LibraWhatsapp-Weltwährung soll das Leben verändern
Der Social-Media-Gigant Facebook lanciert seine eigene Währung Libra. Milliarden Nutzer sollen damit künftig bezahlen. Das musst du über das Projekt wissen.
Worum geht es?
Facebook will eine eigene Digitalwährung lancieren: Libra. Das Wort stammt aus dem Lateinischen und bedeutet Waage. In Zukunft sollen Milliarden Nutzer auf verschiedenen Facebook-Plattformen wie Whatsapp und Instagram mit Libra anderen Geld überweisen und auch bezahlen.
Wie funktioniert Libra?
Libra ist ein sogenannter Stable Coin. Das heisst, ein Libra ist in einem fixen Verhältnis (zum Beispiel 1:1) an eine spezifische Währung, wie etwa den Schweizer Franken, gekoppelt. Gleichzeitig wird die gleiche Menge an Coins in echter Währung hinterlegt (1 Mio. Libra = 1 Mio. Franken). Wenn die Nachfrage steigt, werden mehr Libras erstellt, um den Coin zu stabilisieren. Es gibt auch keine maximale Anzahl Libra und somit keine künstliche Verknappung. Darum ist Libra auch keinen Kursschwankungen ausgesetzt wie etwa Bitcoin.
Was kann ich damit machen?
Ziel von Facebook ist es, Libra als eine weltweite Digitalwährung zu etablieren. «Wenn ich zum Beispiel in den USA eine Hose kaufe, muss ich nicht extra von Dollar in Franken umrechnen, sondern bezahle einfach mit 50 Libra», sagt Alexander Denzler, Blockchain-Experte von der Hochschule Luzern (HSLU). Auch hohe Kosten für Transaktionen ins Ausland sollen mit Libra passé sein, verspricht Facebook. Die Nutzer sollen untereinander Libra nutzen, um sich via Whatsapp oder dem Facebook Messenger Geld zu überweisen. Auch das Bezahlen im Internet soll mit Libra möglich sein. Mit dabei sind unter anderem auch Ebay und Uber.
Wann und wo kann ich die Währung kaufen?
Kaufen kann man die Libra noch nicht. Das Projekt soll erst in der zweiten Hälfte des Jahres 2020 umgesetzt sein. Dann sollen Nutzer eine Landeswährung gegen Libra tauschen können. Diese Coins werden dann auf einer sogenannten Wallet gespeichert. Nutzer sollen dabei wählen können, wo sie ihre virtuelle Brieftasche erstellen, da es verschiedene Anbieter geben soll.
Ist es einfach eine weitere Kryptowährung?
Etwas Ähnliches in dieser Form und in diesem Ausmass hat es bisher noch nie gegeben, sagt Daniel Diemers vom Unternehmensberater Pwc Strategy&. Libra habe ein enormes Potenzial. «Wenn die 2,5 Milliarden Nutzer im Facebook-Ökosystem damit bezahlen, ist es ein Milliardenmarkt», sagt er. Facebook habe zudem den Vorteil, die Währung über die eigenen Kanäle zu vermarkten, ergänzt Denzler von der HSLU.
Ist Libra sicher?
Grundsätzlich gelte die Blockchain-Technologie als sicher, sagt Diemers der Pwc. Libra sei als abgeschlossenes Ökosystem geplant. Für eine Aussage zur Sicherheit ist es noch zu früh.
Wie verdient Facebook damit Geld?
Einerseits könnte es Transaktionsgebühren geben. Auch beim Wechsel von Franken zu Libra könnte Facebook mitverdienen. Weiter könnte Facebook eine Nutzungslizenz für die Partnerfirmen erheben. Denkbar ist aber auch, dass Facebook aus den Daten Profit schlägt. «Daten sind viel Wert. Das trifft auch auf Libra zu, was wirklich mit den Daten passiert, ist schwer zu sagen», sagt Denzler. Laut Facebook habe man aber keinen Zugriff auf die Transaktionsdaten der Kunden. Weiter erhebt Facebook eine Gebühr von mindestens 10 Millionen Dollar für die Teilnahme am Konsortium. Maximal werden 500 bis 1000 solcher Lizenzen versteigert.
Wieso kommt Libra jetzt?
Hier kann man nur spekulieren. Blockchain als ganze Industrie ist einen Schritt weiter als noch vor einem Jahr. Und: «Langsam merken Firmen, dass es konkrete Anwendungsfälle gibt, das ist auch bei Facebook nicht anders», sagt Denzler.
Wieso ist der Libra-Verein in Genf angesiedelt?
Der Schweizer Finanzmarktplatz bietet eine gewisse Sicherheit, auch was die gesetzlichen Rahmenbedingungen für die Lancierung einer solchen Digitalwährung angeht, so Denzler. Auch würden international wohl viele Leute die Schweiz mit Banken assoziieren. Auch sei es ein positives Signal, dass die Arbeit in Bezug auf Blockchains in der Schweiz geschätzt werde, erklärt Diemers.
Was bedeutet das für hiesige Banken?
In einer Zukunft, in der weltweit Milliarden von Nutzern mit Libra bezahlen und anderen Geld überweisen, habe dies garantiert einen Einfluss auf Finanzinstitute, sagt Denzler. Das sei aber eher längerfristig der Fall. «Ich sehe aber ein grosses Potenzial für eine einschneidende Veränderung des Marktes.»
Was für Veränderungen?
Für traditionelle Banken bestehe die Gefahr, dass sie Marktanteile im Zahlungsverkehr verlieren, sagt Christoph Kley, Banking-Dozent an der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaft: «Facebook mit seiner Vertriebs- und Netzwerkmacht ist ernst zu nehmen.» Aus regulatorischer Sicht wirft Libra aber Fragen auf – gerade weil sie eine Kryptowährung ist. Die Finanzmarktaufsicht steht mit den Initianten des Projekts in Kontakt, um zu entscheiden, welche Bewilligungspflichten bei der Umsetzung anfallen. Laut Kley geht es vor allem darum, Geldwäsche zu verhindern.
Die Blockchain ist eine dezentral organisierte Kette von Daten, die die Informationen zu sämtlichen Transaktionen enthält, die je zwischen den Teilnehmern eines Netzwerks getätigt wurden. Alle Teilnehmer verfügen über dieselben Informationen, die nicht manipuliert werden können, solange niemand die Mehrheit der Rechenleistung besitzt. Durch diese Funktionsweise werden Mittelsmänner theoretisch komplett überflüssig. Handel ist auf transparente Art und Weise direkt zwischen den Teilnehmern möglich.
David Marcus ist der Schweizer hinter Libra und verantwortlich für das Facebooks-Blockchain-Projekt. Der 46-Jährige wurde in Frankreich geboren und wuchs in Genf auf. Dort gründete er sein erstes Unternehmen. 2008 siedelte er ins Silicon Valley um, wo er die Payment-Firma Zong gründete. Das Unternehmen wurde später von Paypal gekauft, worauf er zum CEO aufstieg. 2014 wechselte er zu Facebook. Marcus hat den Schweizer Pass und die «Bilanz» zählt ihn mit einem Vermögen von 275 Millionen Franken (2018) zu den 300 reichsten Schweizern.