WHO«Ebola ist eine Notlage globaler Reichweite»
Seuchen-Experten der WHO erklären die Ebola-Epidemie in Westafrika zum internationalen Gesundheitsnotfall. Die Organisation erlässt nun weltweit Vorschriften zur Eindämmung der Epidemie.
Die Ebola-Epidemie in Westafrika ist zum Internationalen Gesundheitsnotfall erklärt worden. Die Einschätzung wurde einstimmig von den Viren- und Seuchen-Experten des Notfall-Komitees der zuständigen Weltgesundheitsorganisation (WHO) getroffen.
«Ebola ist eine Notlage mit globaler Reichweite», das teilte die WHO am Freitag in Genf mit. Damit kann die Organisation jetzt weltweit Vorschriften zur Eindämmung des Ebola-Ausbruchs erlassen. Möglich sind unter anderem Quarantäne-Massnahmen wie die Schliessung von Grenzen sowie Einschränkungen im internationalen Reiseverkehr.
Massnahmen gegen internationale Ausbreitung
WHO-Generaldirektorin Margaret Chan gab bekannt, das sie die Empfehlungen des Notfall-Komitees vollständig angenommen hat und damit als weltweit völkerrechtlich verbindliche Gesundheitsvorschriften in Kraft setzt.
«Alle Massnahmen sind darauf gerichtet, eine weitere internationale Ausbreitung (von Ebola) zu verhindern», sagte sie bei einer Medienkonferenz in Genf. Um die Verbreitung der Krankheit zu stoppen, sei eine aussergewöhnliche Reaktion erforderlich, erklärte die WHO. Die Ebola-Epidemie - die bislang grösste und längste in der Geschichte - sei besorgniserregend genug, um zu rechtfertigen, dass sie zu einem internationalen Gesundheitsnotfall erklärt werde.
Kein lizenziertes Mittel gegen das Virus
Ähnliche Notstände hatte die WHO für den Ausbruch der Schweinegrippe 2009 und der Kinderlähmung im Mai ausgerufen. Die aktuelle Ebola-Epidemie hatte im März in Guinea begonnen und sich auf Sierra Leone und Liberia ausgebreitet. Derzeit gibt es kein lizenziertes Behandlungsmittel oder einen Impfstoff gegen das gefährliche Virus. Die Todesrate liegt bei rund 50 Prozent.
WHO-Chefin Margaret Chan sagte, die Ankündigung vom Freitag sei «ein deutlicher Ruf nach internationaler Solidarität». Die betroffenen Länder hätten «nicht die Kapazität, selbstständig mit einem Ausbruch dieser Grösse und Komplexität fertig zu werden», sagte sie auf einer Pressekonferenz in Genf. Sie rief die internationale Gemeinschaft auf, die nötige Hilfe so schnell wie möglich bereitzustellen.
Ebola-Risiko in Europa sehr gering
Die Menschen in Europa müssen sich nach Einschätzung der EU-Kommission wenig Sorgen um eine Ansteckung mit dem Ebola-Virus machen. Das Risiko für Bürgerrinnen und Bürger in der EU sei «äusserst gering», teilte EU-Gesundheitskommissar Tonio Borg am Freitag in Brüssel mit. «Dies liegt sowohl daran, dass es bei relativ wenigen Menschen, die in die EU reisen, wahrscheinlich ist, dass sie mit dem Virus infiziert sind.» Zudem sei für eine Ansteckung direkter Kontakt mit den Körperflüssigkeiten eines Erkrankten nötig.