«Grüne Wirtschaft»Roche-Erbe provoziert seinen eigenen Konzern
Er ist Vizepräsident des Pharmariesen Roche und zählt zu den Reichsten der Schweiz. Nun setzt sich André Hoffmann vehement für die Initiative «Grüne Wirtschaft» ein.
Das Vermögen der Roche-Erben wird auf 25 bis 26 Milliarden Franken geschätzt. Einer der wirtschaftlich Aktivsten der Familie ist André Hoffmann: Der 58-Jährige sitzt seit Jahrzehnten im Verwaltungsrat des Pharma-Riesen, den sein Urgrossvater gegründet hat. Nun schert er aus und zeigt sich als dezidiert Grüner. Er unterstützt die Initiative «Grüne Wirtschaft», die der Konzern Roche ablehnt, mit Geld und einem öffentlichen Bekenntnis.
«Ich engagiere mich, weil ich wirklich überzeugt bin vom Grundanliegen dieser Initiative», sagt Hoffmann in einem Interview der «SonntagsZeitung» sowie «Le Matin Dimanche» . Sie werde dafür sorgen, dass dies Wirtschaft insgesamt nachhaltiger arbeite. Ziel der Initiative ist, bis 2050 den ökologischen Fussabdruck der Schweiz so zu reduzieren, dass hochgerechnet auf die Weltbevölkerung nicht mehr Ressourcen verbracht werden als wieder nachwachsen.
Liberaler Spagat
Roche wie auch der Verband Scienceindustries sind gegen die Initative, über die am 25. September abgestimmt wird. Hoffmann sieht in der Sache an sich jedoch keinen Widerspruch. «Roche beweist seit langem, dass man nachhaltig und erfolgreich arbeiten kann.» Einen Haken sieht Hoffmann allerdings: Unternehmen wie Roche stehen Vorschriften vom Staat gegenüber grundsätzlich ablehnend gegenüber. «Ich glaube indes, dass wir nicht um eine gewisse Regulierung herumkommen», betont Hoffmann.
Die Pharmaindustrie und allen voran der Konzern Roche sind derzeit die grossen Wachstumstreiber der Schweizer Wirtschaft. Im zweiten Quartal zog die Schweizer Wirtschaft um 0,6 Prozent an, das Wachstum ging zwar breit abgestützt auf allen Branchen zurück. Aber die Pharmaindustrie blieb bei den Exporten die herausragende Kraft. Hoffmann betont, er mache sich keine Sorgen, dass die «grüne Wirtschaft» die Schweiz vom Welthandel abhängen könnte: «Wir haben ein teures System in der Schweiz und können schon heute im Wettbewerb nicht bestehen, wenn es nur um Produktionskosten geht.» Genau deshalb sei die Initiative und die damit verbundende weitere Innovation wichtig.