Wie eng sind die Bande von Trump und Putin?

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Der «russische» KandidatWie eng sind die Bande von Trump und Putin?

Experten schlagen Alarm: Putin-Bewunderer Donald Trump könnte die Architektur der Weltpolitik umstürzen – und Europa preisgeben.

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Donald Trump und Wladimir Putin stehen sich so nahe, dass sogar schon Sweatshirts mit «Trump Putin '16» gedruckt wurden. (7. Februar 2016)
Trump hat mehrfach seine Bewunderung für Putin ausgedrückt. Der republikanische Präsidentschaftskandidat billigt zum Beispiel die Annexion der Krim-Halbinsel durch Russland. (29. Juli 2016)
Umgekehrt hat auch der russische Präsident gesagt, Trump sei talentiert. (26. Juli 2016)
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Donald Trump und Wladimir Putin stehen sich so nahe, dass sogar schon Sweatshirts mit «Trump Putin '16» gedruckt wurden. (7. Februar 2016)

AP/David Goldman

Die Wahlberichterstattung in Amerikas Medien dreht sich momentan vor allem um Donald Trumps Beleidigung der Familie eines im Irak-Krieg gefallenen muslimischen US-Soldaten. Mehr Beachtung, glauben Fachleute, verdiente die unheimliche Nähe des republikanischen Kandidaten für die US-Präsidentschaft zum russischen Machthaber Wladimir Putin.

Wie eng sind die Verbindungen wirklich? In Interviews der letzten Tage äusserte sich Trump widersprüchlich. Doch dies sind die wichtigsten Hinweise:

Persönliche Bewunderung: Trump lobt Putins Stärke als Staatsoberhaupt. Wie «Slate» nachzeichnet, sagte er schon 2007 auf CNN: «Schau, was Putin mit Russland tut – ich meine, was da abgeht. Ich meine, dieser Typ – ob man ihn mag oder nicht – hat einen grossartigen Job gemacht.» Vielleicht reagiert Trump vor allem auf Schmeicheleinheiten seitens Putin, der ihn einmal als «sehr talentiert» bezeichnete. Da kann Trump nicht anders: «Ein Typ nennt mich ein Genie und ich soll ihn ablehnen? Ich werde mich nicht von ihm lossagen.»

Geschäfte in Russland: Fünfmal hat Trump laut «Slate» Projekte in Russland aufzugleisen versucht. Sie reichen von Hotels, Apartmentkomplexen bis zu Sportanlagen, blieben aber alle auf dem Papier. Konkretisiert hat er eine Miss-Universum-Ausscheidung in Moskau und die Lizenzierung seines Namens für einen «Trump Super Premium Wodka». Treiber seines Interesses war die Überzeugung, dass Russland «einer der heissesten Orte für Investitionen» sei. Zudem hat Trump seit seinen Konkursen von 2004 in den USA keine Kreditwürdigkeit mehr. Also suchte er Geldgeber unter Russlands Oligarchen.

Paul Manafort: Trumps Wahlkampfmanager Paul Manafort stand bis 2014 als Stratege im Dienst von Viktor Janukowitsch, dem ukrainischen Premierminister von Moskaus Gnaden. Nach dessen Sturz in der Orangen Revolution von 2005 organisierte Manafort seine Rückkehr an die Macht. Auf Manafort geht womöglich zurück, dass Trump amerikanische Waffenlieferungen an die Ukraine aus dem neuformulierten Programm der republikanischen Partei streichen liess.

Russenfreundliche Berater: Zu den weiteren aussenpolitischen Beratern Trumps zählt der Investmentbanker Carter Page, der früher den russischen Staatskonzern Gazprom beriet. Der einstige Geheimdienstler Generalleutnant Michael Flynn feierte in Moskau das zehnjährige Jubiläum von «Russia Today». Der frühere Reagan-Offizielle Richard Burt gilt als Kritiker der Nato und befürwortet eine Kooperation mit Putin.

Gängige Praxis Putins: Es erregte Erstaunen, als vor zehn Tagen die Wahlkampfcomputer der demokratischen Partei offensichtlich von russischen Eindringlingen gehackt wurden. Für Geheimdienstexperten war die Attacke auf die Partei von Trumps Rivalin Hillary Clinton aber keine Überraschung. In der Vergangenheit unterstützte Putins Russland rechtsgerichtete Kräfte in Europa wie den Front National in Frankreich und Italiens Silvio Berlusconi. «Warum», fragt «Slate» zum Thema Trump, «sollten die Russen ihm nicht dieselbe heimliche Hilfe gewähren, die sie Le Pen, Berlusconi und den anderen zukommen liessen?»

Keine Diskussion von Trumps Ideen

In den letzten Tagen hat Trump die Annexion der Krim-Halbinsel als legitim gutgeheissen und die Verpflichtung zum militärischen Beistand innerhalb der Nato-Allianz in Frage gestellt. Solche neuen Töne für die Russlandpolitik fanden in den USA wenig Fans. Einzig der Russlandforscher Stephen Cohen sagte auf CNN, Trumps Ideen für eine Beendigung des «neuen Kalten Kriegs» mit den USA seien ernst zu nehmen. «Wir nähern uns einer an die Kuba-Krise erinnernden Nuklearkonfrontation mit Russland, und das wird in den amerikanische Medien überhaupt nicht debattiert», ärgerte sich Cohen.

Die vorherrschenden Kommentare zur Sympathie Trumps für Putin sind scharf ablehnend. Anne Applebaum, eine aussenpolitische Kommentatorin der «Washington Post», betrachtet das weltpolitische Risiko einer Trump-Präsidentschaft wegen der Putin-Bande für gigantisch. Der Republikaner «scheint darauf aus, die Allianzen zu zerstören, die den internationalen Frieden und die Macht Amerikas bewahren», schreibt sie. Applebaum fordert unzweideutig: «Wir müssen Hillary Clinton zur Präsidentin wählen.»

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