Handy statt MünzApple Pay bereitet Gang in die Schweiz vor
Twint und Paymit kämpfen hierzulande um die Vorherrschaft im digitalen Bezahlen. Doch nun könnte ihnen Apple einen Strich durch die Rechnung machen.
In den letzten Monaten intensivierte sich der Kampf ums digitale Bezahlen in der Schweiz. Während UBS und Zürcher Kantonalbank auf die Lösung Paymit der Firma SIX setzten, entschieden sich viele andere Banken für die PostFinance-Lösung Twint.
Doch das Duell könnte schon bald zum Dreikampf werden. Wie es derzeit aussieht, steht der Schweizer Markteintritt des Giganten Apple mit seiner mobilen Bezahllösung Apple Pay kurz bevor. Grund: Ende Februar wurde die Marke Apple Pay durch den Konzern aus Cupertino hierzulande registriert und aktiviert. Im Register des Eidgenössischen Instituts für geistiges Eigentum wurde das entsprechende Markenlogo aktiviert.
«Kein Kommentar»
Wann Apple Pay genau kommt, ist noch unklar. Schweiz-Mediensprecherin Andrea Brack wollte sich zur Frage nicht äussern. Immerhin verrät ein Blick in den Markenregistereintrag von Apple einiges. Es heisst dort: «Finanzwesen; Finanztransaktionen; Dienstleistungen in Bezug auf die Online-Bezahlung von Rechnungen; Bereitstellen von sicheren Handelstransaktionen; Abwicklung von Zahlungen mit Debit- und Kreditkarten; elektronische Zahlungsdienste.»
Interessant ist dabei: Nicht nur Zahlungen an der Kasse und Geldüberweisungen, sondern auch weitere Finanzdienstleistungen will Apple erbringen, wie zum Beispiel das Bezahlen von Rechnungen. Apple scheint mit Apple Pay in der Schweiz also eine umfassende Finanzlösung anzustreben. In den USA gibt es Hinweise darauf, dass Apple sogar den Verkauf von Finanzprodukten plant, wie finews.ch betont.
Hoher Marktanteil hilft Apple
Die Nachricht vom Einstieg des US-Giganten ist für Paymit und Twint vor allem deswegen negativ, weil in der Schweiz das iPhone bei den Kunden äusserst beliebt ist. Der Konzern hat hierzulande einen Marktanteil von über 50 Prozent. Da nur iPhone-Kunden Apple Pay benutzen können, ist in der Schweiz der Anteil möglicher Nutzer somit im Vergleich zu anderen Ländern um ein Vielfaches höher.
Fintech-Investor und Usgang.ch-Gründer Marc P. Bernegger äussert sich auf Twitter zum kommenden Eintritt von Apple Pay und spricht von einem kommenden «Payment War». Zu 20 Minuten sagt er: «Statt sich gegenseitig zu bekämpfen, sollten sich die Schweizer Anbieter Twint und Paymit auf einen gemeinsamen Standard einigen, bevor Apple und Google definitiv in die Schweiz kommen.» So könnten sie ihre Position im Kampf gegen die internationalen Anbieter stärken.
Im Moment hat Twint 100'000 aktive Nutzer. «Täglich zählen wir mehrere tausend Bezahlvorgänge», sagte Post-Chefin Susanne Ruoff im Interview mit 20 Minuten. Paymit wiederum hatten Ende Februar knapp 200'000 Schweizer heruntergeladen, so Andreas Kubli von der UBS zur «Handelszeitung». Wie viele davon die App regelmässig nutzen, sagte Kubli nicht.
Jürg Schneider vom Paymit-Betreiber SIX sagt zu 20 Minuten, er mache sich wegen des baldigen Markteintritts von Apple keine Sorgen. «SIX hat eine bereits bestehende Zusammenarbeit mit der Mehrheit der Schweizer Händler, die mit Paymit kein weiteres Zahlterminal benötigen. Zahlreiche Gespräche laufen auf allen Ebenen und sind weit fortgeschritten. Das Interesse seitens der Händler an Paymit ist gross.» Auch bei Twint fürchtet man sich nicht vor Apple. «Ein Blick nach Kanada oder Australien zeigt, dass bei Apple Pay die meisten Banken nicht mitmachen wollen.» Und weiter: «Ein Markeneintrag ist noch kein Markteintritt.»
Was braucht es für den Erfolg einer Bezahl-App?
Für HSLU-Professor Andreas Dietrich hängt der Erfolg einer Bezahl-App von ihren Zusatzfunktionen ab. Gemeint ist zum Beispiel die Integration von Punktesammelkarten wie Cumulus oder Supercard. Auch eine einfache Bedienung oder eine Billett-Speicherfunktion können helfen, die Kunden für eine Bezahl-App zu gewinnen, ergänzt ZHAW-Bezahlexperte Sandro Graf. Allgemein gelte: «Lösungen, die sich nur auf das Bezahlen konzentrieren und keine anderen Mehrwerte bieten, haben es schwer.» Im Gegensatz dazu zeigt sich Telekom-Spezialist Ralf Beyeler kritisch: «Alle denken, Bezahl-Apps sind die Zukunft und wollen sich ein Stück vom Kuchen abschneiden. Was dabei vergessen geht: Ein grosser Teil der Konsumenten hat derzeit noch grosse Sicherheitsbedenken in Bezug auf diese neue Technologie.» (kwo)