Holt Trump zum grossen Schlag gegen Assad aus?

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Krieg in SyrienHolt Trump zum grossen Schlag gegen Assad aus?

Nach dem Giftgasangriff auf Duma hat der US-Präsident Syrien mit Konsequenzen gedroht. Wie könnten diese aussehen? Ein Überblick.

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Ein Flugabwehrrakete erleuchteten den Himmel über Damaskus: Die USA, Frankreich und Grossbritannien haben in der Nacht auf Samstag Syrien angegriffen.
Es waren Explosionen am Stadtrand von Damaskus zu hören.
Der Militäreinsatz der Westmächte in Syrien ist nach Angaben des US-Verteidigungsministeriums generell ein Schlag gegen die Infrastruktur der chemischen Waffenproduktion des Landes gewesen.
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Ein Flugabwehrrakete erleuchteten den Himmel über Damaskus: Die USA, Frankreich und Grossbritannien haben in der Nacht auf Samstag Syrien angegriffen.

Keystone/Hassan Ammar/AP

Zusammen mit Frankreichs Präsident Emmanuel Macron hat US-Präsident Donald Trump am Montag deutlich gemacht: Der mutmassliche Chemiewaffenangriff in Syrien werde eine «starke Reaktion» zur Folge haben. Kurz zuvor hatte er gesagt, er wolle binnen 24 bis 48 Stunden eine Entscheidung hinsichtlich eines möglichen militärischen Vorgehens verkünden. Eine Entscheidung werde noch in der Nacht zum Dienstag «oder kurz danach» getroffen, so Trump. Keine Option sei «vom Tisch», betonte er. Aber welche Optionen hat der US-Präsident?

Option 1: Der diplomatische Weg

Die USA könnten sich nach Einschätzung der BBC dafür einsetzen, dass nicht nur gegen Syrien, sondern auch gegen dessen Verbündete Russland und Iran Sanktionen verhängt werden. Diplomaten zufolge wollen die USA den Uno-Sicherheitsrat abstimmen lassen, um eine neue Untersuchung des Vorfalls in Duma durchzusetzen. Ein Veto Russlands, eines der ständigen Mitglieder im Sicherheitsrat, ist aber wahrscheinlich. Die USA hatten am Montag einen Resolutionsentwurf vorgelegt, in dem ein neuer «unabhängiger Untersuchungsmechanismus der Vereinten Nationen» zu Chemiewaffeneinsätzen gefordert wird. Russland lehnte das Vorhaben umgehend ab.

Option 2: ein begrenzter Angriff

Bereits vor einem Jahr, nach dem Giftgasangriff auf Chan Scheichun, hatten die USA reagiert: Sie bombardierten einen syrischen Luftwaffenstützpunkt. Was als Warnschuss gedacht war, um künftige Giftgaseinsätze zu verhindern, scheint aber nicht funktioniert zu haben. Wahrscheinlicher ist daher die dritte Option.

Option 3: ein grösserer Militäreinsatz

Es gebe eine Menge militärischer Optionen, sagte Trump am Montag. US-Regierungsvertreter sagten zur Nachrichtenagentur Reuters, die USA strebten im Falle eines Militäreinsatzes eine Kooperation mit Partnern an. Experten zufolge würden dafür etwa Frankreich oder Grossbritannien in Frage kommen. Ziel könnte der BBC zufolge sein, Syriens Luftwaffe zu schwächen, die mumasslich für den Giftgaseinsatz verantwortlich ist. Die Frage ist, wie weit mögliche Alliierte zu gehen bereit sind.

Die Risiken

Entschliessen sich die USA zu einem grösseren militärischen Angriff, riskieren sie die Ausweitung des Konflikts und eine weitere Verschlechterung ihrer Beziehungen zu Russland. Moskau warnte Washington vor einer Reaktion auf den mutmasslichen Giftgaseinsatz. Der Trump-Regierung sei mitgeteilt worden, dass ein US-Militärschlag «schwerwiegende Folgen» hätte, sagte der russische Uno-Botschafter, Wassili Nebensia, am Montag vor dem Uno-Sicherheitsrat.

Ein Militäreinsatz steht ausserdem im Widerspruch zu dem, was die USA erst vor wenigen Tagen ankündigten: einen raschen Abzug von US-Truppen aus Syrien, nachdem die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) dort besiegt worden ist. Wie Trump dieses Dilemma lösen will, bleibt abzuwarten.

(mlr/sda)

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