Verteufeltes OS?«Windows 10 wird zu Recht kritisiert»
Interpretieren Kunden den Endnutzer-Lizenzvertrag falsch, oder woran liegt es, dass Windows 10 in ein solch schlechtes Licht gerückt wird?
Microsofts neues Betriebssystem Windows 10 ist kein Einzelfall: Wird ein neues Betriebssystem veröffentlicht, lassen kritische Äusserungen und Sicherheitswarnungen nicht lange auf sich warten. Allerdings macht es den Anschein, als würden neue Microsoft-Betriebssyteme traditionell schärfer kritisiert als die OS anderer Anbieter, schreibt Wparea.de und liefert fünf «falsche» Mythen über Windows 10.
Ist alles nur haltlose Angstmache seitens Community, Experten und Medien, oder ist im Umgang mit Windows 10 tatsächlich erhöhte Vorsicht geboten?
Kritik ist gerechtfertigt
Obwohl Betriebssysteme wie OS X von Apple in den letzten Jahren im Aufwind sind, ist Microsofts Windows nach wie vor das dominierende weltweit. «Deshalb erhält es auch entsprechend grosse Aufmerksamkeit von Nutzern und Medien,» sagt der auf IT-Recht spezialisierte Anwalt Martin Steiger. Allerdings scheint ihm die Aufmerksamkeit bei vergleichbaren Problemen von Apple und Google nicht geringer zu sein.
«Windows 10 wird zu Recht kritisiert», so Steiger, «denn es fehlt in fast jeder Hinsicht an Datensparsamkeit.» Wer die standardmässige Express-Konfiguration nutze, übertrage so automatisch viele persönliche Daten an Microsoft und dessen Clouddienste. Mehr noch: «Microsoft versäumt es dabei, diese Daten so sicher wie möglich zu übertragen.»
Der Rechtsanwalt warnt diesbezüglich vor allem vor sogenannten Man-in-the-Middle-Attacken. Hierbei unterbricht ein Angreifer auf einem öffentlichen Netzwerk die Kommunikation zwischen Browser und Website. So kann er den aktuell laufenden Datenverkehr überwachen und protokollieren.
Welchen Wert haben persönliche Daten?
Viele Nutzer würden für Windows 10 nicht mit Geld, sondern mit ihren persönlichen Daten bezahlen. Diesen «Deal» hält Martin Steiger für problematisch, «weil die Nutzer weder den Wert ihrer persönlichen Daten kennen noch die Verwendung dieser überblicken können». Steiger wünscht sich, dass Microsoft gemäss dem Opt-in-Prinzip (siehe Box) ausdrücklich um die Zustimmung zur Übertragung persönlicher Daten bitten würde.
Kommt dazu, dass die Datenschutzerklärung (wie bei anderen Anbietern auch) unübersichtlich und enorm umfangreich ist. «Opt-out-Möglichkeiten sind zwar vorhanden, aber nicht vollständig, und man muss sie verstreut in den Einstellungen suchen», so Steiner. Zudem räume sich der Konzern weitgehend Rechte zur Sammlung fast aller Daten im Zusammenhang mit der Nutzung von Windows 10 ein.
Kunden sind an Windows 10 gebunden
Natürlich sei Microsoft mit seinem «wenig datenschutzfreundlichen Geschäftsmodell» nicht allein, führt Steiger aus. «Das ist aber kein überzeugendes Argument gegen Kritik.» Andererseits hätten die meisten Nutzer faktisch gar nicht die Möglichkeit, auf ein anderes Betriebssystem zu wechseln. Wer Windows 10 und andere datenhungrige Angebote nutze, könne letztlich nur darauf hoffen, dass die gesammelten Daten nicht missbraucht würden. «Im Zeitalter umfassender Medienüberwachung ist diese Hoffnung allerdings lebensfremd – auch in der Schweiz», so Martin Steiger.
Opt-in vs. Opt-out:
Bei «Opt-in» muss ein Endverbraucher ausdrücklich seine Zustimmung geben, wenn ein Anbieter dessen Daten übermitteln will.
«Opt-out» bezeichnet das Gegenteil: Hierbei werden Nutzerdaten ungefragt übermittelt, und der Endverbraucher muss von sich aus aktiv werden, sollte er damit nicht einverstanden sein.