Kim Schmitz' neuster CoupDie Rache des Riesenbabys
Kim Dotcom drohen viele Jahre Knast. Dem Internet-Tausendsassa ist das egal. Er provoziert mit einem neuen Gratis-Dienst. Folgt auf das MegaUpload-Imperium die MegaBox-Revolution?
Er ist ein Mann, der keine Ruhe findet. Das mag mit seinem schwierigen Start ins Leben zu tun haben. Kim Schmitz wuchs in der norddeutschen Stadt Kiel als Sohn eines Deutschen und einer Finnin auf. Der Vater war Alkoholiker - der Sohn flüchtete sich in eine Fantasiewelt, in der er vom übergewichtigen Teenager zum geheimnisvollen Superhacker mutierte.
Es blieb nicht bei kleinen Betrügereien und jugendlichen Allmachtsfantasien. Der intelligente junge Mann schuf mit der Megaupload-Plattform ein Geschäftsmodell, das ihm Millionen einbrachte und die Internet-Welt veränderte. Und genau das wird er nun wieder tun, davon ist seine weltweite Fangemeinde überzeugt. Zwar drohen ihm bis zu 50 Jahre Knast, falls er von seiner Wahlheimat Neuseeland an die USA ausgeliefert würde. Doch Dotcom lässt sich nicht einschüchtern. Im Gegenteil: Das 1,95 Meter grosse, über 140 Kilogramm schwere Riesenbaby geht in die Offensive.
MegaBox kommt doch
Über seinen neuen Twitter-Account kündigte Dotcom diese Woche einen neuen Angriff auf die Unterhaltungsindustrie an. Dabei liess ein Wort die Alarmglocken läuten: MegaBox.
Sein neues Angebot soll ein Internet-Musikdienst sein, bei dem die Künstler ihre Werke kostenlos zum Download anbieten können und indirekt - sprich über Online-Werbung - dafür entschädigt werden. Ein via Twitter verbreitetes Foto zeigt den Screenshot einer Website: Darauf wird für eine Android-App geworben, die «unbegrenzten Platz für all deine Musik» verspricht.
Verschwörungstheorie?
Im Januar - nach der Verhaftung Dotcoms - hatten Gerüchte die Runde gemacht, dass der FBI-Schlag gegen MegaUpload auf Drängen der US-Musikindustrie erfolgt sei. Im Internet wurde eine Verschwörungstheorie verbreitet, wonach die Polizeiaktion erfolgte, um die Lancierung von MegaBox zu verhindern.
Das sei kein so abwegiges Szenario, vermuteten Kommentatoren. MegaUpload war zu jenem Zeitpunkt auf Platz 13 der weltgrössten Websites, mit monatlich über einer Milliarde Nutzer. Ausgehend von diesen Zahlen kann man sich unter MegaBox einen iTunes-Herausforderer vorstellen, der gratis ist und bis zu 50 Millionen Nutzer pro Tag hat.
Ketchup zum Frühstück
Kim Dotcom ist längst zur Pop-Ikone geworden. Auf Twitter, wo er innert eines Tages über 1000 Follower gewann, lässt er die Welt an seinen verrückten Einfällen und seinem Familienleben teilhaben. Zum Frühstück gebe er den Kindern Ketchup, witzelt der fünffache Vater. Dann wieder nimmt er das FBI auf die Schippe, schimpft über die «Hollywood-Marionetten» und tut so, als würde er auf dem Tennisplatz seiner Villa etwas Kriminelles planen.
Mit Raikkönen auf dem Nürburgring
«Ich habe gerade erst angefangen», singt der 38-Jährige in einem Song, den er angeblich selbst komponiert hat. «Take me away», heisst der Titel, der ein verrücktes Video vom legendären Nürburgring untermalt. Hauptdarsteller, neben Dotcom, ist der Formel-1-Fahrer Kimi Raikkönen. Kim und Kimi in einer Kopf-an-Kopf-Fahrt auf der deutschen Rennstrecke. Dotcom hat den professionell produzierten Clip, der 2011 gedreht wurde, im Frühjahr auf YouTube hochgeladen.
(Quelle: youtube.com/MrKimDotcom)
Song Anfang nächster Woche
Dass er sich gerne mit Prominenten schmückt, ist hinlänglich bekannt. Den Song zum Rennvideo hat er mit Printz Board produziert - ein berühmter Musikproduzent aus Los Angeles, der auch schon mit den Black Eyed Peas gearbeitet hat. Der Amerikaner soll angeblich auch Dotcoms erstes Musik-Album produzieren, das in diesem Sommer herauskommen soll.
Schon bald werde es einen musikalischen Vorgeschmack geben, verriet nun Dotcom via Twitter. Den Song «Mr. President» stelle er Anfang nächster Woche ins Netz - natürlich gratis.
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