Die Swiss sucht mit Extra-Kampagne junge Piloten

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Der Bedarf an Piloten steigt seit Jahren an. Nun sucht die Swiss mit einer Werbekampagne Nachwuchs.

Dorothea Vollenweider
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Dorothea Vollenweider
Die anhaltend hohe Nachfrage nach Piloten in den kommenden Jahren stellt die Fluggesellschaft Swiss vor eine Herausforderung.
Mit einer neuen Kampagne sucht die Swiss vor allem auf Online-Kanälen und Social Media Nachwuchspiloten.
«Die Kampagne zielt auf 18- und 30-jährige Personen in der Schweiz ab», sagt Swiss-Sprecherin Karin  Müller zu 20 Minuten.
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Die anhaltend hohe Nachfrage nach Piloten in den kommenden Jahren stellt die Fluggesellschaft Swiss vor eine Herausforderung.

Keystone/Christian Merz

Der Werbefilm beginnt mit einer jungen hippen Frau, die mehrere Shoppingtaschen schleppt. Dann wird folgender Text eingeblendet: «Du verpasst nie einen guten Deal? Werde Pilotin. Wir finanzieren die 22-monatige Ausbildung mit.» Die neue Kampagne der Swiss wird vor allem auf Online-Kanälen und auf Social Media gezeigt. Aber auch klassische Plakatwände werden für die Kampagne genutzt.

Die Airline Swiss sucht dringend Nachwuchspiloten. «Wie in anderen hochspezialisierten Branchen in der Schweiz stehen auch wir vor der Herausforderung, genügend Fachkräfte zu finden», sagt Swiss-Sprecherin Karin Müller zu 20 Minuten. Der anhaltend hohe Bedarf an Piloten in den kommenden Jahren sei eine Herausforderung.

Weltweiter Pilotenmangel

Das gilt nicht nur für die Schweiz: Auch europaweit ist der Markt umkämpft: Der Flugzeughersteller Boeing hat letztes Jahr in einer Studie prognostiziert, dass allein in Europa in den nächsten 20 Jahren 146'000 neue Piloten benötigt werden. Weltweit sind es rund 790'000 Piloten.

Die Swiss selbst braucht rund 50 bis 60 Piloten jährlich. Das Problem: Der Schweizer Arbeitsmarkt sei relativ klein. Zudem stelle die Swiss unverändert hohe Qualitätsstandards an den Pilotenberuf, wie Müller betont.

Das Anforderungsprofil wurde gelockert

Und doch: Das Anforderungsprofil hat sich gelockert. So muss man heute nicht mehr studiert haben, um sich als Pilot oder Pilotin zu bewerben. Auch eine Matura oder ein Lehrabschluss reichen, um sich zu bewerben.

Zudem wird in einem der Werbefilme betont: «Fliegen ist auch mit Brille möglich!» Ist das neu? «Tatsächlich handelt es sich hier um ein Vorurteil von früher», sagt Müller. Bei einer Marktstudie unter jungen Schweizer sei herausgekommen, dass dies viele nicht wissen würden. Bei Swiss sei es seit vielen Jahren möglich, auch mit Brille Pilot zu werden.

Swiss will Frauen ansprechen

Auch bei der Definition der Zielgruppe fällt auf, dass die Swiss die Suche ausweiten will. «Die Kampagne zielt auf 18- und 30-jährige Personen in der Schweiz ab», sagt Müller zu 20 Minuten. Auffallend viele Protagonistinnen der Kampagne sind weiblich. «Es ist richtig, dass wir erstmalig auch auf junge Frauen fokussieren», sagt Müller.

Der Anteil der Pilotinnen liegt bei der Swiss derzeit bei rund 5 Prozent. «Das ist aus unserer Sicht definitiv zu wenig», sagt Müller. Insbesondere bei Frauen seien noch viele Vorurteile und Klischees gegenüber dem Beruf als Pilotin vorhanden.

Der Glamourfaktor ist weg

Doch nicht nur Frauen haben Vorurteile gegenüber Piloten, die nicht mehr aktuell sind. So sagt Personalexperte Matthias Mölleney: «Das Bild des ‹Helden der Lüfte› mit weissem Hemd und goldenen Streifen auf der Schulter hat ausgedient.» Der Swiss gehe es bei dieser Aktion nicht nur um konkrete Rekrutierungen, sondern auch darum, den Pilotenberuf in einem anderen Kontext darzustellen und ihm ein moderneres Image zu geben.

Denn das Image des Pilotenberufs habe in den letzten Jahren stark unter dem Wachstum gelitten, sagt Mölleney. Ein Grund dafür ist, dass Piloten heute wesentlich weniger verdienten. Zwar verdient ein Swiss-Pilot als Captain auf der Langstrecke noch immer rund 210'000 Franken. Doch bei vielen europäischen Airlines ist der Maximallohn laut Mölleney rund ein Drittel tiefer. «Der Beruf hat den Glamour-Faktor verloren.» Der einstige Personalchef der Swissair ist heute Leiter des Human Resources Management Zentrums an der Hochschule für Wirtschaft Zürich.

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