Snowdens Flugrouten in die Freiheit

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Moskau-?-CaracasSnowdens Flugrouten in die Freiheit

Will Edward Snowden sein Exil in Venezuela antreten, muss er es erst dorthin schaffen. Viele Wege führen nach Lateinamerika – er kann zwischen teuren, gefährlichen und langen auswählen.

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Edward Snowden hat das Asylangebot aus Venezuela laut Wikileaks noch nicht angenommen. Sollte er sich dazu entschliessen, muss er einen Weg in das südamerikanische Land finden. Kein einfaches Unterfangen, wie die Episode mit der erzwungenen Landung des bolivianischen Präsidenten Evo Morales in Wien gezeigt hat. Seit Tagen werden im Internet teils abenteuerliche Reiserouten ausgeheckt, die Snowden mehr oder weniger sicher vom Transitbereich in Moskau ins lateinamerikanische Exil bringen. Halbwegs ernst zu nehmen sind derer drei.

Moskau-Havanna

Der einzige direkte Linienflug von Moskau Richtung Lateinamerika ist und bleibt Havanna. Sollte Snowden von Venezuela entsprechende Reisedokumente bekommen, wäre Aeroflot Flug 150 keine schlechte Option: Die Route führt zwar über USA-freundliche Staaten wie Schweden, Norwegen, Kanada – und sogar die USA selbst. Doch eine Maschine der staatlichen russischen Fluggesellschaft Aeroflot fliegt in einer anderen Liga wie die bolivianische Präsidentenmaschine. Sie zur Landung zu zwingen, käme einer Provokation gegen den Kreml gleich. Selbst Washington dürfte sich einen solchen Schritt zweimal überlegen.

Moskau-Havanna «arktisch»

Um Abfangszenarien bestmöglich zu vermeiden, wäre eine Flugroute nötig, die ausschliesslich über russischen und kubanischen Luftraum sowie internationale Gewässer führt. In den vergangenen Tagen tauchte immer wieder folgendes Szenario auf: Von Moskau Richtung Norden über das arktische Meer, dann Richtung Südwesten über den Atlantik nach Kuba. Nachteil: Aeroflot wird seine Flugroute nicht wegen Snowden anpassen. Also müsste ein teurer Privatjet gechartert werden. Aufgrund des langen Abschnitts über offenem Meer ist es auch eine gefährliche Variante. Zudem gibt es nur sehr wenige Kleinflugzeuge, welche über 11'000 Kilometer ohne Zwischenlandung zurücklegen könnten.

Moskau-Wladiwostok-Managua

Wer sagt denn, dass das Heil immer im Westen liegen muss? Snowden könnte Russland auch an dessen Ostgrenze verlassen. Dazu müsste er zunächst von Moskau nach Wladiwostok fliegen. Dann mit einem Privatflugzeug über den Pazifik ins nächstgelegene befreundete Land: Nicaragua, das dem Whistleblower ebenfalls Asyl angeboten hat. Linienflüge zwischen Nicaragua und Venezuela existieren zwar keine, doch die beiden befreundeten Präsidenten Daniel Ortega und Nicolás Maduro würden schon eine Lösung finden. Nachteil: Soll US-Luftraum vermieden werden, wird die Route sehr lang und führt über den Ozean. Daher dieselben Probleme wie bei der «arktischen» Variante Moskau-Havanna.

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