelberger
Es folgt lautes Getrampel und fünf bis zehn Minuten später steigt Person 1 wieder ins Auto. So geht das die ganze Nacht, während immer mal wieder nicht identifizierbarer Rauch durch die Ritzen am Rande des einfach verglasten Fensters ziehen. Oder wie es User Shane in den Google-Rezensionen richtig sagt: «Wer hier übernachten will: viel Glück. Das ist einfach nur ein Drogenhotel für Dauergäste.»
Es ist Samstagabend, ganz Madison ist in Rot-Weiss gekleidet. Es ist «Game Day»! Das ansässige College-Football-Team, die «Wisconsin Badgers», empfängt heute die Gäste aus Südkalifornien, die «USC Trojans». Während ich auf der Suche nach einem Parkplatz verzweifelt durch Quartierstrassen fahre, fallen mir immer wieder Leute mit selbstgebastelten «Parking»-Schildern auf.
40 Dollar für einen improvisierten Parkplatz – Alex und Kelsey machen während des Footballspiels der Wisconsin Badgers in Madison einen kleinen Zusatzverdienst.20min/Carolin Teufelberger
Alex und Kelsey erklären mir die Tradition. «Während Spielen ist die Stadt voll, also lassen wir Anwohner Leute auf unseren Grundstücken parkieren.» 40 Dollar kostet dieser improvisierte Parkplatz heute. Die Preise seien aber dynamisch, je nach Wichtigkeit des Spiels oder Form des Teams, erklärt Kelsey. Für die beiden sei es ein netter Nebenverdienst, um das Haus zu renovieren – gerade in der aktuellen Wirtschaftslage. «Hier wohnen aber auch viele College-Studierende in WGs, die kaufen sich von den Einnahmen vor allem Bier», erklärt Alex und lacht. Dieses fliesst übrigens bereits den ganzen Tag in Strömen, wie sich unschwer in Gesprächen erkennen lässt: Die Aussprache ist unklar, der Gang wacklig, die Schreie dafür umso lauter. Wer fährt am Ende all diese parkierten Autos eigentlich wieder nach Hause?
Das Bier fliesst in Strömen: Gameday in Madison!20min/Carolin Teufelberger
USA ohne Auto? Kaum vorstellbar. Deshalb habe ich mir direkt bei der Ankunft am Flughafen Detroit einen grauen Ford Bronco geholt. Zwischen Interviews, Strassenumfragen und Schreiben am Laptop sitze ich also sehr oft im Fahrersitz.
Carolins Fortbewegungsmittel der Wahl: In den weitläufigen USA verbringt sie viel Zeit hinter dem Steuer ihres Ford Broncos.20min/Carolin Teufelberger
Dort sinniere ich nicht nur über mein Leben und die bevorstehende Aufgabe, sondern nerve mich in regelmässigen Abständen über die hier geltenden Verkehrsregeln. Allen voran: rechts überholen. Ja, in der Schweiz würde ich mir teilweise wünschen, dass es möglich wäre, wenn mal wieder jemand auf der linken Spur dahinschleicht, ohne jegliches Gefühl für die Aussenwelt. Aber wenn es auf dem Highway plötzlich zur Regel wird, dass links und rechts Autos vorbeiziehen, muss man sich tatsächlich noch einmal ganz anders konzentrieren. Vor allem fehlt es dadurch komplett an irgendwelchen Faustregeln. Denn mal ist wie gewohnt die linke Spur die schnellste, mal aber plötzlich auch ganz rechts. Ausserdem sind die unzähligen Lastwagen schön über alle Spuren verteilt. It makes no sense!
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27.10.2026
Di 11:16
Unsere Berichterstattung aus den USA
Die USA sind ein grosses Land und nicht überall werden die Rennen gleich spannend. Unsere Reporterinnen mussten sich deshalb erst überlegen, wo sie überhaupt hinfliegen und welche Geschichten sie vor Ort recherchieren wollen.
Für Ann Guenter ging es erst nach Ohio, genauer gesagt nach Springfield. In Ohio finden zwei grosse, national wichtige Rennen gleichzeitig statt. Der Bundesstaat galt lange als sogenannter Swing State, also als Staat, den keine der beiden grossen Parteien verlässlich für sich gewinnen kann. Zuletzt wurde Ohio aber deutlich republikanischer, Trump gewann den Staat 2024 deutlich. Im Senat versucht am 3. November der Republikaner Jon Husted seinen Sitz gegen den früheren demokratischen Senator Sherrod Brown zu verteidigen.
20-Minuten-Reporterin Ann Guenter ist in Springfield, Ohio, unterwegs. Am Mittwoch gehts an eine Trump-Rally.20min
Gleichzeitig ist in Ohio auch das Gouverneursrennen spannend. Amtsinhaber Mike DeWine darf wegen der Amtszeitbegrenzung nicht noch einmal antreten. Republikaner Vivek Ramaswamy trifft auf die Demokratin Amy Acton, frühere Gesundheitsdirektorin des Bundesstaats. Für die Demokraten wäre ein Sieg bemerkenswert: Sie haben das Gouverneursamt in Ohio seit 2006 nicht gewonnen.
Von Ann darfst du in den nächsten Tagen eine Reportage aus Springfield, einen Bericht über eine Trump-Rally, Interviews mit Wählerinnen und Wählern, die ihre Stimme beim Early Voting schon abgegeben haben und vieles mehr erwarten!
Carolin Teufelberger flog derweil nach Michigan, genauer gesagt nach Detroit, Michigans grösste Stadt. Dort hat sie in Mexicantown mit der Hispanics-Community über steigende Preise, ICE-Razzien und die Wahlen gesprochen. Kurz darauf hat sie in Wisconsin «Girls with Guns» getroffen, also Frauen, die mehrheitlich Trump wählen und eine grosse Affinität zu Schusswaffen haben. Ebenfalls wirst du von Carolin in den kommenden Tagen zu lesen bekommen, wie es den Farmern in Michigan geht, die traditionell republikanisch wählen, jetzt aber Probleme haben, weil sie auf illegale Einwanderer angewiesen sind, und sie hat sich vor einem grossen Walmart umgehört, ob die steigenden Preise die Menschen belasten.
Schon bald treffen sich die beiden Reporterinnen in Texas wieder. Dort stösst dann auch noch Melissa Greiter dazu. Die drei Reporterinnen werden aus Texas über die Wahlnacht berichten.
Carolin Teufelberger ist für 20 Minuten in Wisconsin und Michigan unterwegs. Bald gehts nach Texas, von wo die 20-Minuten-Reporterinnen die Wahlnacht begleiten werden.20min
Wir wollen vor Ort derweil herausfinden, wie es den Amerikanerinnen und Amerikanern geht, was sie über ihren amtierenden Präsidenten Donald Trump denken, welche Themen ihnen unter den Nägeln brennen und wie sie am 3. November wählen werden. Dafür sind die 20-Minuten-Reporterinnen Carolin Teufelberger und Ann Guenter in die USA gereist. Hier im Ticker beliefern sie euch mit Insights von ihrer Reise, Stimmen aus den USA, Reportagen, Porträts und Hintergründen. Herzlich willkommen!