«Mad Heidi»Eine Million für den blutigsten Schweizer Film
Die Idee hinter dem grossartig überzeichneten «Mad Heidi» ist so abgedreht, dass der Film nicht über klassische Wege, sondern via Crowdfunding finanziert werden muss.
Da werden Erinnerungen an Quentin Tarantino, Robert Rodriguez und Grindhouse-Filme wach: Der Teaser-Trailer zu «Mad Heidi», mit dem das Projekt seine Crowdfunding-Phase einläutet. (Video: Decoy Films/madheidi.com)
Eine Hellebarde schwingendes Heidi, das sich gegen einen totalitär regierenden Bundesrat auflehnt, der Andersdenkende mit Käsefondue foltert: «Mad Heidi» soll abgefahren und politisch unkorrekt werden und entspricht so gar nicht der Machart der meisten Schweizer Filme. Und kann somit auch nicht über den üblichen Fördergeld-Weg finanziert werden – dafür gibt es zu viele Innereien, zu wenig klassische Artyness zu sehen.
Darum setzen die Macher auf Crowdfunding. «In der Schweizer Filmbranche wird das Potenzial von Social Media noch kaum ausgenutzt», sagt Regisseur Johannes Hartmann zu 20 Minuten, «und es gab wohl noch keinen Schweizer Film, der vor dem Release schon über 24'000 Facebook-Follower hatte.»
Drehbeginn in einem Jahr – wenn alles gut läuft
Diese – und alle anderen, die den Film realisiert sehen wollen – haben ab sofort die Möglichkeit, das Projekt via Madheidi.com zu unterstützen und das investierte Geld gegen Goodies einzutauschen. Diese reichen von einer Erwähnung im Abspann bis zum «Executive Producer»-Credit zu Beginn des Streifens. Das Ziel ist ambitioniert: Eine Million Franken soll so zusammenkommen.
Die erste Crowdfunding-Phase gilt dem Drehbuch, danach folgen weitere für Vor- und Post-Produktion sowie die eigentlichen Dreharbeiten. «Wenn die Finanzierung perfekt läuft und wir nächsten Herbst drehen können, kommt der Film frühestens im Winter 2019/20, vielleicht auch im Frühling 2020 heraus», sagt Hartmann vorsichtig optimistisch.
Unterstützung von «Iron Sky»-Produzent
Der Release soll dann nicht klassisch im Kino erfolgen, sondern zuerst mit speziellen Vorführungen und Download/DVD/Blu-Ray für die Fans, die ihr Geld in den Streifen investiert haben. «Wenn wir den Leuten sagen können: ‹Hey, du hast uns geholfen, darum zeigen wir dir den Film zuerst›, dann sorgt das für einen tollen Spirit», findet Produzent Valentin Greutert. «Das könnte ausserdem eine neue Art sein, Filme mit kleinem Budget zu produzieren», sagt er.
Neben Greutert kümmert sich auch Tero Kaukomaa um die Produktion. Der Finne sorgte mit dem zu einem wichtigen Teil per Crowdfunding finanzierten 2012er Nazi-Sci-Fi-Kracher «Iron Sky» für Aufsehen. Er war es auch, dem Hartmann seine «Mad Heidi»-Idee vor rund eineinhalb Jahren vorgestellt hat.
Beinahe Beef mit der Heidiland-Region
Bis vor kurzem hiess das Projekt übrigens noch «Heidiland» – wie die Ostschweizer Tourismusregion. Als Filmtitel wäre das rechtlich kein Problem gewesen, aber weil die Macher im Zuge des Crowdfundings auch eine Menge Merchandise verkaufen wollen, sieht die Situation anders aus.
«Wir haben von Heidiland einen Brief bekommen, von einer Vermarktung unter diesem Namen doch abzusehen», sagt Greutert. «Wir kannten die Autobahn-Raststätte, da denkt man sich ja nichts weiter dabei. Aber um die Marke wurde ein 360-Grad-Schutz aufgebaut, so etwas habe ich selten gesehen.»
Mit dem für die Crowdfunding-Kampagne produzierten Teaser oben kannst du dir selbst ein Bild von der blutigen Heimatfilm-Persiflage machen.

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