Brutale Doktorspiele mit Bikini-Zombies

Aktualisiert

«Dead Island» im TestBrutale Doktorspiele mit Bikini-Zombies

Kreischende Zombies in Badeanzügen, jede Menge brutale Waffen und literweise Blut. «Dead Island» ist bei Weitem nicht das perfekte Game – beinahe aber das perfekte Zombiegame.

P. Toggweiler
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P. Toggweiler

Eigentlich sieht sie ziemlich gut aus: lange Beine, sexy Kurven und das alles in wenig Stoff. Wäre da nicht die hässliche Fratze und das Brecheisen in ihrer Hand, würde ich Madame zum Eis einladen. Madame ist aber nicht nach kalter Süssspeise. Ihr ist viel mehr nach meinem Fleisch, denn Madame ist ein Zombie aus «Dead Island». Und deshalb trete ich ihr erstmal ins Gesicht.

Danach seziere ich ihr mit meiner selbst gebastelten Elektro-Machete zwei, drei Extremitäten um ihr schlussendlich mit einem Baseballschläger die Rübe platzen zu lassen. Literweise Blut färbt den weissen Sand des Traumstrands rot. Im Hintergrund thront ein tropisches Ferienparadies über türkisblauem Meer. «Dead Island», ein Open World First Person Hack & Slay mit Rollenspielelementen, ist extrem brutal. Und das genau mag ich an diesem Spiel.

Untote als perfekte Opfer

Die Story ist schnell erzählt. Aus unerfindlichen Gründen bricht auf der wunderschönen Ferieninsel Banoi eine Zombieepidemie aus. Überraschung: Es gilt das Inferno zu überleben und diverse Aufgaben und Quests zu lösen. Wie bei jedem guten Spiel sollte aber nicht das Was, sondern das Wie im Vordergrund stehen. Und das tut es bei «Dead Island».

Es gibt gewisse Vorteile bei Zombiegames: Niemand hebt den Mahnfinger, wenn einem Untoten das Knie durchgetreten wird. Niemand schreit auf, wenn einer von einem Rasenmäher zerfleddert wird. Zombies haben keine Lobby. Und das macht sie zu idealen Opfern von so etwas wie «gesellschaftsfähiger» Gewalt. Gewalt die so grotesk ist, dass man darüber herzhaft lachen kann.

Schwarzer Humor

Von einem guten Zombiegame erwarte ich deshalb in erster Linie mannigfaltige Tötungsvarianten mit einem Schuss makabrer Komik. Und genau das erfüllt «Dead Island» hervorragend: Zum einen wäre da das tarantinoesque Waffenarsenal: Rohrzangen, Macheten, Holzlatten, Eisenstangen – es hat was für jedermann. Und was es nicht hat, kann gebastelt werden. Mein persönlicher Favorit: Der mit Nägeln gepimpte Baseballschläger.

Zum anderen wäre da eine gelungene Ballance aus Notwehr und Sezierlektionen. Während bei Gruppenangriffen Hektik aufkommt, darf man sich für einzelne Zombies etwas mehr Zeit nehmen. Einen ordentlichen Tritt in den muffigen Allerwertesten und schon liegt der Zombie auf dem Boden. Und liegen Zombies erstmal, kommen sie derart langsam wieder auf die Beine, dass man sich in der Zwischenzeit genüsslich entscheiden kann, ob man nun den Unterschenkel amputieren, oder zum finalen Genickschlag ausholen will. Ein echter Spass.

Wenn auch beim dreihundertsten Zombiekopf, der durch die Luft fliegt ein Schmunzler nicht unterdrückt werden kann, dann hat der Entwickler irgend etwas richtig gemacht. Clever auch der Einbau von Rollenspielelementen. Mit zusätzlicher Erfahrung lässt es sich noch variantenreicher Hälse brechen – und auch das Waffenarsenal wird dank Eigenbauwaffen immer grösser. Noch nie wurde das Wesentliche eines Zombiegames derart gut abgedeckt wie bei «Dead Island».

Weit davon entfernt vom perfekten Game

Leider gibt es auch weniger Schönes von «Dead Island» zu berichten: Gerade bei einem Spiel mit einem solch hohen Grölfaktor, ist das Weglassen eines Split-Screen-Modus ein vergeigter Elfmeter. Gemeinsames Zombiekillen gibt es nur per LAN oder Internet.

Auch nervt die unverzichtbare Untersucherei von Koffern, Abfalleimern und Schränken. Das Speichersystem gibt Rätsel auf und viele der Objekte sind unbeweglich und wirken wie in die Landschaft betoniert. Wieso kann ich einem Zombie keinen Liegestuhl oder Barhocker anwerfen?

Fazit: Kaufen

Mir fällt es leicht, über die doch zahlreichen negativen Punkte des Spiels hinwegzusehen – einfach weil ich mich kindlich darüber amüsieren kann, ein Zombie, dem ich die Extremitäten abgeschnitten habe, im Hotelpool zu ersäufen. Bei einem allfälligen zweiten Teil wäre ich allerdings nicht mehr so grosszügig – wenigstens Splitscreen-Koop sollte möglich sein. Wer ein Spiel im Stil der Filme von George A. Romero will – kultig und trashig - ist mit «Dead Island» bestens bedient. Wer allerdings schon beim Blutspenden gegen die Ohnmacht kämpfen muss, sollte die Finger von diesem Game lassen.

«Dead Island» gibt es für PC, PS3 und Xbox 360 ab 18 Jahren

Der fast schon legendäre «Dead Island»-Trailer

(Video: YouTube)

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Patrick Toggweiler ...

... spielt seit Tombstone City auf dem TI-99 oder seit fast drei Jahrzehnten Videospiele. Zu seinen Lieblingstiteln gehören «Bubble Bobble», «Ultima 6», «Total Annihilation» und «God of War».

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