Moskau soll Brisantes über Trump haben

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Privatleben und FinanzenMoskau soll Brisantes über Trump haben

Russland verfügt laut Medienberichten über kompromittierende Informationen über das Privatleben und die Finanzen des künftigen US-Präsidenten.

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US-Geheimdienstler behaupten, Donald Trump sei in einem Moskauer Hotel vom russischen Geheimdienst FSB bei einer Sexorgie gefilmt worden und deshalb erpressbar.
Hält nichts von den Berichten: der künftige US-Präsident Donald Trump.
Moskau dementiert, belastendes Material gegen Trump in der Hand zu haben. Im Bild: Russlands Präsident Wladimir Putin.
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US-Geheimdienstler behaupten, Donald Trump sei in einem Moskauer Hotel vom russischen Geheimdienst FSB bei einer Sexorgie gefilmt worden und deshalb erpressbar.

Keystone/AP Photo/Evan Vucci

Verschiedene amerikanischen Medien berufen sich bei ihren Berichten von Dienstag auf ein Memo der US-Geheimdienstchefs. Laut dem zweiseitigen Dokument verfügt Moskau über Informationen zum Privatleben und den Finanzen des designierten Präsidenten Donald Trump, wie der Fernsehsender CNN berichtete. Die US-Geheimdienste hätten das Material zwar als «nicht substanziell» eingestuft. Sowohl Trump als auch der scheidende Amtsinhaber Barack Obama seien aber informiert worden.

In den Memos geht es nach Informationen der «New York Times» um Sexvorwürfe im Zusammenhang mit Moskauer Prostituierten im Jahr 2013. Darin heisst es, Trump habe die Präsidentensuite des Ritz Carlton Hotels gebucht, in der Barack und Michelle Obama zuvor übernachtet hätten. Trump habe mehrere russische Prostituierte auf sein Zimmer bestellt, die sogenannte «Golden Showers» – also sexuelle Pinkelspiele – auf dem Bett ausüben sollten.

Austausch zwischen Trump-Team und Russland

Bei einem Telefonat hatte ein Mitarbeiter von Hillary Clinton gegenüber 20 Minuten behauptet, Trump sei in einem Moskauer Hotel vom russischen Geheimdienst FSB bei einer Sexorgie gefilmt worden und deshalb erpressbar. Der Mitarbeiter offerierte Einzelheiten, ohne jedoch Beweise für die Behauptungen vorzulegen.

Mit Berufung auf verschiedene anonyme Quellen berichtete CNN zudem, dass es dem Memo zufolge während des US-Wahlkampfs einen Austausch zwischen dem Trump-Team und den Russen gegeben haben soll. Ferner sollen auch Informationen zu Trumps Geschäftsbeziehungen nach Russland enthalten sein.

Für Trump nur «Falschinformationen»

Die angeblichen russischen Informationen über den gewählten US-Präsidenten seien von einem früheren Agenten des britischen Geheimdienstes MI-6 an die US-Behörden übermittelt worden, hiess es bei CNN. Die frühere Arbeit dieses Agenten werde von US-Geheimdienstmitarbeitern als vertrauenswürdig eingestuft.

Die US-Bundespolizei lehnte einen Kommentar dazu ab. Trump nannte die Berichte auf Twitter «Falschinformationen» und sprach von einer «totalen politischen Hexenjagd». Der gewählte Präsident wollte am Mittwoch seine erste Pressekonferenz seit seinem Wahlsieg von Anfang November geben.

Die US-Geheimdienste werfen Russland vor, sich mit Cyberattacken in den US-Präsidentschaftswahlkampf eingemischt zu haben, um der Demokratin Hillary Clinton zu schaden und Trump zu begünstigen. Wegen dieser mutmasslichen Einmischung verhängte der scheidende Präsident Obama eine Reihe von Sanktionen gegen Moskau.

Milde Haltung

Trump dagegen zog die Geheimdiensterkenntnisse über die mutmasslichen russischen Hackerattacken in Zweifel. Er hatte sich im Wahlkampf immer wieder lobend über die Führungsstärke des russischen Staatschefs Wladimir Putin geäussert und will die Beziehungen zu Russland verbessern. Seine milde Haltung gegenüber Moskau hatte in den vergangenen Monaten Spekulationen ausgelöst, dass Trump möglicherweise geheimgehaltene Geschäftsinteressen in Russland habe oder dort in einer anderen Weise kompromittiert sein könnte.

Träfen die Vorwürfe zu, dass es Absprachen zwischen der Trump-Kampagne und Russland gegeben habe und die Unabhängigkeit des angehenden Präsidenten dadurch kompromittiert sei, dann wäre dies «schockierend» und «explosiv», sagte der Senator Chris Coons von den Demokraten zu CNN.

Trumps Übergangsprozess in der Kritik

Eine Mehrheit der Amerikaner ist ausserdem nicht damit einverstanden, wie der zukünftige US-Präsident den Übergangsprozess in sein Amt gestaltet. Das geht aus einer Umfrage des Washingtoner Pew Research Centers hervor.

55 Prozent der Befragten kritisieren die Art, wie Trump seine Pläne zur Zukunft des Landes darstellt. Weiterhin schätzen 58 Prozent seine Art als zu impulsiv ein, als dass er wichtige Entscheidungen treffen könnte. Zudem ist eine Mehrheit der Amerikaner nicht mit Trumps Verhalten im Umgang mit seiner Steuererklärung einverstanden. Die meisten Befragten sehen ihn in der Verantwortung, diese zu veröffentlichen. Für US-Präsidenten ist dieser Schritt üblich, Trump verweigert ihn bisher.

Ein weiterer Punkt, den ein grosser Teil der Öffentlichkeit kritisiert, ist das Verhältnis des Immobilienmilliardärs Trump zur Wirtschaft: 57 Prozent der Befragten haben Bedenken, wie er sich von seinen Wirtschaftsinteressen als Präsident abgrenzen will und schauen besorgt auf seine Beziehungen zu Organisationen, Unternehmen oder ausländischen Regierungen. (chk/pat/sda)

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