Übersicht in ZahlenWie steht es um die umstrittensten Punkte in den US-Midterms?
Kosten, Gesundheit, Kriege, Ungleichheit und Migration: Bei den Zwischenwahlen in den USA sind für viele Wählerinnen und Wähler diese Themen entscheidend. 20 Minuten zeigt dir, wie es um diese Themen tatsächlich steht.
Darum gehts
- Über die Hälfte der Menschen in den USA sorgt sich, wie sie die Gesundheitskosten bezahlen soll.
- Die USA wählen bei den Zwischenwahlen einen Teil des Senats und des Repräsentantenhauses neu.
- Die Aktienmärkte erreichen Rekordwerte, doch Konsumentinnen und Konsumenten leiden unter hohen Preisen.
- Auch bei Republikanern beurteilen mehr Personen die Einwanderungsbehörde ICE negativ als im Vorjahr.
Die USA wählen bei den Zwischenwahlen einen Teil ihres Senats und ihres Repräsentantenhauses neu. Das könnte grosse Konsequenzen haben: Neue Mehrheiten könnten sich bilden, die Macht des US-Präsidenten gestärkt oder eingeschränkt werden. Bei der Entscheidung, wo sie auf dem Wahlzettel ihr Kreuzchen setzen, spielen manche Fragen für US-Amerikanerinnen und -Amerikaner eine besondere Rolle.
Dabei gibt es teils starke Unterschiede je nach Parteizugehörigkeit, wie die neuste Gallup-Umfrage zeigt. Auf die Gesamtbevölkerung gesehen lässt sich jedoch sagen, dass bei den Wählerinnen und Wählern besonders die Themen Wirtschaft, Gesundheitssystem, Krieg, Vermögensungleichheit und Migration entscheidend für die Wahlentscheidung sind. Klicke dich durch die folgenden Grafiken, um mehr über diese Punkte zu erfahren.
Was die Statistiken sagen und was nicht
Wirtschaft
In der Wirtschaft gibt es stark auseinandergehende Bilder. Zum einen verzeichnen die Aktienmärkte – und besonders US-Indizes wie der S&P 500 oder der Nasdaq – trotz globaler Unsicherheit und Krisen Rekordwerte. Anlegerinnen und Anleger sind also gewissermassen zuversichtlich in die US-Wirtschaft oder zumindest in viele ihrer grössten Unternehmen. Anders sieht es bei den Konsumentinnen und Konsumenten aus.
Das Thema Bezahlbarkeit ist auf beiden Seiten des politischen Spektrums zu einem Schlagwort geworden. Die Preise in den Vereinigten Staaten sind in den letzten Jahren deutlich angestiegen. Besonders die Teuerung an der Tankstelle und beim Essenseinkauf polarisiert im Diskurs.
Nicht nur sind viele Dinge des alltäglichen Lebens teurer geworden, die Löhne kommen nur schleppend hinterher. Generell sind der Arbeitsmarkt und die Löhne zwar noch immer grösstenteils wachsend, doch nicht mehr so stark wie in den Vorjahren. Die Arbeitslosigkeit steigt leicht.
Gesundheitssystem
Die Kosten für Medikamente oder einen Spitalbesuch sind in den USA bekannterweise sehr hoch. Angesichts der aktuell steigenden Preise machen sich über die Hälfte der Menschen Sorgen, wie sie die Gesundheitskosten bezahlen sollen. Die Ausgaben für das Gesundheitssystem machen einen immer grösseren Teil des Bruttoinlandsprodukts (BIP) aus.
Politisch dreht sich die Debatte dabei oft um die Krankenversicherung, die anders als in der Schweiz kaum gesetzlich geregelt ist. Der Anteil Personen, die weder privat noch öffentlich versichert sind, steigt gemäss ersten Untersuchungen 2026 wieder an. Doch auch bei denjenigen, die eine gewisse Form der Versicherung haben, ist noch lange nicht gesichert, dass sie viele der Kosten übernimmt.
Kriege
Erst am Wahltag wurde gemäss einem Regierungsvertreter bekannt, dass die US-Armee weitere Angriffe auf mutmasslich iranische Streitkräfte flog. Der Krieg im Nahen Osten ist selbst bei Republikanern und MAGA-Anhängern nicht durchgehend beliebt. Die darauffolgenden Kostenerhöhungen – etwa bei den Spritpreisen – und die humanitären Folgen kommen bei vielen US-Bürgerinnen und -Bürgern nicht gut an.
Trump ist angetreten als der Präsident, der die «Forever-Wars» – die immer weiter andauernden Kriege – beendet und die US-Armee nicht mehr weltweit aussendet. Seit Beginn seiner zweiten Amtszeit war das US-Militär an mindestens acht Standorten auf der Welt offensiv tätig. Politische Aufmerksamkeit bekommen dabei auch die steigenden Ausgaben.
Ungleichheit
Mit den steigenden Lebenshaltungskosten, welche die Bezahlbarkeit immer mehr in den Mittelpunkt stellen, erregt die Einkommens- und Vermögensungleichheit ebenfalls immer mehr Aufsehen. Besonders demokratische Kandidatinnen und Kandidaten präsentieren sich im Wahlkampf als Gegner der immer weiter fortschreitenden Ungleichheit.
Dass die Reichsten immer mehr des gesamten Vermögens besitzen, ist aber keineswegs erst seit Trumps zweiter Amtszeit der Fall. Berechnungen des Budget Labs an der Yale-Universität zeigen aber, dass von Trumps grössten politischen Massnahmen Besserverdienende stärker finanziell profitieren, während Menschen mit kleinem Einkommen eher leiden. Auch die aktuell hohen Energiepreise treffen verhältnismässig die Ärmsten am stärksten.
Migration
Das Thema Migration war schon zu Trumps erster Amtszeit eigentlich sein Steckenpferd. Die Nettomigration ist mit seinem zweiten Amtsantritt auch stark gesunken. Bei den gesamten Ausweisungen zeigt sich ein etwas komplizierteres Bild. Total hat die Vorgängerregierung unter Joe Biden eigentlich mehr Menschen aus dem Land ausgewiesen. Ein grosser Teil davon geht allerdings auf besondere Befugnisse während der Covid-Pandemie zurück.
Medial und politisch steht beim Thema Migration besonders die Einwanderungsbehörde ICE im Fokus. Seit Trumps zweiter Amtszeit verzeichnet diese deutlich mehr Festnahmen und setzt so eines von Trumps Wahlversprechen um. Doch das Vorgehen der Behörde kommt nicht unbedingt gut an.
Selbst unter Republikanern ist der Anteil der Personen, welche die Behörde negativ beurteilen, im Vergleich zum Vorjahr gestiegen. Besonders für Aufsehen sorgen dabei unter anderem Verhaftungen von Kindern, die seit Trumps neuer Amtszeit massiv angestiegen sind, oder Todesfälle von verhafteten Personen oder Demonstrierenden.
Wie blickst du auf die Lage in den USA in den letzten Jahren?
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Jan Janssen (jjn) arbeitet seit 2023 für 20 Minuten. Zuerst im Ressort Zürich und seit 2025 im Ressort News.
